Als so mancher MotoGP-Fan am Sonntagmorgen den Fernseher einschaltete und die regnerischen Verhältnisse am Chang International Circuit erblickte, dürfte wohl der großen Mehrheit der gleiche Gedanke in den Sinn gekommen sein: Perfekte Bedingungen für einen weiteren MotoGP-Sieg von Marc Marquez! Warum ist klar: Im Nassen blüht die Startnummer 93 traditionell auf und deutete ihr Potenzial auch im Warm Up mit der Bestzeit schon an.

Und tatsächlich: Wie erwartet spielte Marquez im Thailand Grand Prix eine wichtige Rolle im Kampf um den Sieg, einfahren konnte er diesen letztlich jedoch nicht. Nachdem der Spanier zu Beginn des fünften Umlaufs in Folge eines Verbremsers Jorge Martin überholt hatte, biss er sich rundenlang die Zähne am Führenden Francesco Bagnaia aus. Zwei Angriffe in der Schlusskurve T12 scheiterten jeweils, ehe es in der 14. Runde zum Desaster kam.

Marc Marquez: Zu viel Risiko zur falschen Zeit

Eine weitere Attacke gegen Bagnaia vorbereitend, verlor Marquez in Kurve acht - die am Sonntag auch zahlreiche weitere Sturzopfer gefordert hatte - die Front seiner Ducati. Sah es zunächst noch so aus, als könnte der Gresini-Pilot einen Abflug mit dem rechten Knie abfangen, verlor er spätestens dann jegliche Kontrolle über sein Motorrad, als er am Kurvenausgang über die Kerbs holperte. In der Auslaufzone zum Liegen gekommen, nahm Marquez das Rennen sofort nochmal auf, fuhr fortan aber hoffnungslos hinterher.

Als der MotoGP-Superstar in den Nachmittagsstunden von der MotoGP-Presse in seiner Medienrunde dann nach einer verpassten Chance befragt wurde, nahm er kein Blatt vor den Mund: "Ja, wir haben es vergeigt. Ich war heute der schnellste Fahrer auf der Strecke, aber nicht der schlauste - gerade deshalb, weil es dort keine Möglichkeit gab, Pecco zu überholen. Auch wenn es dort einfach war, Fehler zu machen - das haben wir im Rennen mit den ganzen Stürzen gesehen - habe ich es einfach nicht gut gemacht."

Zu viel Risiko an der falschen Stelle also, die Marquez um seinen potenziell vierten Grand-Prix-Sieg in der laufenden Saison brachten. Es wäre seine höchste Siegeszahl seit der Rekordsaison 2019 gewesen. Warum Marquez so viel riskierte, ist schnell erzählt: "Jedes Mal, wenn ich zwei oder drei Runden direkt hinter ihm war, hat der Vorderreifen überhitzt. Ich musste wieder abreißen lassen und frische Luft suchen, bevor ich es erneut versuchen konnte. Ich hatte schon zwei oder drei Warnungen bekommen, aber ich wollte diesmal unbedingt nah an ihm dranbleiben und ihn in der letzten Kurve überholen. Das ist aber nicht passiert, weil ich einen Fehler gemacht habe."

Marc Marquez kämpfte mit Francesco Bagnaia um den Sieg, Foto: LAT Images
Marc Marquez kämpfte mit Francesco Bagnaia um den Sieg, Foto: LAT Images

Marc Marquez bekommt P11 zurück: MotoGP-Strafe abgesessen

Der Crash in Runde 14 sollte jedoch nicht Marquez' letzter Aufreger im Thailand-GP bleiben. Denn dem Feld hinterherfahrend holte er einige Runden vor Schluss nochmal eine große Gruppe bis zu Augusto Fernandez auf Platz acht ein. Da im Zweikampf mit Enea Bastianini um WM-Rang drei jeder Punkt entscheidend sein könnte, wollte der Spanier keine Zeit verlieren und schnellstmöglich Plätze gutmachen. Ein erster Angriff gegen Ex-Honda-Teamkollege Joan Mir scheiterte dabei jedoch, es kam zum Kontakt in Kurve 3. Während sich Marquez auf der Innenband das linke Aero-Paket beschädigte, wurde Mir weitgeschickt und kam von der Strecke ab.

Die MotoGP-Stewards leiteten sofort eine Untersuchung ein und ordneten Marquez an, eine Position zurückzugeben. Da er dies bis zur Zielankunft offensichtlich jedoch nicht getan hatte, wurde er zunächst von P11 auf den zwölften Rang zurückgestuft. Rund eine Stunde nach Rennende dann jedoch die Rolle rückwärts: Der Gresini-Pilot war doch wieder Elfter. Eine Videoanalyse hatte ergeben, dass Marquez der Stewards-Anweisung doch Folge geleistet hatte.

"Sie haben mir den Platz doch nicht weggenommen, weil ich meine Strafe bereits abgesehen hatte. Ich habe [Takaaki] Nakagami in Kurve drei überholt, ihn dann wieder vorbeigelassen und vor Kurve vier erneut überholt", verrät Marquez und ergänzt vielsagend: "Was mit Mir war? Lasst ihn das am besten selbst erklären."