Die neuen Regeln der Formel 1 für 2026, mit ihren neuen Autos und Motoren, kann man bis ins Tausendste auf hochkomplexe Details herunterbrechen. Aber wie viel müssen Fans davon wirklich wissen, wenn sie für Qualifying und Rennen einschalten? Motorsport-Magazin.com liefert den kompakten Leitfaden der Basics.
Wenn sich Fahrer schließlich über spezifische Fahr-Eigenschaften aufregen wollen, oder Teams sich um Dinge wie das Verdichtungsverhältnis oder die maximal erlaubten Kilowattstunden beim Laden und Entladen der Batterie streiten, so kann das dem Zuschauer, der einfach nur ein Autorennen sehen will, eigentlich egal sein. Für die folgenden sechs Dinge gilt das aber nicht - sie sind integral, um die neue Formel 1 2026 zu verstehen.
F1-Neuheit #1: Flügel flachstellen hat 2026 nichts mit DRS zu tun
Das Auffälligste für Zuschauer: Plötzlich wird jedes Auto Front- und Heckflügel andauernd auf- und zuklappen. Technisch erinnert die Lösung ans alte DRS, aber regulativ hat sie überhaupt nichts mehr damit zu tun. DRS gibt es nicht mehr. Das Flachstellen dieser neuen "aktiven Aerodynamik" ist 2026 nach wie vor auf Zonen beschränkt, aber in diesen darf es jetzt immer geschehen, egal ob man hinter einem Gegner herfährt oder nicht. Sind die Flügel flach, nennt man das offiziell Straight Mode. Sind sie steilgestellt, befindet sich das Auto im Corner Mode.
Nur in zwei Situationen ist Straight Mode beschränkt. Vom Start bis zur ersten Kurve darf er nicht aktiviert werden. Und wenn es regnet, darf nur der Frontflügel flachgestellt werden. Außerdem werden dann zur Sicherheit die Zonen etwas verkürzt, und Zonen in Kurven entfernt. Beispiel Australien unten: Im Regen gelten nur mehr die "Low Grip Activation Zones". Entsprechend darf durch die lange Linkskurve am See entlang und hin zu Kurve 11 kein Flügel mehr flachgestellt werden.

F1-Neuheit #2: Overtake - der echte DRS-Ersatz für 2026
Die Flügel sind also 2026 keine Überholhilfe mehr, weil sie jeder immer einsetzt. Ersetzt werden sie durch etwas, das von außen nicht mehr sichtbar ist. Der sogenannte Overtake. "Zonen", wie es sie einst bei DRS gab, gibt es für "Overtake" 2026 nicht mehr.
Es gibt stattdessen jetzt auf jeder Strecke nur mehr einen Messpunkt, und direkt danach einen Aktivierungspunkt. Die sind oben in der Streckengrafik die grünen Striche in den letzten Kurven. "Overtake" wird verfügbar, wenn jemand am Messpunkt unter eine Sekunde - wie einst bei DRS - am Vordermann dran ist. Was darf der Jäger dann? Sein Hybrid-System darf ab dem Aktivierungspunkt mehr Elektro-Energie einspeisen, und auch mehr aufladen.
Wie genau der Fahrer das dann nutzt, steht frei. Er kann die Bonus-Energie auf einer Gerade verfeuern, um den Topspeed zu erhöhen, oder es über die ganze Runde verteilen, um die Lücke weiter zu schließen. Dadurch soll Überholen taktischer werden, nicht einfach wie früher nach dem Prinzip Flügel-auf-und-vorbei. "Overtake" ist so lange verfügbar, bis der Fahrer beim erneuten Überfahren der Messlinie niemanden unter einer Sekunde vor sich hat.
Wichtig: Wer Overtake hat, darf die maximale Leistung des Elektromotors auch bei höheren Geschwindigkeiten nutzen. Normalerweise muss die Leistung ab 290 km/h sukzessive heruntergefahren werden, im Overtake-Modus darf die Leistung bis 337 km/h noch genutzt werden.
