Max Verstappen und George Russell starteten in Kanada zwei Wochen nach ihrer Auseinandersetzung aus der ersten Reihe und fuhren praktisch das ganze Rennen hintereinander auf den ersten beiden Plätzen. Und nichts schien zu passieren. Bis das Safety Car kurz vor Rennende kam. Ausgerechnet dort vollzog Russell zwei merkwürdige Manöver, woraufhin Red Bull nicht nur Protest einlegte, sondern einen ungeheuerlichen Verdacht äußerte.
Russell hatte erst auf der langen Geraden hinter dem Safety Car plötzlich verzögert. Ein überraschter Verstappen musste nach rechts ausscheren und Russell sogar kurz überholen. Wenig später nahm Russell an der Boxenausfahrt erneut raus. Diesmal musste Verstappen nicht ausweichen, aber dadurch hatte Russell kurz eine riesige Lücke zum Safety Car. Das Reglement verbietet eigentlich mehr als 10 Fahrzeuglängen Abstand.
Ein irritierter Verstappen meldete beide Zwischenfälle gleich am Funk, was ultimativ zu gleich zwei Red-Bull-Protesten führte. Einmal für gefährliches Fahren, einmal für die 10 Fahrzeuglängen. Erfolglos - Russells Sieg wurde kurz nach neun Uhr abends in Kanada endgültig bestätigt, der Protest abgewiesen.
"Die Regeln sind völlig klar", hatte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner davor in seiner Presserunde aufgeregt. Erst 2022 war Red-Bull-Pilot Sergio Perez in Singapur für die 10 Fahrzeuglängen bestraft worden. "Wir waren überrascht, dass es gar nicht notiert und zu den Stewards geschickt wurde. Also haben wir von unserem Recht auf Protest Gebrauch gemacht." Warum die Stewards es abwiesen, wird hier ausführlich erklärt:
Christian Horner unterstellt Russell Absicht: Keine Überraschung
Horner stellt sich da nur die Frage nach dem Grund. Russells Verhalten war nämlich eigenartig. Erst recht beim ersten Zwischenfall, bei dem er erst zum Safety Car aufschloss, dann scheinbar in den Rückspiegel schaute, bremste, Verstappen zum Ausweichen zwang und sich dann am Funk beschwerte.
Für Horner hat das einen mehr als schalen Beigeschmack. Verstappen hat schließlich aktuell 11 Strafpunkte. Ein weiterer Punkt, und er wäre für ein Rennen gesperrt. Und erratisches Fahren wie etwa durch Überholen hinter dem Safety Car wäre auf jeden Fall ein Vergehen, für welches ein Fahrer Strafpunkte erhalten würde.
"Ich denke, du konntest es in den medialen Kommentaren von George gestern hören", legt Horner seinen Verdacht dar. Da hatte Russell etwa gescherzt, er habe um einiges mehr Spielraum auf seinem Strafpunktekonto als Verstappen. Horner glaubt: "Das Ziel war recht klar. Ich glaube auch, dass nichts davon überraschend war."
Red Bull warnt Rennleitung in Kanada schon vor: War abzusehen
So plädierte Red Bull im Protest auch auf unsportliches Verhalten. "Es war abzusehen, dass womöglich Spielchen gespielt werden", ärgert sich Horner. "Das war etwas, das wir [am Freitag] nach dem Fahrerbriefing auch gegenüber dem Rennleiter angesprochen haben. Nur damit sie daran denken, denn es ist klar, dass solche Dinge passieren."
Russell und Verstappen waren vor Monaten schon in einer ähnlichen Situation aneinandergeraten. In Katar hatte Russell im Vorjahr vor den Stewards erfolgreich argumentiert, dass Verstappen eine Grid-Strafe bekommen sollte, nachdem er dem Red Bull auf einer Vorbereitungsrunde fast ins Heck gerauscht war. Aus diesem Zwischenfall stammt auch einer der 11 Strafpunkte.
Verstappen war damals außer sich gewesen und hatte Russell ähnliche unlautere Absichten unterstellt. Noch nie habe er jemanden eine so unschuldige und ungefährliche Situation so aufbauschen sehen. Beide Fahrer waren auch in Kanada wieder gemeinsam in einer über 30 Minuten langen Stewards-Anhörung gesessen. Die angeschlagene Beziehung der beiden wird es kaum verbessern.



diese Formel 1 Nachricht