Der Heiligabend ist da und damit auch die Bescherung für den besten Hersteller der MotoGP-Saison 2025. Im Jahreszeugnis von Motorsport-Magazin.com kommen bei Ducati aber bei Weitem nicht alle so gut weg, wie das Brüderpaar, welches Sportgeschichte schrieb.

Fehlschlag GP25: Ducati dominiert MotoGP-Saison 2025 trotz technischem Stillstand

Wenn wir auf die reinen Zahlen blicken, so ist Ducati weiter die klar dominierende Kraft der Königsklasse. 17 von 22 Rennen gewannen sie, in allen anderen war mindestens eine Desmosedici auf dem Podium. 768 Punkte in der Konstrukteurswertung bedeuten 350 mehr als das zweitplatzierte Aprilia. Und dennoch herrscht da eine gewisse Unzufriedenheit. Es ist das Gefühl, sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht zu haben.

Gigi Dall'Igna war mit der GP25 nicht zufrieden, Foto: Ducati Media
Gigi Dall'Igna war mit der GP25 nicht zufrieden, Foto: Ducati Media

Nicht umsonst betonte Ingenieursikone Gigi Dall'Igna zuletzt, dass sich so etwas wie die GP25 nicht wiederholen darf. Schon bei den Wintertests wurden die meisten neuen Teile verworfen. Und die, die am Motorrad blieben, erwiesen sich als äußerst schwierig zu verstehen für Bagnaia und Di Giannantonio, gewaltige Formschwankungen inklusive. Nicht wenige im Paddock bezeichneten daher das Vorjahresmodell GP24 als bestes Motorrad im Feld. Zum Ende der Saison hat dann die Aprilia ebenfalls ein Anrecht auf diesen Status markiert. Ducati scheint nicht mehr der unangefochtene technische Klassenprimus zu sein. Für die Dominanz sorgten zu einem erheblichen Teil zwei Brüder aus Spanien. Widmen wir uns nun also den Fahrern.

Marc Marquez: Das größte Comeback der Geschichte?

Wie soll die Leistung von Marc Marquez nur in Worte gefasst werden? Zurecht ordneten ihn seine Fahrerkollegen in die Geschichte der größten Comebacks des Sports - über die Motorrad-WM hinaus - ein. Da fielen Namen wie Michael Jordan als Vergleichsgröße. Und ja: Die Nummer 93 gehört genau in diese Kategorie. Nach Jahren mit schwersten Verletzungen und vielen Operationen wäre ihm volles Verständnis entgegengebracht worden, wenn der Spanier die Karriere beendet hätte. Er wäre als Legende abgetreten, aber das entspricht nicht dem unerschütterlichen Willen des Marc Marquez.

Marc Marquez gewann zum siebten Mal den MotoGP-Titel, Foto: IMAGO / IPA Sport
Marc Marquez gewann zum siebten Mal den MotoGP-Titel, Foto: IMAGO / IPA Sport

So hat er dem Buch seiner Heldentaten 2025 das große Comeback-Kapitel hinzugefügt. Vom ersten Moment an passte beim Wechsel ins Ducati-Werksteam alles zusammen. Marquez dominierte wie eh und je. Mit seinem außergewöhnlichen Können umfuhr er alle Probleme der GP25. Stürze wie in Austin, Jerez oder beim Sprint in Misano bewiesen zwar, dass auch er nur ein Mensch ist. Aber dieser Mensch ist der mit Abstand beste Motorrad-Rennfahrer der Welt. Seine unglaubliche Siegesserie von 15 Triumphen in Folge (8 Sprints und 7 Grand Prix) zur Saisonmitte untermauerte dies wohl am eindrucksvollsten. Leider beendete eine erneute Verletzung in Indonesien die Saison des Titelträgers frühzeitig. Aber wer zweifelt daran, dass er von diesem Rückschlag bärenstark zurückkehren wird? Ducati tut dies jedenfalls nicht. Sie arbeiten bereits an der Vertragsverlängerung. Mehr dazu in unserem Video:

Marc Marquez vor neuem Ducati-Vertrag! Was wird aus Bagnaia? (07:41 Min.)

Alex Marquez: Jahrelanger Anlauf für den großen Sprung

Zu etwas besonderem wurde die Saison für Marc Marquez aber nicht nur aufgrund seiner eigenen Leistung. Bruder Alex Marquez machte daraus einen historischen Erfolg. Diese Familie aus Cervera hatte die Motorrad-WM 2025 fest im Griff. Erstmals belegten Brüder die Plätze eins und zwei in der Gesamtwertung, und dann gleich in der Königsklasse. Bei Marc kannten wir dies aus der Vergangenheit, bei Alex hingegen war es die Sensation der Saison.

