Erst fünf Testtage hat die Formel 1 für 2026 absolviert, und jedes Team durfte sowieso nur maximal drei davon bestreiten, doch das ändert nichts daran, dass einige bereits mächtig Eindruck hinterlassen haben. McLaren hat bereits drei harte Konkurrenten auf dem Zettel. Besonders Mercedes.

"Performance-technisch ist es natürlich sehr schwierig, eine objektive Einschätzung zu liefern, da wir die Arbeitsprogramme oder Tankfüllungen nicht kennen", schickt McLaren-Teamchef Andrea Stella voraus. Auch das sehr kalte Winter-Wetter relativiert das Ergebnis: "Sehr anders als das, was wir normalerweise an Rennwochenenden erleben."

Aber mit Rundenzahlen, Zeiten und GPS-Daten ausgestattet lassen sich nach dem Barcelona-Test sehr wohl grundlegende Aussagen treffen, so Stella: "Es ist klar, dass es mindestens drei Wettbewerber gibt - Mercedes, Ferrari und Red Bull -, welche einen guten Start hingelegt haben."

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Ferrari und Mercedes hatten die Testfahrten am Ende der fünf Tage angeführt, mit einer respektive zweieinhalb Zehnteln Vorsprung auf die beste McLaren-Zeit (hier zum Testfahrten-Ergebnis). Stella hebt aber Mercedes besonders hervor: "Sie haben definitiv die Latte hoch angesetzt, und wir werden hart arbeiten müssen, um das ebenfalls zu schaffen."

Mercedes war in Barcelona nicht nur das Team mit den meisten Kilometern und der zweitschnellsten Runde. Obendrauf fuhr die Mannschaft im Laufe des Tests schon Qualifying- und Renn-Simulationen. Toto Wolff versuchte den starken Eindruck danach herunterzuspielen. Aber allein die Tatsache, dass die Konkurrenz noch nicht einmal mit den Renn-Simulationen begonnen hat, spricht für viele Bände.

Auch Williams-Teamchef James Vowles, der jahrelang bei Mercedes Chefstratege gewesen war, hält daher nach dem Test fest: "Ich war lange bei ihnen, und sie sind sehr gut darin, Regeländerungen umzusetzen und ein Paket zu produzieren, das einfach robust und zuverlässig ist. Wenn du nach gut einem Test-Tag schon eine Renn-Simulation fährst, ist das sehr, sehr beeindruckend."

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Für Andrea Stella ist der erste Test aber selbst mit dieser Mercedes-Ansage nicht schon das Ende der Saison. Erst recht, weil drei Power-Unit-Hersteller in dieser Spitzengruppe dabei sind: "Das ist ein erstes Zeichen dafür, dass es in Sachen absoluter Performance zumindest bei ein paar der PU-Herstellern keine extremen Unterschiede geben könnte."

Der Mercedes und der Ferrari präsentierten sich unter dem Strich über den Test hinweg als sehr sattelfest. Alle Mercedes-Teams schafften 1.138 Runden, alle Ferrari-Teams 994. Und dass der RBPT-Ford-Motor im Heck des Red Bull und des Racing Bulls insgesamt 622 Runden schaffte, war nicht minder beeindruckend. "Eine Power Unit von Grund auf neu zu bauen und so zuverlässig zu sein ist mächtig", meint James Vowles.

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Bei doch kleineren Unterschieden zwischen den Motorherstellern erwartet Andrea Stella daher ein kritisches Entwicklungsrennen. Bei einem neuen Reglement ist die Lernkurve steiler als sonst. Wer also in den ersten Wochen und Monaten neue, gute Lösungen findet, der könnte das Kräfteverhältnis auch im Saisonverlauf auf den Kopf stellen.

"Jedenfalls wird das, was wir im ersten Teil der Saison als Kräfteverhältnis sehen, ziemlich sicher im zweiten Teil nicht gleichbleiben, genau wegen der Auto-Entwicklung, die in der Frühphase nur sehr signifikant sein kann", unterstreicht Stella. Trotzdem können im Winter getroffene Grundsatz-Entscheidungen eine massive Rolle spielen. Deshalb schauen auch alle gebannt auf den radikalen Aston Martin AMR26 von Adrian Newey: