Nach einem brillanten Sprint am Samstag verkam der Portugal-Grand-Prix einen Tag später zur Schlaftablette. Zumindest einen Aufreger hatte das vorletzte Hauptrennen der MotoGP-Saison 2025 dann aber doch. Nach einem Kontakt mit Tech3-Ersatzmann Pol Espargaro stürzte Franco Morbidelli schon nach fünf Kurven aus dem Rennen. Eine Strafe musste anschließend aber nicht Espargaro fürchten, sondern der frühzeitig ausgeschiedene VR46-Pilot.
Wie das möglich war? Ganz einfach: Weil Morbidelli die Kollision mit Espargaro Augenblicke zuvor selbst initiiert hatte. Der 30-jährige Italiener hatte in der Anfahrt zu Kurve fünf zu spät gebremst und überschoss den Einlenkpunkt deutlich. Er ging weit und hatte dabei bereits Glück, nicht in das Heck von Luca Marini gekracht zu sein. Espargaro wich aus und ging ebenfalls etwas weit, sodass sich innen eine Lücke öffnete, in die sowohl Ai Ogura als auch Enea Bastianini hineinstechen wollten. Bastianini berührte den Trackhouse-Piloten, der daraufhin wieder in Richtung Espargaro nach außen gedrückt wurde. Espargaro musste seine KTM deshalb kurzzeitig aufrichten, driftete noch weiter außen und kollidierte dabei mit Morbidelli, der zeitgleich wieder nach innen kreuzen wollte. Seht hier selbst:
Obwohl Unfallauslöser: Franco Morbidelli kommt um Strafe herum
Auf den ersten Blick eine Verkettung unglücklicher Umstände, doch die MotoGP-Stewards um Simon Crafar kündigten direkt eine Untersuchung an - und gemäß Espargaro war die Faktenlage klar. "Franco ist viel, viel, viel zu schnell in die Kurve hineingefahren. Er wollte gleich fünf Leute gleichzeitig überholen und konnte nicht mehr stoppen. Wir hatten Glück, dass er uns nicht getroffen hat. Er hat eine Art Domino-Effekt generiert, durch den alle weitgegangen sind. Das war total unübersichtlich. Er kam dann zurück, während ich noch weitere Jungs neben mir hatte. Dadurch kam es zum Kontakt. Er war da einfach viel zu ambitioniert", lautete die deutliche Kritik des Vertreters von Maverick Vinales. Bastianini stimmte zu: "Franco hat da einen Fehler gemacht, er hat zu spät gebremst."
Überraschenderweise sahen das die Stewards aber anders, denn sie sprachen am Sonntagabend keine Strafe mehr aus und entschieden auf Rennunfall. Vielleicht auch, weil diese schwerwiegende Folgen für Morbidelli gehabt hätte. Nachdem dieser in Barcelona zum wiederholten Male in der laufenden Saison negativ aufgefallen war, hatten ihm Crafar und Co. die "dunkelgelbe Karte" gezeigt. Würde er ein weiteres Mal auffällig werden, würde er im nächsten Rennen eine Durchfahrtsstrafe erhalten, so die klare Ansage der Stewards. Genau dazu wird es jetzt aber nicht kommen.
Glück im Unglück: Franco Morbidelli unbestraft und unverletzt
Glück im Unglück also für Morbidelli, der den letzten Grand Prix des Jahres in Valencia kommende Woche (14. - 16.11.) straffrei in Angriff nehmen darf. Er selbst äußerte sich am Sonntag übrigens nicht zum Zwischenfall, denn die Medienrunde mit dem gebürtigen Römer musste ausfallen. Wie VR46 mitteilte, hatte sich Morbidelli infolge seines Sturzes sicherheitshalber zu Untersuchungen ins Alvor Krankenhaus im Südwesten von Portimao begeben müssen. Dort konnten - wie bei ersten Checks im Medical Center - aber glücklicherweise keine Verletzungen festgestellt werden. Einer Teilnahme am Valencia-GP steht also auch aus körperlicher Hinsicht nichts im Wege.



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