Knapp eine Woche nach der Verpflichtung von Superbike-Star Toprak Razgatlioglu lässt Yamaha erneut mit Personalnews aufhorchen. Am Donnerstag vor dem Italien-Grand-Prix in Mugello verkündete der Hersteller aus Iwata, dass MotoGP-Legende Andrea Dovizioso fortan offiziell als Testfahrer unter Vertrag steht. Der 39-Jährige aus Cesena unterschrieb bis Jahresende 2027 bei Yamaha.

Andrea Dovizioso bereits seit Monaten für Yamaha im Einsatz

Sonderlich überrascht kommt diese Meldung nicht. Nach seinem Karriereende nach dem San-Marino-Grand-Prix 2022 hatte Dovizioso bereits im Herbst 2024 wieder für Yamaha getestet. Damals sprang der dreimalige MotoGP-Vizeweltmeister für den verletzten Yamaha-Testfahrer Cal Crutchlow ein, absolvierte einen Zweitagestest in Misano. Seither folgten weitere Einsätze, etwa beim Shakedown in Sepang oder zuletzt in privaten Testfahrten.

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Dass Dovizioso nun auch zum offiziellen Testfahrer Yamahas aufsteigt, ist also nur folgerichtig. Zu einer Rückkehr ins MotoGP-Tagesgeschäft mittels Wildcard-Einsätzen wird es allerdings nicht kommen, diese bleiben Augusto Fernandez vorbehalten. Dovizioso werde lediglich in privaten Testfahrten außerhalb des Grand-Prix-Kalenders zum Einsatz kommen, schreibt Yamaha. Dort soll der Routinier mit seiner jahrelangen MotoGP-Erfahrung zur Weiterentwicklung der YZR-M1 beitragen: "Das italienische MotoGP-Hall-of-Fame-Mitglied wird eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von Yamahas MotoGP-Maschine spielen."

Des Weiteren übernimmt Dovizioso ab sofort auch noch die neugeschaffene Rolle des "Rider Performance Advisor". Diese wurde laut Yamaha geschaffen, um die Kommunikation zwischen den Yamaha-Piloten und Ingenieuren zu verbessern. Der Italiener werde dazu künftig bei der Analyse und Weitergabe von performancerelevanten Daten unterstützen.

"Dovi ist nicht nur eine MotoGP-Legende mit großartigen Fahrkünsten, sondern er verfügt auch über technisches Wissen und kann den Ingenieuren effektiv Feedback geben. Das macht ihn sicherlich zu einem idealen Testfahrer, aber wir sahen die Möglichkeit, seine Talente innerhalb des MotoGP-Projekts von Yamaha weiter zu nutzen", wird der neue Yamaha-Teammanager Paolo Pavesio in der Pressemitteilung zitiert. "Neben seiner Tätigkeit als Testfahrer, von der wir glauben, dass sie entscheidend für unser MotoGP-Motorrad-Entwicklungsprogramm ist, freuen wir uns auch, dass er die neue Rolle des Rider Performance Advisor übernimmt. Dies wird es Yamaha ermöglichen, erfolgreich wichtige Daten zu sammeln und die Erkenntnisse zwischen allen vier Yamaha MotoGP-Fahrern und den Yamaha-Ingenieuren effizient zu teilen."

Andrea Dovizioso soll Yamaha weiterhin wichtiges Feedback zur Entwicklung der M1 liefern, Foto: Yamaha Motor Racing
Andrea Dovizioso soll Yamaha weiterhin wichtiges Feedback zur Entwicklung der M1 liefern, Foto: Yamaha Motor Racing

Andrea Dovizioso gefordert: V4-Motor und 2027er-Bike müssen entwickelt werden

In den vergangenen Monaten hatte Dovizioso Yamaha wertvolle Beiträge zur Entwicklung eines V4-Motors geliefert. Dieser könnte noch im Verlauf der aktuellen Saison 2025 von den Stammfahrern getestet und 2026 womöglich erstmals im Rennbetrieb zum Einsatz kommen. Während Dovizioso dort sicherlich auch in den kommenden Wochen und Monaten noch wichtiges Feedback geben wird, dürfte aber zeitnah nun aber auch eine elementare Rolle in der Entwicklung des MotoGP-Bikes für 2027 übernehmen. Dann startet die Königsklasse bekanntlich in eine völlig neue Ära, vollzieht den größten Regelumbruch ihrer Geschichte.

"Er hat schon mit vielen Teams zusammengearbeitet, war viele Jahre in der MotoGP. Er weiß genau, warum du gewisse Gefühle auf dem Motorrad hast. Er ist sehr intelligent und kann uns da wirklich weiterhelfen", freute sich am Donnerstag auch Fabio Quartararo über die dauerhafte Verpflichtung seines Kollegen. Der Yamaha-Star hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach für die intensivere Einbeziehung Doviziosos in die Entwicklung des Bikes eingesetzt. "Er ist ein ganz anderer Fahrer als ich, wahnsinnig präzise in seinen Aussagen. Auf der technischen Seite ist sein Feedback extrem wertvoll für uns", lobt er.

Anders als Dovizioso könnte Sergio Garcia aktuell wohl kaum weiter von einem MotoGP-Vertrag mit Yamaha entfernt sein. Vor zwölf Monaten noch WM-Leader in der Moto2, steht der junge Spanier nun völlig ohne Motorrad für den Rest der Saison 2025 da: