Seit dem 3. Juli ist es offiziell: Liberty Media hat 84 Prozent der Unternehmensanteile an MotoGP-Promoter Dorna Sports übernommen. Die Formel-1-Rechteinhaber haben somit nun auch in der Königsklasse auf zwei Rädern das Sagen. Eine Machtverschiebung, die in den kommenden Jahren beträchtliche Veränderungen für die gesamte Motorrad-Weltmeisterschaft bringen wird. Das Aus für die MotoE mit Saisonende 2025 war eine der ersten.

Hymnenaufstellung statt Startaufstellung für MotoGP-Fahrer

Eine weitere Änderung betrifft nun direkt die Fahrer der MotoGP. Sie müssen, beginnend mit diesem Rennsonntag in Misano, vor dem Rennstart an der Spitze der Startaufstellung erscheinen, um dort der Hymne des jeweiligen Veranstalterlandes zu lauschen. Dieser offiziell 'Opening Ceremony' genannte Teil beginnt um 13:51 Uhr, also neun Minuten vor Rennstart.

Die letzten Minuten vor dem Start gehörten bislang Fahrer und Team, Foto: IMAGO / Imagn Images
Die letzten Minuten vor dem Start gehörten bislang Fahrer und Team, Foto: IMAGO / Imagn Images

Diese finalen Minuten vor dem Grand Prix sind selbstverständlich eine Zeit großer Anspannung. Die Fahrer versetzen sich mental in den viel zitierten 'Tunnel', versuchen also einen Zustand maximaler Konzentration zu erreichen. Bei wechselnden Wetterbedingungen werden nicht selten auch noch finale Anpassungen am Motorrad vorgenommen. Und wenn es Probleme am Arbeitsgerät gibt, steht ohnehin die gesamte Crew unter Strom.

Marc Marquez sauer: Immer mehr und mehr!

Dass die Fahrer nun aus dieser Vorbereitung herausgerissen werden, wie es in der Formel 1 schon seit Jahren üblich ist, trifft unter den Fahrern auf wenige Begeisterung. Am Freitagnachmittag in seiner Medienrunde darauf angesprochen, nahm sich MotoGP-Superstar Marc Marquez ungewöhnlich lange Zeit zum Überlegen. Seine Worte fielen schließlich aber äußerst klar aus: "Sie verlangen immer mehr und mehr und mehr von uns. Irgendwann wird das ganze Ding hier explodieren. Aber wir sind leider nicht diejenigen, die solche Themen entscheiden."

Die Formel-1-Fahrer werden seit vielen Jahren zur Hymne gebeten, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ
Die Formel-1-Fahrer werden seit vielen Jahren zur Hymne gebeten, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Was Marquez anspricht, sind die zahlreichen zusätzlichen Verpflichtungen, die in den vergangenen Jahren bereits Einzug im Zeitplan der MotoGP-Fahrer gehalten haben. Dazu zählen vermeintlich Social-Media-taugliche Spiele oder Fragerunden am Rande der Donnerstagspressekonferenz. Nach dem auf zehn Minuten verkürzten Warm Up am Sonntagmorgen geht es für die Piloten nun zur Fahrerparade, bei der sie auf einem Wagen um die Strecke kutschiert werden, um anschließend auf dem Fan-Walk Autogramme zu schreiben und Selfie-Wünsche zu erfüllen.

Marc Marquez legt sich erneut mit Liberty Media an

Marquez' Warnung am Freitag in Misano war nicht das erste Mal, dass sich der mit Abstand populärste Mann im aktuellen MotoGP-Feld kritisch zu diesen Show-Elementen äußerste. Im Zuge der Liberty-Media-Übernahme danach gefragt, ob er bereit dazu sei, weiteren Verpflichtungen abseits des eigentlichen Rennfahrens nachzukommen, antwortete er mit einem klaren "Nein" und führte weiter aus: "Ich bin von Beruf ein MotoGP-Fahrer. Ich habe schon meine Verpflichtungen mit dem Team, die ich erfüllen muss."

Was es mit dem Aus für die MotoE und der damit einhergehenden Reduzierung von vier auf drei WM-Klassen auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Video:

Aus für MotoE! Wieso die Elektroserie eingestellt wird (06:55 Min.)