Alex Marquez war die Überraschung der Saison, Foto: IMAGO / NurPhoto
Alex Marquez war die Überraschung der Saison, Foto: IMAGO / NurPhoto

Der jüngere Bruder galt stets als solider MotoGP-Rennfahrer mit gelegentlichen Highlights. Nicht weniger, aber vor allem auch nicht mehr. Das hat sich mit dem Wechsel auf die GP24 schlagartig geändert. Alex Marquez fühlte sich sofort pudelwohl und war sauschnell. Aber es wäre falsch, die Erfolge nur auf das starke Bike des Gresini-Piloten zu schieben. Alex Marquez zeigte eine Konstanz, die wir von ihm nie gesehen hatten. Sicherlich gab es auch Rückschläge, aber diese beantwortete er stets mit der Rückkehr auf das Podium. Als sein Bruder für die letzten Rennen ausfiel, hielt Alex die Ducati-Fahne hoch und holte in diesem Zeitraum die meisten Punkte. Hier gibt es keine glücklichen Umstände oder andere schönende Faktoren: Alex Marquez ist nun ein Spitzenpilot. Kein Wunder also, dass er auf den Geschmack des Sieges gekommen ist:

Francesco Bagnaia: Das scheiternde Mysterium

Der zweite Pilot in diesem Zeugnis, bei dem uns die Worte fehlen, heißt Francesco Bagnaia. Der Turiner ging ins Jahr 2025 als der erwartete Marquez-Kontrahent, doch wurde er zum fahrenden Rätsel. Seine letzten sieben Rennwochenenden trieben die Achterbahnfahrt auf die Spitze: In insgesamt 14 Sprints und Grand Prix punktete der Italiener nur viermal und fiel sechsmal aus. Unter den vier Punktankünften waren allerdings auch drei Siege. Was sollen wir daraus lesen?

Francesco Bagnaia geht im Qualifying in Valencia der Sprit aus
Francesco Bagnaia erlebte 2025 ein Debakel, Foto: IMAGO / Icon Sportswire

In 'Pecco' steckt wohl immer noch ein großartiger Rennfahrer, nur konnte er dies so gut wie nie zeigen. Seit er erstmals auf die GP25 stieg, ging das einst so großartige Gefühl des Spätbremsers für die Front seiner Maschine verloren. Jede vermeintliche Lösung bei Zwischenhochs erwies sich als schnelllösliches Pflaster. Die Krise wurde immer schlimmer und Bagnaia wirkte mental ausgeknockt, das Saisonende herbeisehnend. Da half natürlich auch nicht, dass Teamkollege Marc Marquez mit demselben Bike keinerlei Probleme hatte und ein ums andere Mal zauberte. Der zweifache Weltmeister der MotoGP kann nur hoffen, dass ihm die GP26 wieder Vertrauen liefert und einen Neustart ermöglicht. Der erste Eindruck beim Valencia-Test war zumindest einmal positiv:

Fermin Aldeguer: Dall'Ignas Goldjunge belehrt die Kritiker

Fermin Aldeguer hatte vor seinem Einstieg in die MotoGP einiges an Gegenwind zu verkraften. Im Zuge einer Siegesserie zum Ende der Moto2-Saison 2023 verpflichtet, konnte der junge Spanier daran 2024 nicht mehr anknüpfen und verpasste den angepeilten Titel deutlich. Dabei fiel auch eine hohe Fehlerquote auf. Gigi Dall'Igna zweifelte jedoch nie an seinem nächsten Talent und gab ihn für sein Rookie-Jahr 2025 in die fähigen Hände von Gresini und Crewchief Frankie Carchedi.

Fermin Aldeguer feiert seinen ersten MotoGP-Sieg
Fermin Aldeguer darf sich bereits MotoGP-Sieger nennen, Foto: Gresini Racing

Nach seiner ersten Saison sind alle Zweifel am Potential Aldeguers verflogen. Sicherlich fehlte es ihm noch an Konstanz und Leistungsfähigkeit im Qualifying, doch die Grundzutaten für einen 'kommenden Champion', wie ihn Dall'Igna bereits bezeichnete, sind vorhanden. Besonders im Reifenmanagement zeigt die Nummer 54 herausragende Fähigkeiten. Beim Höhepunkt der Saison deklassierte er gar die gesamte MotoGP, als er in Indonesien zwischenzeitlich fast zehn Sekunden Vorsprung herausfuhr und den ersten Rookie-Sieg seit 2021 feierte. Dieses Juwel braucht sicherlich noch einiges an Schliff, aber es glänzte bereits mehrfach.

Fabio Di Giannantonio: Die Beförderung mündet im Stillstand

Eigentlich war für Fabio Di Giannantonio alles angerichtet, eine weitere Steigerung hinzulegen und erneut Eindruck in der Ducati-Chefetage zu hinterlassen. Der VR46-Pilot wurde mit einem Werksvertrag ausgestattet und erhielt die GP25. Doch dieses tückische Motorrad entwickelte sich für ihn zum Rodeo-Ritt.

Fabio Di Giannantonio musste sich hinter Alex Marquez einreihen, Foto: MotoGP Press
Fabio Di Giannantonio musste sich hinter Alex Marquez einreihen, Foto: MotoGP Press

Den Platz als bester Fahrer der Satellitenteams hat 'Diggia' gegen Alex Marquez weit verfehlt. Auch der zweite Sieg der MotoGP-Karriere wollte nicht gelingen. Die Leistungen des Italieners waren keineswegs schlecht und erreichten auch nur in Brünn die Tiefen von Bagnaia, doch insgesamt blieb der Eindruck von Stückwerk. Es war kein Wunder, wie glücklich er sich über die beiden dritten Ränge in Sprint und Grand Prix in Valencia zeigte. Erst zum Finale legte Di Giannantonio ein durchweg starkes Wochenende hin und war bei beiden Siegerehrungen dabei. Daran wird er 2026 anknüpfen wollen, denn sonst verbleibt der Status beim gelegentlichen Podestfahrer, der sich aber nicht für höhere Aufgaben empfiehlt.

Franco Morbidelli: Auch die Familie bringt das Problemkind nicht auf Kurs

Franco Morbidelli konnte zur Saison 2025 froh sein, überhaupt noch in der Königsklasse zu fahren. Einzig seine gute Beziehung zur VR46-Academy um Valentino Rossi verlängerte die Karriere. Der kontroverse Italiener sollte durch die Rückkehr in die 'Familie' zum zweiten Frühling finden. Tatsächlich gelang das mit zwei Podien und zwei vierten Rängen in den ersten Rennen erstaunlich gut.

Franco Morbidelli war 2025 wieder in zu viele Unfälle verwickelt, Foto: IMAGO / Action Plus
Franco Morbidelli war 2025 wieder in zu viele Unfälle verwickelt, Foto: IMAGO / Action Plus

Im weiteren Verlauf der Saison verfiel 'Franky' aber wieder in altbekannte Muster. Wenn der Römer für Schlagzeilen sorgte, dann aufgrund von Unachtsamkeiten, Pannen, Kollisionen und Diskussionen mit den Stewards. Der Ruf nach einer Sperre wurde im Paddock und unter den Fans laut. Dazu kam es nicht, aber Simon Crafar & Co. drohten dem Wiederholungstäter mit harten Strafen. Leider scheint dies alles keine Wirkung zu zeigen. Beim Saisonfinale in Valencia schoss der Italiener dann mit einem Unfall beim Einreihen in Startaufstellung endgültig den Vogel ab. Diese Eskapaden lassen in der Wahrnehmung wohl zurecht vergessen, dass seine Bilanz von 231 Punkten gar nicht so furchtbar ist.

Fazit: Die Marquez-Show kaschiert erste Risse bei Ducati

Ducati hat der MotoGP auch 2025 den Stempel aufgedrückt, oder waren es doch nur die Marquez-Brüder? Diese Frage stellte sich in den vergangenen Jahren nicht. Die Desmosedici und ihre Vorjahresmodelle waren beinahe unschlagbar, egal wer auf ihnen saß. Das hat sich mittlerweile geändert. Mit Marc Marquez am Lenker ist weiter kein Kraut gegen sie gewachsen und Alex lieferte ebenfalls konstant Spitzenleistungen, doch die anderen Piloten waren wesentlich angreifbarer als zuvor. 'Nur' noch sieben Mal gab es im Grand Prix ein reines Ducati-Podium. Das war 2024 noch satte 14-mal der Fall gewesen, obwohl zwei Rennen weniger ausgetragen wurden. Natürlich liegt das auch am Abgang von Kundenteam Pramac und der Reduzierung auf sechs Motorräder, aber eben nicht nur.

Gigi Dall'Igna hat völlig recht, wenn er den Entwicklungs-Stillstand bemängelt. Ducati lebte in der abgelaufenen Saison von der Genialität des Marc Marquez und vom zuvor herausgearbeiteten technischen Vorsprung. Im Jahr 2025 selbst hat das Ingenieursteam aus Borgio Panigale aber tatsächlich die ersten Schwächen seit langem gezeigt. Die GP25 war nicht besser als das Vorjahresmodell und Francesco Bagnaias Probleme konnten nie nachhaltig gelöst werden. Insgesamt klingt das alles negativer, als es bei einem dominierenden Hersteller mit großem Vorsprung in Fahrer-, Team- und Konstrukteurswertung sein sollte. Dennoch verfestigte sich der Eindruck, dass hier ein ernster Warnschuss vor den Bug erfolgt ist. Ducati sollte sich in Zukunft nicht nur auf Marc Marquez verlassen. Wo das hinführen kann, darf gerne bei Honda nachgefragt werden.

Was meint ihr? Wie viel der Dominanz war 2025 Ducati und wie viel Marquez? Sagt es uns in den Kommentaren.