"Ich bin fast wieder bei 100 Prozent!" - Am Donnerstag strotzte Jorge Martin noch voller Selbstvertrauen, und das völlig zurecht. Nach langer Leidenszeit hatte der amtierende MotoGP-Weltmeister im tschechischen Brünn doch ein starkes Comeback hingelegt, in Sprint und Grand Prix die Plätze elf und sieben geholt. Die nachfolgende Sommerpause konnte er dann bestens nutzen, um seine körperlichen Defizite aufzuholen. Und auch im Österreich-GP schien das Vorzeige-Comeback mit Rang acht im FP1 erstmal nahtlos weiterzugehen. Doch zu Beginn des Trainings dann der erste Dämpfer.

Gerade erst aus der Boxengasse herausgefahren, flog Martin direkt zu Beginn der Nachmittagssession ab. Sich noch auf der Outlap befindend, verlor der 27-jährige Spanier in der schnellen Bergab-Rechtskurve T9 die Front seiner Aprilia RS-GP und landete mit hoher Geschwindigkeit im Kiesbett. Seine Maschine blieb schwerbeschädigt an der Unfallstelle liegen, Martin selbst war glücklicherweise aber unverletzt geblieben.

Jorge Martin stürzt in Spielberg: Unverletzt, aber angeknackst

"Das war ein ekliger Sturz. Das Bike wurde ziemlich stark beschädigt, aber sonst ist alles okay", gab der Aprilia-Star am Freitagabend an. "Mir geht es gut und ich bin nach dem Sturz in Katar auch etwas erleichtert, denn vor Brünn habe ich mit den Leuten von Alpinestars [Hersteller der Lederkombi, Anm.] gesprochen, um etwas Druck aus dem Airbag herauszunehmen, weil ich Angst hatte, dass ich meine Rippen sonst erneut verletzen könnte. Das ist heute aber nicht passiert."

Eine erfreuliche Erkentnis, aber auch die einzige. Mit dem Abflug des 'Martinators' verabschiedete sich am Freitagnachmittag nämlich sämtliche Pace der Aprilia-Piloten, sowohl Martin als auch Marco Bezzecchi müssen im Qualifying am Samstag bereits in Q1 ran. "Ich weiß nicht, was bei Marco passiert ist, weil er den ganzen Tag schnell war", begann Martin, "aber von meiner Seite kann ich sagen, dass ich mit dem Sturz jegliches Selbstvertrauen verloren habe, dass ich mir in Brünn und hier aufgebaut hatte. Ich habe mich in den Kurven danach nichts mehr getraut."

Jorge Martin kämpferisch: Rückschläge sind Teil des Prozesses!

Der erste Rückschlag also, doch Sorgen bereitet das dem Mann aus Madrid kaum. "Ich habe noch nicht das Gefühl, mein Motorrad zu fahren. Ich fahre ein Motorrad. Ich brauche noch Zeit, um mein Basis-Setup zu finden", berichtete er und erklärte: "Das ist Teil des Prozesses, ich muss mir einfach noch Zeit nehmen. Normalerweise habe ich auf dieser Strecke ein gutes Gefühl. In den letzten Jahren war ich immer schnell, alles kam von allein. Jetzt laufen die Dinge mal etwas schleppender. Da muss ich mir einfach die nötige Zeit nehmen und an den Fortschritt glauben. Es ist nötig, mir die Zeit dazu rauszunehmen."

Jorge Martin ist auf der Aprilia RS-GP noch nicht vollkommen zuhause, Foto: IMAGO / Graham Holt FocusXS
Jorge Martin ist auf der Aprilia RS-GP noch nicht vollkommen zuhause, Foto: IMAGO / Graham Holt FocusXS

Das wird Martin am Samstag tun, das Wochenende abgeschrieben hat er deswegen aber noch lange nicht. "Ich habe das Gefühl, das mein Potenzial viel größer [als Platz 16, Anm.] ist. Wir müssen nur alles zusammensetzen. Mit den Daten von Marco und Raul [Fernandez] werde ich verstehen können, wie ich schneller werde. Ich muss es nur umsetzen." Was in Sprint und Grand Prix dann noch möglich ist, wird wohl stark vom Qualifying abhängen. Ziele will sich Martin aber ohnehin nicht ausgeben: "Nach Heute ist das Wichtigste, eine komfortablere Position auf dem Bike und mein Basis-Setup zu finden. Wir sollten uns nicht auf Resultate fokussieren, sondern auf den Prozess. Das Ziel ist nur, ein gutes Gefühl aufzubauen. Dann kommen die Ergebnisse von alleine."

Was am Freitag in Spielberg sonst noch so los war? Keine Sorge, das könnt ihr ausführlichst in unserem Liveticker nachlesen: