Die großen Fragen der MotoGP-Saison 2025 scheinen beantwortet: Marc Marquez ist Weltmeister, Ducati ist Konstrukteursweltmeister und auch für die Team-Meisterschaft fehlen ihnen nur mehr zwei Punkte. Das Fahrerfeld für 2026 steht und der Rookie des Jahres wird ohne eine unglaubliche Punkteserie seitens Ai Ogura am Ende Fermin Aldeguer heißen. Worum geht es also eigentlich noch an den verbleibenden fünf Rennwochenenden? Motorsport-Magazin.com weiß da ein paar Dinge hervorzuheben.

Verhindert Francesco Bagnaia den historischen Marquez-Doppelerfolg?

Vor einem Rennen wäre das noch gar keine Frage gewesen. Dass Alex Marquez hinter seinem Bruder Vizemeister wird und damit für einen historischen Familienerfolg sorgt, schien klar. Doch dann kam Francesco Bagnaia in Motegi auf. Der Italiener dominierte und sicherte sich Siege in Sprint und Grand Prix. Offenbar hatte er im Test in Misano wirklich einen Durchbruch erzielt, der zumindest beim Japan GP perfekt funktionierte.

Francesco Bagnaia siegt aus dem Nichts! Wie war das möglich? (07:45 Min.)

Falls dies auch für die weiteren verbleibenden Rennstrecken gilt, so kann sich Alex Marquez nicht mehr zu 100 Prozent sicher sein. Noch beträgt sein Vorsprung satte 66 Punkte, doch in Japan hat er gesehen, wie 27 Zähler an einem Wochenende aufgeholt wurden. Bagnaia will seine Saison noch halbwegs reparieren und Schwung für das Jahr 2026 sammeln, er wird also Vollgas geben.

Rein theoretisch könnte übrigens auch noch Marco Bezzecchi (derzeit 98 Punkte hinter Alex Marquez) Vizemeister werden oder durch ein Abfangen Bagnaias ein reines Ducati-Podium bei der FIM-Gala verhindern. Dafür müsste der Italiener aber einen gewaltigen Lauf hinlegen und beide Kontrahenten müssten dauerhaft schwächeln. Der Platz als bester Nicht-Ducati-Pilot ist dem Aprilia-Mann hingegen fast sicher.

Marco Bezzecchi ist erster Ducati-Gegner, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Marco Bezzecchi ist erster Ducati-Gegner, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Schaffen KTM und Pedro Acosta noch den erlösenden MotoGP-Sieg?

Der einzige Nicht-Ducati-Pilot, der Bezzecchi noch abfangen könnte, heißt Pedro Acosta. Doch beim Jungstar geht es um etwas anderes. Ebenso wie Arbeitgeber KTM nagt er an der Sieglosigkeit. Der Spanier gilt als Supertalent, hat aber noch nie einen Sprint oder einen Grand Prix in der Königsklasse gewonnen. Die Mattighofener haben solche Erfolge in der Vita stehen, allerdings datieren die letzten auf 2023 (Sprint) und 2022 (Grand Prix).

Pedro Acosta wartet noch immer auf den ersten Sieg, Foto: KTM Media
Pedro Acosta wartet noch immer auf den ersten Sieg, Foto: KTM Media

Mit Enea Bastianini und Maverick Vinales waren in dieser Saison auch schon zwei weitere Piloten einer RC16 auf dem Podium zu finden, aber für den obersten Platz des Treppchens wollte es einfach nie reichen. Die Sehnsucht nach dem erlösenden Sieg ist groß. Vermutlich werden sie auf Fehler der Ducatis hoffen müssen, doch war die Pace zuletzt gut genug, um dann auch davon profitieren zu können.

Aprilia vs. KTM: Wer wird zweite Kraft?

Wer sich am Ende der Saison den Titel 'erster Ducati-Verfolger' ans Revers heften darf, ist bei den Herstellern noch nicht entschieden. Das gilt sowohl für die Konstrukteurs- als auch die Teamwertung. Bei den Teams liegt das KTM-Werksteam aktuell auf Rang vier hinter den drei Ducati-Teams. Die Orangenen haben 300 Punkte gesammelt. Konkurrent Aprilia hat deren 284. In der Konstrukteurswertung ist es umgekehrt. Dort führt Aprilia mit 286 Zählern vor KTM mit 262.

