Zehn Pole Positions, elf Siege - die Zahlen sprechen für sich. Am Sachsenring gab es in der Motorrad-WM in den letzten anderthalb Jahrzehnten kein Vorbeikommen an MotoGP-Superstar Marc Marquez, der deshalb nur folgerichtig als 'King of the ring' bezeichnet wird. Zwischen 2010 und 2021 gewann er jedes Rennen in Hohenstein-Ernstthal, an dem er teilnahm und holte auf der Kultstrecke auch seinen ersten Triumph nach dem schweren Jerez-Sturz 2020. Für den anstehenden Deutschland-GP (11. - 13. Juli) kann es also keinen anderen Favoriten geben als den aktuellen WM-Führenden.
Dieser Ansicht ist sich auch Marquez selbst bewusst. "Wenn du an den Sachsenring kommst, sind die Erwartungen immer hoch", gab der Ducati-Pilot am Donnerstag im Interview mit 'MotoGP.com' zu Protokoll. Nach drei nahezu perfekten Rennwochenenden in Serie in Aragon, Mugello und Assen wären alles andere als Pole Position, Sprint- und Grand-Prix-Sieg eine rießige Überraschung. Und doch wirkte Marquez am Donnerstag etwas angespannt, von Lockerheit war nicht viel zu sehen. Die Erklärung dafür ist simpel: Sie liegt in den letzten beiden Deutschland-GPs.
Marc Marquez wird Favoritenrolle 2023 und 2024 nicht gerecht
2023 erlebte Marquez am Sachsenring ein Horror-Wochenende, stürzte gleich fünfmal und konnte nach einer Daumenfraktur nicht am Hauptrennen am Sonntag teilnehmen. Ein Jahr später bremsten ihn Rippenprellungen, eine weitere Daumenfraktur, Stefan Bradl und technische Probleme aus, sodass er im Grand Prix nur Zweiter wurde. "Ich habe hier viel gewonnen, aber in den letzten zwei Jahren auch viele Finger und Rippen gebrochen. Letztes Jahr wurde ich Zweiter, hatte aber auch diesen heftigen Sturz in Kurve 11", erinnerte Marquez.
Der 32-Jährige aus Cervera warnte vor dem MotoGP-Wochenende auf seiner Lieblingsstrecke daher: "Im Sport und speziell in der MotoGP ist es so: Alles ist möglich und nichts ist garantiert. Du kannst noch so viel Selbstvertrauen haben und noch so gut fahren, wenn du auch innerhalb von einer Sekunde zu Boden gehen kannst." Trotz klarer Favoritenrolle will er den Deutschland-GP daher mit gleicher Mentalität angehen wie zuletzt den Italien-GP oder die Dutch-TT: Attacke nur soweit gefahrenlos möglich, ansonsten Verteidigungsmodus.
"Ich werde mich selbst kontrollieren müssen, das ist der Schlüssel zu diesem Wochenende", beschrieb Marquez. "Ich muss zunächst die Streckenbedingungen verstehen, weil es kalt und regnerisch werden könnte. Dann muss ich die Situation in der Weltmeisterschaft verstehen. Es kommen jetzt zwei Rennen in Folge, da muss ich vorsichtig sein. Das Hauptziel bleibt, vor meinen WM-Rivalen Alex [Marquez] und Pecco [Bagnaia] ins Ziel zu kommen."
Macht der Regen Marc Marquez einen Strich durch die Rechnung?
Im Normalfall sollte dies nur Formsache sein, zumal Bruder Alex nach seiner Verletzung aus Assen angeschlagen daher kommt und Bagnaia noch immer mit dem Gefühl für die Front der Ducati GP25 kämpft. Marc Marquez kann sich am Sachsenring also wohl nur selbst schlagen, genau das hat er aber eben auch in Austin oder Jerez schon getan. MotoGP-Fans dürfen also trotz Marquez in Topform auf ein spannendes Rennwochenende hoffen, zumal drohender Regen an Samstag und Sonntag für zusätzliche Würze sorgen könnte. Das weiß auch die Startnummer 93: "Im Trockenen sollte ich alles im Griff haben, aber in nassen Bedingungen ist alles möglich."
Keine Konkurrenz kommt am Sachsenring jedenfalls von Enea Bastianini, der Tech3-Pilot fällt aus. Die Hintergründe dazu könnt ihr hier nachlesen:



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