F1-Neuheit #3: Was hat es dann mit diesem "Boost"-Button auf sich?
Beim Wort "Overtake" gilt es zu beachten: Es handelt sich hier nicht um das, was in den letzten Jahren im Formel-1-Sprachgebrauch als Overtake-Knopf bezeichnet wurde. Dieses Feature wird 2026 offiziell jetzt als Boost-Button tituliert. Das Prinzip ist gleich wie der alte Knopf: Der Fahrer drückt drauf und der Elektro-Motor gibt bis 290 km/h seine volle Leistung ab.
2026 ist das nur gefährlicher, weil die Aufteilung Elektro zu Verbrenner fast 50-50 ist. Wer also viel Elektro-Power sehr schnell verfeuert, der wird im weiteren Verlauf der Runde (oder der Runden) langsamer sein, weil er durch langsameres Durchfahren der Kurven oder früherem Anbremsen seine Batterie wieder aufladen muss.
F1-Neuheit #4: Warum werden die Starts länger dauern?
Der größere Elektro-Anteil beeinflusst auch die Starts. Es ist nicht mehr so einfach, mit Elektro-Power dem Turbolader zu helfen. Deshalb müssen viele Autos länger stehen, um fahrbereit zu sein. Dafür wurde ein neues Start-Prozedere eingeführt. Nachdem alle auf ihren Startplätzen stehen, blinken erst fünf Sekunden blaue Lichter auf der Seite. Erst dann beginnen die roten Ampeln.
F1-Neuheit #5: Was ändert sich mit 11 Formel-1-Teams im Qualifying?
Mit Cadillac gibt es 2026 in der Formel 1 zum ersten Mal seit zehn Jahren ein von Grund auf neues Team (Audi, der zweite Neueinsteiger, hat das alte Sauber-Team übernommen). 22 statt 20 Autos auf der Strecke hat für das Qualifying Regel-Folgen. In Q1 und in Q2 scheiden jetzt jeweils die 6 langsamsten Fahrer aus, zuvor waren es nur 5 gewesen. Dadurch bleibt es in Q3 bei 10 Fahrern. Q3 dauert 2026 nebenbei jetzt 13 Minuten, eine Minute länger.
F1-Neuheit #6: Warum rollen die Autos im Qualifying bis zur Startlinie?
Ein Kuriosum, was wir am Samstag im ersten Qualifying sehen werden: Autos rollen auf ihren Aufwärmrunden selbst nach der letzten Kurve noch in langsamer Fahrt und beschleunigen erst kurz vor der Start-Ziel-Linie. Auch das liegt an der verfügbaren Energie. Weil der Elektro-Anteil so groß ist und so schwer aufzuladen, wird auf den Aufwärmrunden bis zum Anschlag gespart. Erst kurz vor der Startlinie mit der Elektro-Einspeisung zu beginnen ist die effizienteste Methode.
F1-Neuheit #7: Wie anders fahren sich die neuen Autos jetzt wirklich?
Von außen sichtbar? Fast kein Unterschied. Wegen anderer Aero-Regeln und "Straight Mode" sind die Autos im Vergleich zum Vorjahr teils schneller auf den Geraden, dafür langsamer in den Kurven. Was nur passieren kann: Dass man mitten auf der Geraden ans Limit der Elektro-Energie stößt. Die Autos erreichen Topspeed recht früh, dann stagnieren sie.
Das kann kuriose Szenen erzeugen, wo Autos lange nicht aus dem Windschatten ausscheren, weil sie keine Elektro-Leistung mehr haben. Es kann sogar dazu führen, dass ein Fahrer bei Vollgas einen Gang zurückschaltet, wenn ohne dem Elektro-Zusatz der Verbrenner allein eben einem deutlichen Leistungs-Rückschritt entspricht. Ihr wollt jetzt auch die technischen Details der neuen Formel 1 für 2026 kennenlernen? Dann haben wir in den folgenden Artikeln auch die harten Details parat:



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