Als die Ampel am Ende der Boxengasse um 10:45 Uhr Ortszeit auf Grün sprang, waren in Misano alle Augen auf einen Mann gerichtet. Nein, gemeint ist nicht etwa MotoGP-Superstar Marc Marquez, sondern vielmehr Wildcard-Starter Augusto Fernandez. Der Testfahrer von Yamaha hatte am Freitag die Ehre, als erster MotoGP-Pilot der Japaner ein Motorrad mit V4-Motor während eines Grand-Prix-Wochenendes um die Rennstrecke zu bewegen. Präsentiert hatte Yamaha das neue Bike bereits am Donnerstag, doch wie würde sich Fernandez mit dem V4 im Wettbewerb mit anderen Piloten schlagen? Gelang dem Hersteller aus Iwata mit dem neuen Motorrad der erhoffte Durchbruch auf Motorenseite? Die MotoGP-Welt wartete gespannt auf Antworten.

Der erste Eindruck fiel jedenfalls vielversprechend aus. Fernandez startete stark, lag nach den ersten Minuten im FP1 mit nur knapp einer Sekunde Rückstand innerhalb der Top-Ten. Doch dann der erste Schock: Etwa zur Sessionhalbzeit musste der Spanier seine M1 mit dem brandneuen V4-Motor am Streckenrand abstellen. Allerdings kein Drama, wie Teammanager Massimo Meregalli später gegenüber 'TNT Sports' erklärte: "Das Motorrad hat in den Recovery-Modus geschalten. Zurück in der Garage, haben die Jungs es gecheckt und dann lief es auch schon wieder."

Yamaha-Boss erfreut: "Guter Start" mit dem V4-Motor

Von diesem "kleinen Problem" abgesehen, zeigte sich Meregalli am Freitagnachmittag während des Trainings schon ziemlich angetan vom neuen V4-Motor. "Das war ein guter Start", gab er erfreut zu Protokoll und verriet, dass sich Fernandez bereits ziemlich wohl auf der drastisch veränderten M1 gefühlt habe. Dem Zeitentableau schenkte Meregalli zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keinerlei Beachtung. "Wir wollen keinen Druck auf Augusto aufbauen. Bei dieser Wildcard geht es nur darum, Daten zu sammeln. Wir werden die Fahrer erst am Montag [Misano-Test, Anm.] darum bitten, etwas mehr zu pushen", erklärte der Yamaha-Teammanager und meinte weiter: "Augusto wird natürlich auch pushen, er ist schließlich ein Rennfahrer, aber immer in einem sicheren Rahmen."

Tja, dieses Memo hatte Fernandez wohl nicht erhalten. In den letzten Minuten des Nachmittagstrainings sorgte er nämlich noch für den ersten Sturz des V4-Motorrads, er hatte die Front in Kurve zwei verloren. Zum Glück aus Sicht der Startnummer 7 aber ein harmloser Abflug, bei dem nicht viel beschädigt wurde. "Ich habe einen kleinen Fehler gemacht. Das war heute die erste echte 'Timeattack' mit diesem Motorrad. Ich habe mich gut gefühlt und einfach etwas zu sehr gepusht", beschrieb Fernandez seinen Sturz. Ob es dafür von Yamaha einen auf die Finger gegeben hätte? "Ich bin davor ja eine gute Runde gefahren, daher haben sie sich nicht beschwert", lachte der 27-Jährige und meinte dann: "Das kann passieren, ist Teil des Prozesses. Das war der erste Sturz überhaupt mit dem V4 und wir müssen ja auch die Limits finden."

In Kurve zwei scheint Fernandez dieses nun gefunden zu haben, in der berüchtigten 'Curvone' allerdings noch nicht. Laut Alex Rins verlor der Yamaha-Testfahrer im schnellen Rechtsknick von Kurve elf allein drei Zehntel pro Runde. Was sich nun erstmal schlecht anhört, wollte die Startnummer 42 jedoch als großen Vorteil verstanden wissen. "Er war super schnell. Für ein Motorrad, das zum ersten Mal an einem Rennwochenende teilnimmt, ist das eine richtig gute Zeit", lobte Rins und ließ somit durchklingen, dass Fernandez mit etwas mehr Erfahrung und einer besseren Linienwahl in Kurve elf sogar noch deutlich schneller hätte fahren können.

Augusto Fernandez stellt seine V4-Yamaha im Training ab
Ein kleiner Zwischenfall am Freitagmorgen warf Yamaha und Augusto Fernandez nicht aus der Bahn, Foto: IMAGO / NurPhoto

V4-Motorrad entzückt beim MotoGP-Debüt: Endlich mehr Grip am Heck!

Auch so können sich 1,198 Sekunden Rückstand auf die Tagesbestzeit von Marc Marquez aber mehr als sehen lassen. "Das war ein positiver Tag", strahlte daher auch Fernandez selbst, speziell aufgrund eines Quervergleichs zu seinem letzten Privattest in Misano: "Als wir das letzte Mal hier getestet haben, hatten wir große Probleme. Wir hatten aber schon ein paar Ideen im Kopf, haben heute Vor- und Nachmittag einige größere Veränderungen durchgeführt und sie haben alle funktioniert. Das ist ein tolles Gefühl!"

Ja, es war natürlich nur der Freitag zum San-Marino-GP. Aber Yamaha scheint mit dem V4-Motorrad tatsächlich schon jetzt auf einem guten Weg. "Wir haben noch ein paar Dinge, die auf dem Standardbike [mit Reihenmotor, Anm.] besser funktionieren. Aber wir haben das Heck und den Grip verbessert, das ist seit Anfang an viel besser", unterstrich Fernandez. Genau dort hatten die großen Yamaha-Probleme in den letzten Jahren gelegen. Bei nur 0,588 Sekunden Rückstand auf die beste M1-Zeit vom Freitag kann man also durchaus spekulieren, dass Starfahrer Fabio Quartararo auf dem neuen V4-Motorrad schon jetzt schneller als mit dem Reihenmotor sein könnte. "Das hoffe ich", konnte sich auch der Franzose selbst ein kurzes Grinsen an einem für ihn ansonsten frustrierenden Freitag nicht verkneifen. Blöd nur, dass 'El Diablo' 2025 keine Renneinsätze mehr mit dem V4-Motor absolvieren kann. Die Stimmung für 2026 scheint nun aber deutlich verbessert.

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