In der Formel 1 gibt es vor dem zweiten Saisonrennen in China Ungereimtheiten zwischen McLaren und Motorlieferant Mercedes. Teamchef Andrea Stella äußerte sich nach dem Auftaktrennen in Australien skeptisch über die Zusammenarbeit mit den Silberpfeilen. Er und sein Team wurden von dem antriebsmäßigen Rückstand gegen die Werksmannschaft überrascht.

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McLaren verfügt zwar per Reglement über dieselbe Power Unit wie das Werksteam, aber alles weitere obliegt den Teams. Vor allem in Bezug auf das Deployment der MGU-K ist das entscheidend. In den letzten Jahren lagen dort keine großen Leistungssprünge versteckt, mit dem 2026er-Reglement ist das allerdings anders. In diesem Jahr gibt es beim Elektro-Einsatz viel mehr Nuancen. Stella kündigte Analysen an, ob die Fahrer und das Team diesen Rückstand dezimieren können, oder ob es "systemische" Nachteile gegenüber dem Werksteam gebe.

Lando Norris über Mercedes: Machen einen besseren Job

Solche Zweifel am Motorpartner, auch wenn sie noch im Konjunktiv formuliert sind, sind sowohl politisch als auch vertragstechnisch heikel. Vor dem Rennwochenende in China äußerte sich nun auch Lando Norris zu diesem Thema. Der Formel-1-Weltmeister gab sich dabei diplomatisch gegenüber dem Motorlieferanten: "Sie machen einen besseren Job als alle, inklusive uns."

"Ich denke wir bekommen alles, was wir wollen", sagte er. Von einer bewussten reglementrelevanten Benachteiligung geht er nicht aus. "Ich denke nicht, dass da etwas Derartiges ist. Dahingehend sind wir glücklich." Wohl aber macht er darauf aufmerksam, dass die Papaya-Truppe aufgrund der Testfahrten einen zeitlichen Nachteil aufweist. "Es gibt eine Verspätung in all diesen Prozessen und deshalb waren wir nicht in der Lage, so vorbereitet zu sein, wie wir es gerne wären."

In Bahrain waren die Mercedes-Kunden nämlich noch mit einer älteren Ausbaustufe des Motors unterwegs gewesen als das Werksteam. Der dadurch ausgelöste Erfahrungsrückstand sei in Australien evident geworden und wirke noch immer nach, ist er überzeugt: "Da wir nicht die neueste Power Unit zu einem früheren Zeitpunkt hatten, bedeutete das, dass wir immer im Rückstand sein würden, verglichen mit einem Team, das extrem gut performt und viel besser vorbereitet war als wir es in der Lage waren."

Norris deutet an: McLaren möchte mehr Informationen von Mercedes

"Wir haben sehr eng [mit Mercedes] zusammengearbeitet und sie haben uns dazu verholfen, gemeinsam die letzten Weltmeisterschaften zu gewinnen. Daran liegt es also nicht. Aber es ist sehr früh in der Saison und es gibt viele Dinge, von denen wir versuchen müssen, sie herauszufinden und zu verstehen", sprach Norris.

"Es ist nur so, dass uns einige Dinge nicht gesagt werden. Einige Dinge müssen auch nicht gesagt werden, da man immer versucht, sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Aber gleichzeitig gibt es gewisse Dinge, die wir für uns selbst herausfinden müssen", führte er weiter aus. An diesem Punkt setzt das Team jedoch an. Denn, vor allem da man den neuesten Mercedes-Motor erst mit Rückstand erhalten hatte, sei die Forderung von McLaren, dass man etwas mehr Informationen bekomme. "Wir wollen einfach in der Lage sein, besser vorbereitet zu sein. Und das ist es, worum wir gebeten haben", formulierte er die Forderung an den Motorlieferanten.

Wie groß der Power-Rückstand tatsächlich ist, lässt sich schwer abschätzen. In Australien fehlten dem besser platzierten McLaren-Piloten Piastri acht Zehntelsekunden auf Polesetter George Russell, im Rennen verlor Norris 52 Sekunden auf die Spitze – also heruntergerechnet etwa neun Zehntel pro Runde. Wie viel davon auf das Chassis und wie viel auf den Motor zurückzuführen ist, lässt sich von außen schwer abschätzen.

Hoffnung für China: Power-Defizit verringert?

Fest steht für ihn allerdings nach wie vor, dass sich McLaren mit seiner Power Unit im Hintertreffen befindet. "Seit dem ersten Rennwochenende müssen wir aufholen. Es ist nicht so, dass wir sagen können: 'Ja, wir haben alles perfekt hinbekommen, aber wieso ist da noch immer eine Lücke?' Es gibt da zwar eine große Lücke, aber wir müssen die Dinge Schritt für Schritt herausfinden, was in der Formel 1 zu spät ist."

Der Brite geht davon aus, dass der Leistungsrückstand von McLaren in China nicht mehr ganz so eklatant ausfällt wie noch in der letzten Woche. Das liegt an zwei Faktoren. Einerseits an dem Lerneffekt vom ersten Grand-Prix-Wochenende des Jahres, andererseits an der Streckencharakteristik. "Melbourne ist eine der kniffligsten Strecken der Saison, die wir mit Blick auf die Power Unit in Bezug auf Lifting und Coasting und vielen weiteren Faktoren erwarten. Hier gibt es davon weniger."

Und dann ist eben noch die Erfahrung eines vollen Grand-Prix-Wochenendes: "Selbst wenn wir jetzt nach Melbourne zurückgehen würden, würden wir erwarten, dass wir näher dran wären, nach dem, was wir jetzt verstanden und gelernt haben", ist Norris überzeugt.

Der Grand Prix von China bildet nicht nur das zweite Rennwochenende der Saison, sondern beinhaltet auch den ersten Sprint des Jahres. Hier findet ihr alle Infos dazu, wie ein Sprint 2026 abläuft: