Eigentlich hatten 2025 alle einen WM-Kampf zwischen den beiden MotoGP-Stars in roter Lederkombi erwartet. Doch Francesco Bagnaia liegt mit 72 Punkten Rückstand vor dem Aragon-Grand-Prix fast schon aussichtslos in der Fahrerweltmeisterschaft zurück, weshalb der WM-Pokal in der laufenden Saison mit großer Wahrscheinlichkeit in die Marquez-Hände gehen wird. Die große Frage lautet nur: In welche?
Denn Alex Marquez ist die große Überraschung der MotoGP-Saison 2025, macht seinem älteren Bruder Marc Marquez das Leben seit dem Auftaktwochenende in Buriram schwer. Lediglich 24 Punkte trennt das Brüderpaar vor ihrem Heimrennen im Motorland. Alles noch möglich also, auch ein sensationeller WM-Gewinn der Startnummer 73. Der Traum lebt jedenfalls - und vor dem Aragon-GP werden nun härtere Waffen ausgepackt.
Mister 37: Alex Marquez übt mentalen Druck auf Marc aus
Auf dem Papier sind die Rollen vor dem anstehenden Rennwochenende nämlich klar verteilt. Marc Marquez kommt als Rekordsieger nach Aragon, startet als klarer Favorit auf die Pole Position und beide Rennsiege in den Grand Prix. Das weiß auch Alex Marquez: "Marc sollte hier mit 37 Punkten abreisen." Rein fahrerisch wird der jüngere dem älteren Bruder wohl nichts entgegenzusetzen haben. Und genau deshalb versucht der Gresini-Pilot nun, anderweitig Druck auf seinen Ex-Teamkollegen auszuüben.
"Wir haben gestern schon ein bisschen gespielt. Wir hatten ein gemeinsames Dinner bei Gresini und da haben wir ihn nur 'Mister 37' genannt", verrät Alex Marquez. Die Intention dahinter ist klar: "Mal schauen, ob ihn das vielleicht nervös macht. Wir haben ihm gesagt: 'Wir haben hier nichts zu verlieren. Du hast hingegen alles zu verlieren, was?'"

Marc Marquez weiß: Rennsieg in Aragon nicht garantiert
Die ersten Psychospielchen also zwischen den beiden Marquez-Brüdern, auf die Marc aber sofort eine Antwort parat hatte: "Ich habe ihnen dann nur gesagt, dass ich in ihrem Wohnzimmer mehr Punkte geholt habe als sie." Gemeint war damit das zurückliegende Rennwochenende in Silverstone, wo Alex Marquez pacetechnisch erstmals in der laufenden Saison die Oberhand über seinen älteren Bruder hatte. Mit dem Sprintsieg bestätigte er das auch eindrucksvoll, kam im Grand Prix aber nicht über Rang fünf hinaus - während Marc Marquez Dritter wurde und so in Summe zwei WM-Punkte mehr sammelte als sein Titelrivale.
Ob sich das Blatt in Aragon wieder wenden wird? Alex Marquez lauert jedenfalls auf Fehler des WM-Leaders. "Das ist Racing, alles ist möglich. Er hätte auch Austin mit 37 Punkten verlassen müssen, hat es aber nicht", erinnert der 28-Jährige an den Sturz seines Bruders im Amerika-GP. Diesen hat auch Marc Marquez selbst noch nicht vergessen: "Ich weiß, dass ich auf dieser Strecke schon oft gewonnen habe. Aber das habe ich in Austin auch und das Resultat in Silverstone war trotzdem das bessere. Ich muss konzentriert bleiben. Die Fehler am Sonntag sind momentan mein Schwachpunkt. Das muss ich abstellen, wenn ich um die Weltmeisterschaft fahren will. Ich hatte schon [vor-]letzten Sonntag großes Glück."
Marquez-Brüder kämpfen um Gunst der eigenen Mutter
In Folge seines Silverstone-Triumphs über Bruder Alex hatte Marc Marquez zum Beginn der laufenden Woche selbst schon mit ersten Psychospielchen begonnen. Auf Instagram veröffentlichte er eine Story, die ihn gemeinsam mit seiner Mutter zeigte. Dazu schriebt der Ducati-Star: "Ich habe meine Mutter überzeugt, sie hat die Seiten gewechselt!!! Sie will, dass ihr ältester Sohn gewinnt." Der Hintergrund: Zuvor hatte sich Mama Marquez eher auf der hellblauen Seite gesehen, wie Marc erst kürzlich im Interview mit der 'BBC' verriet: "Unsere Mutter unterstützt eher Alex. Sie sagt zu mir: 'Du hast schon genug erreicht, lass ihn mal gewinnen.'"
Nun offenbar also das Umdenken zum Leidwesen von Alex Marquez. Ein kleiner Seitenhieb, den der einmalige MotoGP-Rennsieger am Donnerstag in Aragon natürlich nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Meine Mutter hat es mir schon erklärt, sie hat mir eine Nachricht geschrieben. Sie ist weiterhin an Bord der 'Alexneta' und wird auch nicht aussteigen", verkündete er stolz und schob sogleich auch hinterher, dass seine Mutter das Rennwochenende in Aragon aus der Gresini-Garage verfolgen werde und nicht aus der roten Werksgarage. Doch ein erster Punktsieg für die Startnummer 73 also.
Abschließend sei an dieser Stelle aber natürlich noch zu erwähnen, dass die Psychospielchen zwischen den beiden Marquez-Brüdern natürlich ernst gemeint waren oder sind. Ihre Beziehung zueinander hat durch den neuerlichen WM-Kampf keinen Knacks erhalten, im Gegenteil. "Wir machen natürlich nur Späße", stellt Marc Marquez klar. "Wir leben in einem unglaublichen Moment und können nur glücklich sein. Unsere Eltern unterstützen uns beide, auch der Rest der Familie und unsere Freunde wollen nur das Beste für uns. Meine Mutter fühlt sich bei Gresini einfach wohler, weil sie dort mehr Leute kennt. Und ganz ehrlich: Es ist mir völlig egal [in welcher Garage sie das Rennwochenende verfolgt, Anm.]. Ich will einfach nur das Beste für meinen Bruder, wir sind extrem glücklich."
Weiterhin also Friede, Freude, Eierkuchen im Marquez-Lager. Ganz anders fällt die Stimmung dagegen bei Pedro Acosta und KTM aus. Der Youngster feuerte vor dem Aragon-GP mal wieder gegen seinen Arbeitgeber. Was Acosta genau von KTM erwartet, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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