Null Punkte. Wer Francesco Bagnaia am Sonntagabend nach seiner Ausbeute im heimischen Wohnzimmer befragt, der wird keine Antwort erhalten. Denn in Misano kassierte der zweimalige MotoGP-Weltmeister die nächste bittere Klatsche im Jahr 2025 und holte erst zum zweiten Mal überhaupt in der Sprint-Ära an einem Rennwochenende nicht einen Punkt. Bereits im Qualifying reichte es auf der vermeintlichen Paradestrecke an der Adriaküste nur zu Startplatz acht, von wo er im Sprint bis auf P13 zurückgereicht wurde. Und im Grand Prix am Sonntag dann der Ausfall nach Sturz in Kurve zehn, ebenfalls nur auf P8 liegend.
Ein weiterer Tiefpunkt in Bagnaias mittelweile derart desaströsen Saison 2025, sodass ihm inzwischen sogar der Verlust von WM-Rang drei ins Haus steht. Kumpel Marco Bezzecchi liegt nach dem San-Marino-GP nur noch acht Punkte zurück und weist derzeit die um Welten bessere Form auf. Lediglich 24 Punkte sammelte Bagnaia in den letzten vier Rennwochenenden, nur Raul Fernandez, Ai Ogura, Joan Mir, Miguel Oliveira (jeweils 18 Punkte), Johann Zarco (8), Jack Miller (6), Alex Rins und Maverick Vinales (je 3) schnitten im gleichen Zeitraum noch schlechter ab. Zum Vergleich: Marc Marquez holte 131 Punkte, Alex Marquez 69 Punkte und Bezzecchi trotz Doppelnull in Barcelona 73 Punkte.
Stefan Bradl schimpft auf Francesco Bagnaia: "Braucht man kein Mitleid haben!"
Ein alarmierender Trend also - und einem scheint es jetzt zu reichen. "Das sieht so lustlos aus, auch wie er wegrutscht", setzte Ex-MotoGP-Pilot Stefan Bradl am Sonntagnachmittag in seiner Rolle als 'ServusTV'-Experte zu einer wahren Schmährede über Bagnaia an. Ja, man sehe mit bloßem Auge, dass der 28-jährige Italiener aktuell keinerlei Gefühl für sein Motorrad habe, "aber irgendwie sehe ich jetzt auch nicht den Punkt, dass er sich selbst zusammenreißt und sagt: 'Ich probiere es jetzt'. Ich sehe nicht, dass er es mit Gewalt probiert, aber ich sehe auch nicht die anderen Ansätze, die es von der körperlichen Einstellung her braucht, und das ist echt verwunderlich."
Laut Bradl würde sich Bagnaia seinem Schicksal aktuell also wehrlos ergeben, und das bringt den Honda-Testfahrer auf die Palme. "Da braucht man auch eigentlich kein Mitleid mehr haben, weil er ja schon auch selbst schauen muss, dass er wieder aus der Misere rauskommt", lautete die klare Ansage an Bagnaia. Denn: "Dass er es kann, hat er ja in der Vergangenheit schon bewiesen."
Auch in den Jahren seiner WM-Gewinne oder 2024 war Bagnaia zwischenzeitlich schon am Boden gelegen, hatte aber stets die richtige Antwort gefunden. Nur aktuell scheint der 40-malige Grand-Prix-Sieger mit seinem Latein am Ende. Wie Bradls Ratschlag aussehen würde? "Auf Reset schalten und ich würde es aus Pecco Bagnaias Sicht mal mit Gewalt probieren", meinte der Deutsche und erklärte: "Er hat das Ding jetzt zwar weggeschmissen, aber ich habe wirklich keine Spannung bei ihm gesehen, keinen Willen. Er ist ein bisschen leer, der Typ."

Keine Bagnaia-Medienrunde am Sonntag: Verliert Ducati den Glauben?
Wie sehr Bagnaia seine aktuelle Formkrise zu schaffen macht, zeigte sich in den Folgestunden. Seine ursprünglich für 16:20 Uhr Ortszeit angekündigte Medienrunde mit den schreibenden Journalisten wurde am Sonntag von Ducati zunächst um eine Stunde und dann auf unbekannte Zeit verschoben, ehe fast drei Stunden später schließlich ganz abgesagt wurde. Kein Statement der Nummer 63 zum Renntag also, Bagnaia befinde sich noch immer in einem "Meeting mit dem Team". Und das spricht am Sonntagabend eben auch Bände.
Ob den gebürtigen Turiner die anstehende Asien-Tournee abseits des üblichen Europa-Trubels vielleicht wieder auf die Beine holen kann? "Das ist möglich", meinte Bradl. Denn es gebe schließlich bei jedem Wochenende "wieder die Möglichkeit, dass er bei einem Rennen ein Ergebnis einfährt, dass ihn wieder aufbaut. Aber ich habe das Gefühl, dass er sich mit dem Bike-Setup komplett verrannt hat und kein Gefühl mehr hat. Jetzt wird sich zeigen, wie lange er dafür noch brauchen wird." Sechs Grands Prix verbleiben 2025 noch, um die Saison zumindest halbwegs versöhnlich abzuschließen. Also nicht mehr viel Zeit, um die Trendwende einzuleiten. Was Ducati noch tun könnte, um zu helfen? Bradl rätselte: "Das ist eben die Frage."
Der Deutsche sieht die Stimmung im Lager der Roten so langsam kippen. Davide Tardozzi hatte Bagnaia bereits nach dem schwachen Freitag in Barcelona in die Pflicht genommen, woraufhin Gigi Dall'Igna seinem einstigen Goldjungen weiterhin vollste Unterstützung zusicherte. Doch Bradl wäre sich da nach den jüngsten Entwicklungen in Misano nicht mehr so sicher: "Vielleicht haben sie ihn ja auch schon aufgegeben."



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