In diesem Moment rutschte dem MotoGP-Paddock das Herz in die Hose. 'Bitte nicht schon wieder', mag wohl durch die Köpfe gegangen sein. Jorge Martin war im Rennen in Spielberg unsanft im Kiesbett gelandet und musste danach schmerzverzerrt von den Streckenposten gestützt werden. Doch zum Glück währte die Sorge nur kurz und der Weltmeister reiste trotz seiner Nullnummer optimistisch aus Österreich ab.
Sturz-Schock für Jorge Martin nur von kurzer Dauer
Auch der Spanier selbst war nach seinem Abflug geschockt. "Im Moment des Sturzes dachte ich mir 'Nein, nein, nein', denn das ist hier eine der schlechtesten Stellen, um zu stürzen", berichtete er nach dem Rennen. Nachdem er im Kiesbett ausgangs Kurve sieben liegengeblieben war, mussten ihm die Streckenposten auf die Beine helfen und stützen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Aprilia-Pilot übelste Befürchtungen: "Der Airbag ging auf und ich hatte starke Schmerzen auf den Rippen. Ich konnte nicht atmen."
Doch zum Glück stellte sich alles als Fehlalarm heraus. "Nach einer halben Minute ging es dann besser und am Ende kann ich sagen, dass ich in Ordnung bin. Sicher habe ich hier und da Schmerzen, aber jetzt habe ich die Bestätigung, dass meine [Rippen-]Verletzungen aus Katar komplett verheilt sind", sah er sogar noch Positives im Unfall. Einer Teilnahme am kommenden Wochenende in Ungarn steht nichts im Wege, die MotoGP-Ärzte erteilten bei ihrer Untersuchung sofort die Startfreigabe. "Ich wäre schon bereit, morgen Rennen zu fahren", meinte der 'Martinator' gar.
Martin auch mental unbeirrt: Sturzgrund ist offensichtlich
Der Grund für den Sturz ist offensichtlich: "Schon von der zweiten Runde an hatte ich mit hohem Reifendruck an der Front zu kämpfen. Es war schwierig zu fahren." Besonders bei der Fahrt im Feld wird ein zu hoch gewählter Reifendruck kritisch. Dabei unterlief Martin wohl eine Fehleinschätzung, auch wenn er in diesem Zusammenhang erneut Positives sah: "Einmal fuhr ich eine 29.9, das war nicht schlecht. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt war das die schnellste Runde. Die Pace war nicht schlecht, aber da hinten im Feld zu hängen ist richtig schwierig. Ich bin das nicht gewöhnt."

Letztlich endete seine Fahrt nicht in den Punkten, sondern im Kiesbett. Trotzdem ist die Stimmung beim Weltmeister gut. Ein Hadern mit der Nullnummer gab es nicht zu hören. "Der Sturz am Freitag hat mir viel Selbstvertrauen genommen, denn ich konnte ihn nicht erklären. Dieser hier nicht, denn ich wusste um den hohen Reifendruck und die hohe Temperatur. Ich habe nichts Außergewöhnliches gemacht. Es hat mir sogar eher bestätigt, dass ich genesen bin", hakte er das Geschehene schnell ab. Nur eines gäbe es im Nachhinein zu ändern: "Ich würde aber sicherlich etwas Druck aus dem Airbag rausnehmen. Ich hatte mehr Schmerzen durch den Airbag, als durch den Sturz selbst. Er schützt die Rippen, aber bringt dir auch Schmerzen ein."
Knackpunkt Qualifying: Marco Bezzecchi zeigt, was mit der Aprilia möglich ist
Ansonsten zeigt sich Martin geduldig. Warum er nicht wie Teamkollege Marco Bezzecchi um Podestplätze fährt, ist ihm völlig klar: "Vorhin habe ich es mit Romagnoli [Daniele Romagnoli, Martins Crewchief, Anm. d. Red.] überprüft. Das war mein 80. Run auf dem Motorrad. Für Bezzecchi war es der 400. Mir fehlen da also ein paar Ausfahrten." Doch der Spanier ist sich sicher, dass es sich nur um eine Frage der Zeit handelt: "Es ist ein Prozess. Wie lange wird es dauern? Vielleicht ein Rennen, vielleicht zwei oder vielleicht vier. Aber ich weiß, ich werde da [vorne] ankommen. Da bin ich sicher, zu 100 Prozent."
Der Knackpunkt ist dabei vor allem das Qualifying, die eigentliche Spezialdisziplin des Madrilenen. Ins Q2 schaffte er es nicht, was sein Wochenende bestimmte. Aber auch hier macht der Teamkollege Hoffnung: "Ich glaube, was mir jetzt passiert ist, hat auch Marco zu Saisonbeginn erlebt. Er hatte Probleme auf eine Runde, was dir das Rennen erschwert. Sobald wir im Qualifying einen guten Startplatz herausfahren, werden auch die Resultate gut sein." Bezzecchi war in Spielberg sogar auf Pole-Position gefahren. Im Rennen verhinderte aber ein rätselhaftes Problem eine mögliche Siegchance. Hier lest ihr mehr dazu:
Aufholjagd im Sprint macht Martin Hoffnung: Rücken an die Spitze heran!
Die Rennpace ist bereits aller Ehren wert, wie der Samstag bewies: "Ich nehme etwas aus dem Sprint mit. Da war der [Reifen-]Druck auch hoch, aber noch im normalen Bereich. Ich fühlte mich sehr stark, war ab Rennmitte schnell und konkurrenzfähig. Ich konnte überholen. Das nehme ich aus dem Wochenende mit: Wir machen Fortschritte und rücken näher an die Spitze. Es fehlte uns einfach ein gutes Qualifying." Am Ende verfehlte er als Zehnter die Punkte nur knapp, obwohl er in der Startphase sogar noch hinter seinen mäßigen 14. Startplatz gefallen war.
Neben der schnellen Runde gilt es aber auch noch an weiteren Dingen zu arbeiten. "Es fehlt uns ein bisschen beim Herausbeschleunigen, da dreht das Rad durch. Ich glaube wir haben Probleme, das Gewicht auf das Heck zu verlagern. Da müssen wir uns verbessern", gibt er an. Doch Sorgen bereitet das nicht. Der Optimismus überwiegt: "Insgesamt glaube ich, dass das Bike wirklich gut funktioniert. Und das war vermutlich die schlechteste Strecke für uns für den Rest der Saison." Und wann sehen wir ihn dann wirklich wieder an der Spitze mitmischen? "Indonesien ist eine sehr gute Strecke für mich, vielleicht ist das also ein gutes Ziel." Erstmal geht es nun aber nach Ungarn und auch in Barcelona sowie in Misano gilt es vor dem Auftakt der Asien-Tour weitere Fortschritte zu erzielen.
Ihr wollt das Debüt des Balaton Park Circuit live verfolgen? Hier haben wir alle Infos für euch:



diese MotoGP Nachricht