Seit dem letzten Wochenende der MotoGP kocht ein Thema wieder besonders auf. Die Stewards machen in dieser Saison unter Simon Crafar einen besseren Job als zuvor, da sind sich so gut wie alle einig. Doch fehlt im Reglement ein wichtiger Mechanismus, den auch sie nicht ändern können. Warum die Motorrad-WM dringend ein Strafpunkte-System wie in der Formel 1 braucht, können wir am Beispiel von zwei besonders verhaltensauffälligen Fahrern festmachen.

Morbidelli und Munoz: Die Dauersünder der Motorrad-WM

Der erste unserer beiden Übeltäter ist Franco Morbidelli. In Barcelona kassierte der Italiener gleich zwei Strafen an einem Wochenende. Insgesamt kommt er im Jahr 2025 schon auf sieben Strafen, im Schnitt alle zwei Rennwochenenden. Im Folgenden haben wir seine Sünderkartei aufgelistet.

Franco Morbidellis MotoGP-Strafregister 2025

Grand PrixStrafeGrund
Thailand+3 StrafplätzeBummeln im Training
Silverstone+3 StrafplätzeBummeln im Training
MugelloLonglapKollision mit Vinales
AssenLonglapAbkürzung
UngarnLonglapAbkürzung
BarcelonaLonglapKollision mit Martin
Barcelona10 Minuten FP1 + GeldstrafeAnweisungen der Marshals missachtet

Morbidelli hat vor allem einen Ruf als notorischer 'Bummler' weg, und das schon lange vor der aktuellen Saison. Intimfeind Aleix Espargaro kann davon ein Lied singen. Dieses Jahr hat er aber auch noch mit Kollisionen auf sich aufmerksam gemacht. Doch der VR46-Pilot ist nicht der Einzige, der das Thema Strafpunkte immer wieder aufkommen lässt. Auch Moto3-Pilot David Munoz ist nicht gerade für die feine englische Art bekannt. Im Folgenden haben wir die Vergehen des Spaniers aus der laufenden Saison aufgelistet.

David Munoz' Moto3-Strafregister 2025

Grand PrixStrafeGrund
ThailandStart aus der Box im nächsten RennenKollision unter Gelb verursacht
AustinWarnung der RennleitungKontakt mit Fernandez
JerezStart von HintenBummeln im Qualifying
Le Mans+1 Platz auf das RennergebnisKelso abgedrängt
BrünnStart von HintenBummeln im Training

Fünf Verhaltensauffälligkeiten also, und dabei handelt es sich nur um den diesjährigen Auszug aus den 'gesammelten Werken' des David Munoz. Allein beim Blick auf die letzten beiden Rennen von 2024 finden wir schon wieder zwei Unfälle, die er in Malaysia und Barcelona verursacht hatte, und damit sind wir noch lange nicht am Ende seiner Strafsammlung aus den letzten Saisons seit seinem WM-Debüt 2022 angelangt.

David Munoz drängt Joel Kelso ab, Jose Rueda schlüpft durch
David Munoz(r.) drängt gerne andere von der Strecke ab, Foto: IMAGO / PsnewZ

Kompliziertes MotoGP-System: Strafen für Wiederholungstäter nur in bestimmten Fällen

In anderen Rennserien und auch im Straßenverkehr werden bei Fehlverhalten Strafpunkte vergeben, um Wiederholungstäter zusätzlich unter Druck zu setzen. In der MotoGP und ihren Nachwuchsklassen hingegen gibt es das nur innerhalb einer Saison und auch nur für bestimmte Vergehen. So ergab sich zuletzt in Barcelona die Situation, dass in der Moto2 fünf Fahrer um neun Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt wurden, weil sie die Mindestrundenzeit nicht einhielten, also gefährlich langsam fuhren. 15 andere Fahrer leisteten sich dieses Fehlverhalten ebenfalls, erhielten jedoch nur eine Verwarnung. Bei ihnen war es der erste Vorfall dieser Art in der Saison 2025, bei den fünf bestraften jedoch der zweite. Nur in diesem Zusammenhang können wiederholte Vergehen also härtere Strafen nach sich ziehen.

Ansonsten erhalten die 'Bad Boys' der Motorrad-WM eine Art Freifahrtschein. Natürlich werden sie für ihre einzelnen Missetaten belangt, aber ein strikterer Anreiz zur dauerhaften Besserung wird nicht geschaffen. Dabei sieht der neue Chefsteward Simon Crafar genau in der 'Erziehung' der Piloten sein Ziel. Ein Strafpunkte-System könnte ihm dabei helfen. Dieses müsste aber erst im Reglement verankert werden.

Strafpunkte der Formel 1 wirken: Selbst Max Verstappen reißt sich am Riemen

In der Formel 1 gibt es ein solches System bereits seit einiger Zeit. Mit jeder Bestrafung können auch Strafpunkte angesammelt werden. Sind zwölf Punkte auf dem Konto, wird der Pilot automatisch für ein Rennen gesperrt. Außerdem verfallen die Strafpunkte erst zwölf Monaten nach dem jeweiligen Schuldspruch, werden also von einer Saison in die nächste mitgenommen.

Effektiv zustande kam eine Sperre bisher nur ein Mal: Haas-Pilot Kevin Magnussen hat es 2024 erwischt. Dennoch zeigt die Regel ihre Wirkung, denn Übeltäter mit hohem Punktekonto müssen sich am Riemen reißen. Selbst ein Max Verstappen war davor nicht gefeit. Nach seinem Rammstoß gegen George Russell in Barcelona stand der Weltmeister kurz vor dem unfreiwilligen Kurzurlaub. Sogar ein Aus für das Red-Bull-Heimrennen in Spielberg war möglich. Team und Medien trichterten ihm dies nachdrücklich ein und Russell versuchte sogar die Sperre zu provozieren. Die Folge: Seitdem leistete sich der Niederländer kein Vergehen mehr.

WM-Leader siegt von ganz hinten: Moto3 braucht drohende Rennsperren

Davon könnte auch die MotoGP profitieren. Es muss ja gar nicht zur Sperre kommen. Allein die Tatsache, dass eine droht, macht schon einen Unterschied. Ein Franco Morbidelli würde bei jedem Medientermin daran erinnert, dass es nun doch bald so weit sein könnte. David Munoz wurde im Verlauf der aktuellen Saison durch das Intact-GP-Team um Peter Öttl bereits etwas mehr Vernunft nahegebracht, doch Druck von Seiten des Reglements hätte keineswegs geschadet.

Besonders in der Moto3 zeigen die gängigen Strafen aufgrund des großen Windschatteneffekts oftmals kaum Wirkung. Das gilt am meisten für die Spitzenpiloten. Der WM-Führende Jose Rueda hat das in dieser Saison eindrucksvoll demonstriert. In Silverstone wurde er ans Ende der Startaufstellung verbannt und gewann trotzdem. Zuletzt in Barcelona musste er in die Longlap abbiegen und wurde dennoch Zweiter, mit Siegchancen bis in die letzte Runde. Auch Munoz fuhr in Brünn vom letzten Startplatz noch auf den zweiten Rang nach vorne. Eine Rennsperre hingegen kann nicht auf der Strecke ausgebügelt werden. Die Motorrad-WM braucht dringend ein Strafpunktesystem.

Jose Rueda siegt in Silverstone
Jose Rueda siegte in Silverstone von ganz hinten startend, Foto: Red Bull Content Pool

Was meint ihr? Haltet ihr die Einführung von Strafpunkten in der Motorrad-WM ebenfalls für angebracht? Sagt es uns in den Kommentaren.