Nach 22 Grand-Prix-Siegen in Folge wurde Ducati zuletzt sogar an zwei Sonntagen in Folge besiegt. Waren das nur Ausrutscher, oder hat die Konkurrenz nun eine dauerhafte Chance, die MotoGP etwas spannender zu gestalten? Das sagen die Herausforderer und der große Favorit vor dem Rennen in Aragon.
Konkurrenten einig mit Marc Marquez: Bedingungen machten Ducati verwundbar
"Die letzten zwei Sonntage waren nicht normal, sondern etwas merkwürdig. Ich hätte mich schneller an die Bedingungen anpassen müssen. Am letzten Rennsonntag [in Silverstone, Anm. d. Red.] war das Problem, dass wir den Medium-Reifen wählten. Es entwickelte sich ein merkwürdiges Rennen und auch Le Mans war verrückt", meint Marc Marquez zu den jüngsten Niederlagen. Stolperten die Desmosedicis wirklich nur über die äußeren Bedingungen, oder steckt mehr dahinter?
"Natürlich ist es schön, verschiedene Sieger zu haben", begann Johann Zarco zur Frage nach einem möglichen Ende der Ducati-Dominanz. Doch dann musste er auch schon wieder relativieren: "Wir haben es in Silverstone gesehen. Wenn die Bedingungen etwas schwieriger sind, dann können die Ducati-Fahrer nicht das volle Potential aus ihrem Bike herausholen. Also hat Honda einen Vorteil bekommen, Yamaha führte das Rennen an und Bezz [Bezzecchi, Anm. d. Red.] hat gewonnen. Ich bin glücklich zu sehen, dass wir nah dran sind. Wir können das Podium in vielen Rennen riechen, das ist sehr gut, aber unter perfekten Bedingungen hat Ducati immer noch mehr drauf und das können die Fahrer nutzen."
Bezzecchi und Quartararo im Wunsch vereint: Wollen mit Ducati kämpfen!
Damit traf er den Tenor seiner Mitstreiter. "Le Mans und auch Silverstone waren zwei Wochenende mit tückischen Bedingungen. Silverstone war zwar trocken und nicht so unvorhersehbar wie ein Flag-to-Flag-Rennen, wo meistens die richtige Strategie siegt, aber der Sonntag hatte komplizierte Wetterbedingungen. Der Wind hatte Einfluss auf den Vorderreifen", erinnert Marco Bezzecchi ebenfalls an die Besonderheiten der letzten beiden Grand Prix. Auch der Aprilia-Pilot kommt daher zu dem Schluss: "Die sechs Ducati-Fahrer haben immer noch einen Vorteil. Das Ziel muss sein, diese Lücke zu reduzieren und stets mit ihnen zu kämpfen."
Im Qualifying wurden Marquez & Co. zuletzt sogar dreimal in Serie geschlagen. Fabio Quartararo holte sich die Pole-Positions und hätte ohne tragischen Defekt bereits in Silverstone gewonnen. Aber auch der Yamaha-Pilot ist zunächst zurückhaltend: "Die haben immer noch einen Vorteil." Doch dann erkennt er die Tendenz der letzten Wochen und Monate an: "Alle wollen näherkommen und mit ihnen kämpfen, damit die Show etwas besser wird. Aus unserer Sicht arbeiten wir gut. Unser Hauptziel ist es, mit ihnen kämpfen zu können."

Marc Marquez warnt: Aragon-Dominanz von 2024 nicht zu wiederholen
Wir halten also fest: Ducati ist laut der Konkurrenz immer noch vorne, aber besondere Umstände können sie nun auch zum Straucheln bringen. Werden diese auch in Aragon vorherrschen? Zumindest Marc Marquez erwartet, dass es für ihn nicht mehr so leicht wird: "Es ist schwierig zu sagen, denn letztes Jahr fand ich meine Bedingungen vor. Jede Nacht regnete es und die Strecke wurde dreckig und rutschig. Da fahre ich besser." Damals dominierte er nach Belieben und erlöste sich und seine Fans mit dem ersten Sieg seit 2021.
Nach der Rutschpartie von 2024 sieht es laut Prognosen diesmal überhaupt nicht aus, er ist daher gewarnt: "Wir werden weiterarbeiten müssen und voll konzentriert sein. Dann werden wir das Niveau unserer Konkurrenten kennenlernen an diesem Wochenende. Ich erwarte es viel schneller als letztes Jahr, denn es gibt viel mehr Grip auf der Strecke und das macht es für mich schwieriger."

Quartararo will Yamaha-Fortschritt auf Angstrecke beweisen
Mehr Grip ist vor allem Quartararo recht, aber für den Franzosen und Yamaha wird das Wochenende zum ultimativen Test: "Wir kommen von drei Strecken mit unterschiedlichen Layouts, aber wir waren immer schnell. Das hier ist eine Strecke, wo wir letztes Jahr komplett am Ende des Feldes waren. Wir haben Probleme mit wenig Grip und langen Geraden. Wenn wir hier schnell sind, dann habe ich keine Fragezeichen mehr für die Strecken, die noch kommen."
Ob es in Aragon wieder zu einer Überraschung kommt oder nicht. Am Ende ist Marc Marquez sicher, dass die Ducati-Dominanz enden wird. Auch Aufgrund der Regeln: "Ducati und ich haben großen Respekt vor den anderen Herstellern. Sie wissen, dass sie nun in einer sehr starken Position sind und einige Concessions haben. Die sind dafür gemacht, um alle auf das gleiche Niveau zu bringen. Das ist besser für die Meisterschaft. Früher oder später wird niemand unschlagbar sein. Es wird enger und enger werden." Die letzten Rennen boten hoffentlich bereits einen Vorgeschmack auf diese Zeit.
Ein Herausforderer fehlte zuletzt: KTM. Bei den Österreichern wird Supertalent Pedro Acosta immer unzufriedener. Mehr dazu hier:



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