Als die MotoGP am Freitagvormittag um 10:45 Uhr Ortszeit in das 1. Freie Training zum San-Marino-Grand-Prix startete, musste ein Fahrer erstmal zuschauen: Franco Morbidelli. Der Lokalmatador war in den ersten zehn Minuten des FP1 auf die Strafbank verbannt, nachdem er am Sonntag in Barcelona nicht auf Anweisungen der Marshals gehört hatte. In Summe bereits die neunte Strafe, die Morbidelli im laufenden Kalenderjahr kassierte - wenig überraschend klarer Höchstwert in der MotoGP-Klasse. Und genau deshalb haben sich die Stewards um Simon Crafar den 30-Jährigen aus Rom nun zur Brust genommen.

Wie am Freitagmorgen in Misano durchsickerte, musste Morbidelli bereits am Donnerstag zu einem persönlichen Gespräch mit den MotoGP-Stewards antanzen. Darin machten Crafar und Co. dem VR46-Piloten klar, dass sie sein rüpelhaftes Verhalten auf der Strecke - Morbidelli kassierte vier der neun Strafen für Kollisionen oder Bummeln auf der Ideallinie - nicht länger dulden werden. Gerüchte im MotoGP-Paddock reichten bei einem weiteren Vergehen anschließend von der Durchfahrtsstrafe bis hin zur einmaligen Rennsperre.

Aus für MotoE! Wieso die Elektroserie eingestellt wird (06:55 Min.)

Franco Morbidelli verrät: Durchfahrtsstrafe bei weiterem Vergehen!

Harter Tobak also, zu dem Morbidelli am Freitagabend in seiner Medienrunde natürlich Stellung bezog. "Ich habe gehört, dass jemand eine Geschichte verbreitet hätte, wonach mir die Behörden gesagt hätten, dass ich ein Rennen aussetzen müsste, wenn ich noch einen Fehler mache. Das stimmt aber nicht", begann die Startnummer 21. Alles nur Quatsch also? Keinesfalls! Morbidelli führte aus: "Es ist korrekt, dass ich eine Durchfahrtsstrafe bekommen werde, wenn ich nochmal etwas Anstößiges machen werde - oder etwas, dass die Stewards als anstößig beurteilen werden."

Speziell mit letztem Zusatz wurde dann auch direkt deutlich, dass Morbidelli mit diesem gewagten wie überraschenden Schritt der Stewards offenbar nicht ganz glücklich war. "Ich muss jetzt definitiv weniger aggressiv fahren. Und das ist ein Vorteil für meine Gegner. Wenn sie clever sind, werden sie das ausnutzen", klagte der Italiener und zeigte wenig Schuldbewusstsein für vergangene Aktionen. "Der Deal lautet, dass ich bei meinen Manövern besser aufpassen muss und das werde ich auch versuchen. Damit ich das aber auch wirklich tue, haben sie mir wohl noch diese zusätzliche Warnung gegeben. Ich muss jetzt komplett auf Aggressivität verzichten, denn wenn ich noch einen Fehler mache, werde ich teuer dafür bezahlen."

Strafandrohung gegen Franco Morbidelli: Wie ist das möglich?

Ob nun fair oder unfair, die Ansage ist also klar. Nachdem Morbidelli als Wiederholungstäter am Barcelona-Samstag [Kollision mit Jorge Martin, Anm.] noch glimpflich davongekommen war und sich Kollege Tobias Mühlbauer im Anschluss für die Einführung eines Strafpunktesystems nach F1-Vorbild stark machte, werden die Stewards künftig nun also härter gegen Wiederholungstäter vorgehen. Doch wie ist das plötzlich möglich? Eine Anpassung des Reglements wurde in Misano jedenfalls nicht kommuniziert, womit die Regelgrundlage der Stewards-Ansage gegen Morbidelli unklar bleibt. Traditionell verweisen die Stewards in ihren Urteilen stets auf die Art des Vergehens, wie bei Morbidelli am Barcelona-Samstag etwa das "Auslösen eines Crashes" und die dafür vorgesehene Strafe, etwa "Longlap-Penalty". Inwiefern die Sanktionen bei wiederholten Vergehen verschärft werden, geht daraus aber nicht hervor und ist auch im offiziellen Reglement der Königklasse nicht nachzulesen. Eine Anfrage von Motorsport-Magazin.com an die MotoGP mit der Bitte um Aufklärung der Situation blieb seit dem Rennsonntag in Barcelona unbeantwortet.

Gewisse Unklarheiten bleiben also, die Botschaft ist aber eindeutig. Einzig VR46-Teammanager Pablo Nieto hätte sich im Gespräch mit 'MotoGP.com' während des FP1 etwas mehr Verständnis für seinen Schützling erhofft. "Manchmal kannst du mit dem Stress und allem ziemlich unter Druck geraten", argumentierte er. Schließlich musste auch er aber erkennen: "Wir haben über alle Situationen gesprochen. Er [Morbidelli, Anm.] hatte schon eine Longlap-Penalty und Mugello mit Vinales war etwas am Limit. Jetzt müssen wir einfach im ersten Teil des Rennens etwas vorsichtiger agieren, denn da können die Dinge am einfachsten schief gehen."

Was meint ihr: Ist die Strafandrohung für Franco Morbidelli die richtige Entscheidung der Stewards? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!