Marc Marquez fährt derzeit in Überform und dann geht es nun auch noch auf seine Paradestrecke, den Sachsenring. Böse Zungen würden wohl behaupten, dass die anderen MotoGP-Fahrer sich höchstens Platz zwei als Ziel setzen sollten. Doch das tun sie nicht. In Ehrfurcht zu erstarren, ist kein Mittel eines Rennfahrers.

Francesco Bagnaia dreht Spieß um: Marc kann Druck nicht leugnen!

Francesco Bagnaia gefällt es sogar, dass sein Teamkollege als haushoher Favorit gilt. "Diesmal kann Marc sicher nicht den Druck von sich wenden. Das ist die Strecke, wo alle erwarten, dass er die Anderen pulverisiert", lächelt der Italiener. Tatsächlich gilt Marc Marquez als notorischer Tiefstapler. Das kauft ihm beim Deutschland GP aber niemand ab, während die anderen nur überraschen können. "Ich werde mein Bestes geben", kündigt 'Pecco' an.

Marc Marquez gilt als König des Sachsenrings, Foto: Repsol
Marc Marquez gilt als König des Sachsenrings, Foto: Repsol

Etwas ernster ging Fabio Di Giannantonio die Sache an. "Du kannst ja nicht in ein Wochenende gehen und sagen: Marc wird gewinnen und wir kämpfen nur um Platz zwei. Ich möchte um Platz eins kämpfen", stellte der VR46-Pilot klar. Und auch eine Niederlage sei kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: "Wenn er dann besser als wir ist, dann werden wir versuchen, so nah wie möglich dran zu sein."

MotoGP-Saison 2025 zeigt: Streckenkönige mehrfach gestürzt

Außerdem stellt 'Diggia' die alte Hackordnung am Sachsenring in Frage. "Natürlich weißt du beim Blick auf den Kalender, dass auf manchen Strecken ein Fahrer etwas schneller ist, aber in der MotoGP passiert immer irgendwas", meint der 26-Jährige. Den Beweis für seine Behauptung habe die aktuelle Saison bereits erbracht: "In Mugello war immer Pecco [Bagnaia] der Mann, den es zu schlagen galt. Das war dieses Jahr nicht so. Auf jeder Strecke kann es anders werden und die Bedingungen können die Karten neu mischen." Ein weiteres Beispiel könnte hinzugefügt werden: Marc Marquez galt auch in Austin als unschlagbar, doch stürzte er aus dem Rennen.

Marc Marquez nach Sturz in Austin
In Austin gab es nicht den geplanten Sieg für Marc Marquez, Foto: IMAGO / PsnewZ

Auch sein Teamkollege Franco Morbidelli rechnet sich etwas aus. "Es ist eine Strecke, auf der die Unterschiede zwischen den Fahrern sehr gering sind. Die Dinge können sich sehr schnell ändern, was die Kräfteverhältnisse angeht", meint der Römer. Bei einem Faktor stimmt er mit Di Giannantonio überein: "Es sieht nach kalten Bedingungen aus, das macht es noch komplizierter." Und auch die Erinnerungen an das Vorjahr ermutigen 'Morbido': "Der Speed im letzten Jahr war sehr gut. Obwohl wir nur aus Reihe zwei starteten, konnten wir um den Sieg kämpfen."

Franco Morbidelli im Zweikampf mit Marc Marquez
2024 gab es einen Zweikampf zwischen Morbidelli und Marquez, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Mit Handbruch am Start: Alex Marquez will weiter um WM-Titel kämpfen

Selbst Alex Marquez, der nur zwei Wochen nach seinem Handbruch in Assen fahren wird, schickte eine kleine Kampfansage los. Er will seinem Bruder in der Weltmeisterschaft nicht ohne Kampf das Feld überlassen: "Wir kämpfen mit einem achtmaligen Weltmeister wie Marc, sind nah dran, und wir sind vor Pecco. Deswegen sind wir hier. Wenn ich in der Situation vom letzten Jahr wäre, dann hätte ich es vorgezogen, mich zu erholen, anstatt zurückzukehren. Aber wenn du um eine Weltmeisterschaft kämpfst, dann willst du unbedingt zurückkommen." Mangel an Motivation und Glaube kann der Konkurrenz des Dominators wirklich nicht vorgeworfen werden.