Und täglich grüßt das Murmeltier. Zum Glück für McLaren passiert nicht jährlich ein Crash der eigenen Piloten in Kanada. Doch als in Runde 67 McLarens WM-Alptraum wahr wurde, schossen jedem sofort Bilder vom Kanada GP 2011 in den Kopf. Zu sehr erinnerten die Szenen von 2025 zwischen Lando Norris und Oscar Piastri an die von 2011 zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button. Das damalige McLaren-Duo kollidierte an derselben Stelle.

Rückblick Kanada GP 2011 – was war passiert?

Circuit Gilles-Villeneuve, 13 Uhr Ortszeit. Aufgrund der Seen, die sich auf der Strecke gebildet haben, wird der Kanada GP hinter dem Safety Car gestartet. Doch selbst bei schleichender Fahrt hinter dem Safety Car kämpfen die Piloten damit, ihre Autos auf der Strecke zu halten. Nach vier Runden biegt Bernd Mayländer ab, das Rennen ist freigegeben und es kracht das erste (aber nicht letzte) Mal an diesem Tag.

Lewis Hamilton und Mark Webber krachen zusammen, danach beißt sich der McLaren-Pilot rundenlang die Zähne an Michael Schumacher aus. In Runde 8 folgt die Szene, die McLaren bestimmt nicht sehen wollte: Jenson Button beging beim Herausbeschleunigen aus der Zielschikane einen kleinen Fehler, Hamilton setzte sich dank Geschwindigkeitsüberschuss neben ihn. Um seine Position zu verteidigen, zieht Button auf der Start-Ziel-Gerade nach innen in Richtung Boxenmauer und schlug damit Hamilton die Tür zu. Es kommt zur Kollision, Hamilton muss ins Gras ausweichen und kracht in die Mauer.

Kanada GP 2011: Lewis Hamiltons McLaren hängt am Abschlepphaken
Kanada GP 2011: McLaren hängt am Abschlepphaken, Foto: imago sportfotodienst
Crash von Lando Norris im McLaren
Kanada GP 2025: McLaren hängt am Abschlepphaken, Foto: IMAGO / PsnewZ

Hamilton scheidet aus, Button sichert sich in einem vier Stunden dauernden Motorsport-Wahnsinn den Sieg in der letzten Runde. Wie auch beim Crash von Lando Norris und Oscar Piastri gaben sich Hamilton und Button nach außen diplomatisch. "Ich habe mich bei Lewis entschuldigt. Ich konnte nichts sehen, als er neben mir war, auch nicht im Spiegel", sagte Button nach dem Rennen. Hamilton erklärte den Vorfall aus seiner Sicht wie folgt: "Jenson hat in der letzten Kurve zu spät gebremst. Ich kam besser durch, konnte mich seitlich neben ihn setzen. Ich konnte dann nichts mehr machen, konnte in dieser Situation auch nicht mehr ausweichen oder vorbeikommen. Aber das war sicher keine Absicht."

Button: Auf diesem Niveau braucht man Unterstützung

Im Jahr 2021 blickte Jenson Button im Podcast High Performance auf den Vorfall 2011 und die explosive Situation bei McLaren zurück. Der Brite war 2010 als Weltmeister von Brawn GP zu McLaren gewechselt. Dort traf er auf Platzhirsch Lewis Hamilton, der mit McLaren 2008 den WM-Titel holte. Im Podcast High Performance erklärte er: "Viele Piloten durchleben diese Situation. Ich glaube, es wäre von Vorteil, wenn sie an jedem Rennwochenende jemanden hätten, mit dem sie sich zusammensetzen und von Angesicht zu Angesicht sprechen könnten." Rückblickend hätte er diesen Support auch gerne gehabt.

"Aber ich dachte, ich wäre zu sehr ein 'Mann', um Unterstützung zu brauchen. Aber auf diesem Niveau, an der Spitze des Sports, benötigt man diese Unterstützung", erzählte der Weltmeister von 2009. Auch hier lässt sich eine Parallele zur aktuellen Situation bei McLaren ziehen. Piastri gilt als der mental gefestigtere McLaren-Pilot, während Norris in entscheidenden Momenten immer wieder Fehler macht. Nach dem Crash in Kanada nahm Piastri seinen Teamkollegen in Schutz: "Es liegt in seiner Natur, zu sagen, was er denkt, auch wenn es sich für ihn nachteilig auswirkt. Das ist eine großartige Eigenschaft von ihm."

Oscar Piastri reagierte nach dem Kanada-Crash gewohnt cool. Alles, was der McLaren-Pilot zum Vorfall mit Norris zu sagen hat, liest du hier: