MotoGP

MotoGP-Lazarett: Gleich sieben Fahrer sind angeschlagen

Die MotoGP ist in der Sommerpause. Für knapp ein Drittel des Fahrerfeldes, das sich mit Verletzungen herumschlägt, ist das auch bitter nötig.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die 1. Saisonhälfte der MotoGP 2019 ist vorüber. Knapp vier Monate mit neun Rennen auf vier Kontinenten. Hinzu kamen für die Fahrer zwei offizielle Testtage in Jerez und Barcelona sowie, für einzelne Piloten, diverse private Testfahrten. Das zehrt an den Stars der Königsklasse. Nicht nur mental, sondern auch körperlich.

Zur Halbzeit der Saison gleicht das MotoGP-Starterfeld einem Lazarett. Während Fahrer wie Andrea Iannone ihre Verletzungen bereits wieder übertaucht haben, befinden sich sieben Piloten aktuell in der Genesungsphase. Eine Übersicht:

Jorge Lorenzo - Wirbelbruch

Der Pechvogel der ersten Saisonhälfte ist ganz klar Jorge Lorenzo. Er ging schon angeschlagen in die Winterpause, brach sich dort das Kahnbein und kam so bereits mit Testrückstand zum Auftakt nach Katar. Dort zog er sich bei einem Highsider Rippenbrüche zu. Im Barcelona-Test flog er bei hoher Geschwindigkeit ab und verletzte sich am Oberkörper. Gut eine Woche später stürzte Lorenzo schließlich in Assen unglücklich, brach sich zwei Wirbel und verpasste die Rennen zur Dutch TT und dem Deutschland-GP. Ein Comeback ist für den Tschechien-GP am ersten August-Wochenende angepeilt. Gut möglich aber, dass Lorenzo auch in Brünn und Spielberg fehlen wird.

Takaaki Nakagami - Knöchelverletzung

Der Japaner in Diensten von LCR Honda lieferte am Sachsenring eine heroische Performance ab. Im Rennen von Assen wurde er durch Valentino Rossi bei hohem Tempo abgeräumt. Nakagami hat seither starke Schmerzen in seinem Knöchel, wo einige Bänder beschädigt wurden und kann nur mit Krücken gehen. Dennoch saß er fünf Tage nach dem Assen-Sturz zu den ersten Trainings in Deutschland wieder auf seiner Honda RC213V und kämpfte sich durch das gesamte Wochenende. Sein Einsatz wurde mit zwei Punkten im Deutschland-GP belohnt.

Cal Crutchlow - Schienbeinbruch & Kreuzbandriss

Erst im vergangenen Herbst musste Crutchlow eine lange Verletzungspause wegstecken, als er in der superschnellen Kurve eins von Phillip Island stürzte und sich den Knöchel zertrümmerte. In der Pause zwischen Assen und dem Sachsenring erwischte es ihn wieder, dieses Mal aber bei deutlich geringerem Tempo. Er hielt beim Radtraining an, um seinen Sattel zu justieren, rutschte auf dem Kopfsteinpflaster weg und schlug hart mit dem Knie auf. Diagnose: Fraktur am Schienbein und Kreuzbandriss. Crutchlows Start am Sachsenring war fraglich, doch wie so oft zeigte der Honda-Pilot im verletzten Zustand sein ganzes Können und fuhr im Rennen zu Platz drei.

Pol Espargaro - Handgelenksverletzung

Den KTM-Teamleader erwischte es bei den MotoGP-Testfahrten in Barcelona. Da kam er zu Sturz und verletzte sich am Handgelenk. Die Untersuchungen ergaben zwar keine Brüche, aber große Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Verletzung, die Espargaro seither heftige Schmerzen bereiten. Er kaufte sich sogar von seinem eigenen Geld eine Maschine, die die Verletzung abwechselnd kühlt und Druck ausübt, was die Heilung beschleunigen soll. Wirklich bremsen ließ sich Espargaro von seiner Verletzung bislang aber ohnehin nicht: In Assen holte er P11, am Sachsenring wurde er 12.

Fabio Quartararo - Armpump

Der Super-Rookie hatte nicht mit einer Verletzung im klassischen Sinne zu tun, landete aber dennoch auf dem OP-Tisch. Wie so viele MotoGP-Piloten vor ihm hatte er nach den ersten sechs Saisonrennen Probleme mit Armpump und unterzog sich deshalb vor dem Barcelona-Wochenende einem Eingriff. Die Operation, die für die behandelnden Ärzte rund um Dr. Mir mittlerweile zum Routineeingriff geworden ist, verlief problemlos und Quartararo holte am Circuit de Catalunya als Zweiter prompt sein erstes MotoGP-Podium, zwei Wochen später in Assen wurde er Dritter.

Aleix Espargaro - Mehrere Beinverletzungen

Aleix Espargaro erwischte es in Barcelona - Foto: LAT Images

Die Verletzung von Aleix Espargaro war doppelt bitter. Erstens, weil sie bei seinem Heimrennen in Barcelona passierte. Espargaro wuchs ja nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernt in Granollers auf. Zweitens, weil ausgerechnet sein Testfahrer Bradley Smith dafür verantwortlich war. Der bestritt im Katalonien-GP einen Wildcard-Einsatz, ging dabei aber etwas übermotiviert zur Sache und torpedierte Espargaro im Rennen. Diagnose: Mikrofraktur im linken Oberschenkel sowie eine leichte Bänder- sowie Schienbeinverletzung auf der linken Seite zu. Espargaro konnte zwar alle Rennwochenenden bestreiten, das verletzte Bein bereitet ihm aber seither Probleme.

Danilo Petrucci - Bänderverletzung

Der Ducati-Werkspilot ist das jüngste Verletzungsopfer der MotoGP. Er war in Q2 zum Deutschland-Grand-Prix in der sehr schnellen Kurve neun des Sachsenring zu Boden gegangen und flog durch das Kiesbett. Dabei zog er sich Bänderverletzungen in der linken Hand zu, auch das rechte Handgelenk wurde in Mitleidenschaft gezogen. Wenige Tage später hatte Petrucci aber schon wieder gute Nachrichten parat: Er bestand seine Führerscheinprüfung, darf nun auch auf der Straße Motorrad fahren.


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