Marc Marquez verletzt, Marco Bezzecchi hart bestraft - vor dem Australien-Grand-Prix klaffte in der MotoGP ein kleines Machtvakuum. Wer würde auf Phillip Island gewinnen? Alles schien möglich, und daran glaubte auch Fabio Quartararo. "Ich hoffe, dass es wie in Silverstone sein wird", gab der 26-jährige Franzose vor dem Rennwochenende an. Dort hinderte ihn einzig ein Defekt am Ride-Height-Device am ersten MotoGP-Sieg seit 2022. Und mit der Pole Position zeigte Quartararo im Qualifying zum Australien-GP auch tatsächlich groß auf. Doch in Sprint und Grand Prix ging es anschließend deutlich bergab. Warum?
Nun, für den Rückfall im Sprint gibt es eine einfache Erklärung. "Den Medium-Reifen zu wählen, war ein Fehler. Das Team hat mich zum Hard gedrängt, aber ich wollte unbedingt mit dem Medium fahren. Das war der Fehler", gab Quartararo offen und ehrlich zu. Während Markenkollege Jack Miller mit dem Hard nur knapp am Podium vorbeischrammte, schaffte er als einer von nur fünf Piloten im Feld mit dem Medium-Vorderreifen lediglich Platz sieben. "Ich hätte mehr erwartet", haderte 'El Diablo' rückblickend, wollte aber auch das Positive sehen: "Das ist eine wichtige Information für das Rennen. Wir wissen, warum wir langsam waren."
Fabio Quartararo wird im Australien-GP durchgereicht: Habe keine Erklärung!
Mit dem harten Vorderreifen im Gepäck sollte am Sonntag dann alles besser werden. Tatsächlich war aber das Gegenteil der Fall. Wie schon im Sprint startete Quartararo schlecht, fand sich nach den ersten Kurven nur noch auf Platz vier wieder. Lange blieb der Yamaha-Pilot aber auch dort nicht, denn schon in Runde acht gingen Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio vorbei. Der Anfang vom Ende. Bis zur Zielankunft wurde Quartararo auch noch von Marco Bezzecchi [nach der doppelten Longlap-Penalty hinter ihn zurückgefallen, Anm.], Luca Marini, Fermin Aldeguer, Pol Espargaro, Brad Binder, Enea Bastianini, Stallgefährte Alex Rins und Francesco Bagnaia überholt. Dass es letztlich noch zu Platz elf reichte, war einzig dem Sturz Bagnaias und einem Defekt an Aldeguers Ducati in den letzten Runden zu verdanken.
Von der Pole Position ans hintere Ende der Punkteränge: Wie konnte das passieren? Quartararo hatte am Sonntagnachmittag in seiner Medienrunde keine echte Erklärung parat. "Wirklich merkwürdig. Ich hätte kein solches Rennen erwartet, ich habe mit einer guten Pace gerechnet. Ich weiß nicht, was passiert ist, dass ich ein so viel schlechteres Gefühl hatte. Ich hatte zu keiner Zeit im Rennen eine gute Pace. Keine Ahnung, was heute passiert ist", rätselte er und beschrieb: "Ich konnte das Bike überhaupt nicht stoppen und keinen Speed in die Kurven mitnehmen."

Hatte es möglicherweise mit dem stärkeren Wind zu tun, aufgrund dessen der Australien-GP auch eine Stunde später als ursprünglich geplant gestartet wurde? Der Weltmeister von 2021 winkte ab: "Das Warm Up war in Ordnung und da war der Wind noch viel stärker. Ich weiß nicht, was im Rennen passiert ist." Vielleicht also die Reifen? Auch daran glaubte Quartararo am Sonntagnachmittag nicht: "Im 1. Freien Training war ich mit dem Medium-Hinterreifen noch konkurrenzfähig, habe mich schnell gefühlt. Aber heute habe ich mich dann überhaupt nicht mehr gut gefühlt. Wir werden sehen, was mir das Team sagen kann."
Neustart in Sepang? Fabio Quartararo will Australien-GP schnell vergessen
Bis zum Malaysia-GP am kommenden Wochenende (24. - 26. Oktober) steht bei Yamaha also noch eine tiefgründige Datenanalyse ins Haus. Was dabei herauskommt, scheint Quartararo aber nicht wirklich zu interessieren. "Ich will das abhaken und auf das nächste Rennen schauen", verkündete er und meinte abschließend: "Ich freue mich auf die nächsten vier Tage, in denen ich ein bisschen vom Rennfahren abschalten kann. Ich brauche das jetzt. Ich werde versuchen zu vergessen, was passiert ist und mich auf mich selbst konzentrieren."
Während ein Fahrer den Australien-GP also schnellstmöglich aus seiner Erinnerung streichen würde, gilt das für einen anderen gewiss nicht. Für Raul Fernandez wird der Sonntag auf Phillip Island für immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben. Wie der Trackhouse-Pilot auf seinen ersten MotoGP-Sieg reagierte, erfahrt ihr hier:



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