Wow, wie unterschiedlich zwei Rennen doch verlaufen können. Lieferten Alex Marquez und Pedro Acosta im Sprint am Samstag noch MotoGP-Unterhaltung vom Allerfeinsten mit einem packenden Zweikampf um den Sieg, verkam der Portugal-GP einen Tag später eher zur Schlaftablette. Es gab nicht einen Führungswechsel - weil Marco Bezzecchi eine der dominantesten Vorstellungen der jüngeren WM-Geschichte hinlegte. Eine dicke Überraschung, nachdem er am Samstag noch chancenlos gegen Marquez und Acosta gewesen war. Wie gelang 24 Stunden später also diese Galavorstellung?

Exakt diese Frage stellte sich am Sonntagnachmittag wohl auch jeder anwesende MotoGP-Journalist in der offiziellen Pressekonferenz. Und Bezzecchi wartete glücklicherweise auch nicht lange, ehe er eine erste Antwort lieferte. "Ich bin sehr glücklich. Gestern hatte ich mir von der Pole Position etwas mehr erhofft, aber Alex und Pedro waren einfach viel zu schnell. Daher habe ich den Abend mit meinem Team in der Garage verbracht und analysiert, was ich besser machen kann", begann der nun elfmalige Grand-Prix-Sieger mit seinem Rennrückblick und verriet anschließend: "Wir haben dann etwas gefunden, das mir mit meinen Schwächen geholfen hat. Im Warm Up habe ich gemerkt, dass ich jetzt Teil des Geschehens sein werde."

Marco Bezzecchi verrät: Das machte in Portimao plötzlich so schnell

Dort war Bezzecchi eine deutliche Bestzeit gefahren, landete mehr als eine halbe Sekunde vor dem Zweitplatzierten Acosta. Doch was hatten der 26-jährige Italiener und seine Aprilia-Crew genau gefunden? "Nichts im Speziellen", wollte 'Bezz' zunächst nicht so richtig mit Sprache rausrücken. Im Anschluss ließ er dann aber doch wissen: "Ich hatte gestern die Möglichkeit, Alex viele Runden hinterherzufahren und da habe ich gesehen, dass meine Linienwahl nicht immer die Beste war. Außerdem haben die Jungs in der Box es geschafft, dass ich mein Motorrad weniger aggressiv um die Strecke fahren konnte. Grundsätzlich hatte ich mehr Vertrauen nach den Anpassungen, alles war einfach etwas besser."

Eine Kombination mehrerer Faktoren also, die in Summe einen gewaltigen Unterschied machten. "Er ist im Warm Up schon geflogen. Mir war da schon klar, dass es heute schwierig werden würde", lobte auch der unfreiwillige Fahrlehrer Alex Marquez seinen Kontrahenten. Der Sprintsieger habe dennoch versucht, mit Bezzecchi mitzuhalten, aber "ich habe dabei meinen Vorderreifen auf der linken Seite zerstört und danach war es schwierig, die Pace zu halten. Ich musste leiden, um Platz zwei gegen Pedro noch zu verteidigen." Der KTM-Youngster kam letztlich nur 0,605 Sekunden hinter Marquez ins Ziel, während dieser zwischenzeitlich mehr als vier Sekunden hinter Bezzecchi zurückgefallen war. "Ich habe alles gegeben, aber Marco war heute schlicht viel schneller", zollte die Nummer 73 daher großen Respekt.

Marco Bezzecchi verteidigte die Pole beim Start und zog anschließend davon, Foto: IMAGO / IPA Sport
Marco Bezzecchi verteidigte die Pole beim Start und zog anschließend davon, Foto: IMAGO / IPA Sport

Marco Bezzecchi: WM-Rang drei? Wen kümmerts!

Weil Francesco Bagnaia am Sonntag nach einem weiteren Sturz punktlos blieb, ist Bezzecchi mit seinem zweiten Grand-Prix-Sieg der laufenden Saison Rang drei in der Fahrer-WM jetzt praktisch sicher. Lediglich drei Pünktchen muss er beim Finale in Valencia (14. - 16.11.) dazu noch einfahren. Das gelang zuvor noch keinem Aprilia-Piloten, Aleix Espargaro wurde 2022 letztlich nur WM-Vierter. Eine große Errungenschaft also für 'Bezz', speziell nach schwierigem Saisonstart. Doch den 26-Jährigen aus Rimini kümmerte das wenig, er blickt schon auf die kommende Saison: "Wir sind noch nicht auf dem Level von Marc oder Alex. Wir müssen weitermachen und hart arbeiten, um uns weiter zu verbessern und hoffentlich bald auf ihr Level zu kommen."