Aprilia und KTM sind um Duell des 'Best of the Rest', Foto: IMAGO / PsnewZ
Aprilia und KTM sind um Duell des 'Best of the Rest', Foto: IMAGO / PsnewZ

Letztlich scheint in beiden Fällen die Tendenz aber auf einen Verbleib der Reihenfolge zu deuten. Da Jorge Martin erneut verletzt ist und weder seine Rückkehr noch sein Leistungszustand nach dieser genau vorherzusagen sind, wird KTM in der Teamwertung mit zwei gesunden Fahrern einen Vorteil haben. In der Konstrukteurswertung hingegen zählt immer nur der beste Fahrer des Herstellers. Hier kann Marco Bezzecchi den zweiten Rang hinter Ducati also auch im Alleingang verteidigen.

Prestigeduell: Honda gegen Yamaha

Gäbe es Fabio Quartararo nicht, so wäre das kein Duell. Die Honda des Jahrgangs 2025 ist mittlerweile klar das bessere Motorrad im Vergleich zur Yamaha. In den letzten Wochen fuhren Joan Mir, Luca Marini und Johann Zarco regelmäßig um die Top-10, in Motegi gelang Mir sogar das Podium, mehr dazu hier:

Dem kann nur mehr der französische Ausnahmefahrer aus dem Hause Yamaha etwas entgegensetzen. 149 Punkte hat er gesammelt und damit 23 mehr als die anderen drei Stammpiloten zusammen. Damit wird er auch höchstwahrscheinlich als bester Fahrer eines japanischen Motorrads die Saison beenden. Johann Zarco müsste 25 Zähler aufholen. Das ist sicher nicht unmöglich, erscheint aber als schwierige Aufgabe.

Quartararo ist Yamahas Einzelkämpfer, Foto: Monster Energy Yamaha MotoGP
Quartararo ist Yamahas Einzelkämpfer, Foto: Monster Energy Yamaha MotoGP

In den Team- und Konstrukteurswertungen hingegen sieht die Sache für Yamaha anders aus. Bei den Teams hat das Werksteam (194) noch ein Polster auf die Honda-Mannschaft (169). Allerdings spricht die Tendenz klar für Mir und Marini. An den letzten fünf Wochenenden wurde der Rückstand um 35 Punkte reduziert. Machen sie also so weiter, ist noch eine Wende möglich. In der Konstrukteurswertung hingegen scheint diese fast ausgeschlossen. Da hier auch Johann Zarcos beste Ergebnisse zählen, liegt Honda (220) bereits deutlich vor Yamaha (180). So viel kann Quartararo eigentlich gar nicht zaubern.

Schafft Fermin Aldeguer den Sieg als Rookie?

Rein theoretisch kann Ai Ogura ihn noch abfangen, aber faktisch ist der Vorsprung von Fermin Aldeguer viel zu groß. Beim jungen Spanier stellt sich eigentlich eher eine andere Frage als des 'Rookie des Jahres'. Zuletzt schwächelte der Gresini-Pilot zugegebenermaßen ein wenig, doch zeigte der Youngster auch schon fantastische Rennen. Besonders sein Reifenmanagement ist bereits herausragend. In Österreich pflügte er so durchs Feld bis ins Heck von Sieger Marc Marquez. Könnte er als Neuling also sogar ein Rennen gewinnen?

Der letzte Rookie-Sieger der MotoGP datiert auf das Jahr 2021. Damals gelang Jorge Martin der Triumph in Spielberg. 2020 war es Brad Binder in Brünn. Dann müssen wir schon bis Marc Marquez 2013 zurückblicken. Es handelt sich also um eine absolute Seltenheit, aber so nah wie Aldeguer schon dran war, kann es nicht ausgeschlossen werden. Dafür braucht er vor allem einen ordentlichen Startplatz und eine gute Startphase. Hat er die, kann er von seiner fantastischen Pace in der zweiten Rennhälfte profitieren.

Trotz des feststehenden WM-Titels kann auch Marc Marquez noch weiter Geschichte schreiben. Hier erfahrt ihr mehr zu seiner Rekordjagd: