Nicht einmal eine ganze Grand-Prix-Distanz hat der neue Aston Martin AMR26 bei den ersten Testfahrten in Barcelona geschafft. Doch sein kurzes Auftreten reichte schon, um beim Rest der Formel 1 ziemlich Eindruck zu hinterlassen. Besonders ein radikales Feature aus der Feder von Star-Designer Adrian Newey lässt staunen.
Für Newey ist es der erste Aston Martin, nachdem er vor erst weniger als einem Jahr beim Team in Silverstone andockte. Erst als Managing Technical Partner, inzwischen ist er auch offiziell Teamchef. Der AMR26 kam erst verspätet an die Strecke, weil man verspätet mit der Entwicklung startete, doch das verhinderte radikale Entscheidungen nicht.
Wohl ist eher das Gegenteil der Fall. Newey stellte in den letzten Monaten wiederholt klar, dass die Priorität auf jene Aspekte des Autos lag, welche man im Saisonverlauf nicht mehr ändern konnte. Flügel und Aero-Oberflächen sind leicht weiterzuentwickeln. Aufhängung und grundsätzliches Packaging aller Komponenten sind hingegen während des Jahres aufgrund der Ressourcen- und Entwicklungsbeschränkungen de facto unverrückbar.
Neuer Aston Martin: Brenzlige Design-Features wecken die Formel 1 auf
Die Verspätung war daher in Kauf zu nehmen, um bei diesen Aspekten auch sicher von Anfang an am erwarteten Design-Limit zu landen. Nirgendwo ist das sichtbarer als an dem wilden Konstrukt von Hinterrad-Aufhängung am AMR26. "Adrian ist einfach ein kreativer Designer, und es ist sehr beeindruckend, was er mit Querlenkern an Stellen getan hat, wo sie denke ich nicht sein sollten", ist Williams-Teamchef James Vowles beeindruckt.
Der AMR26 hat den oberen Querlenker nämlich absurd hoch angesetzt, nicht wie üblich an der Crash-Struktur, sondern bis auf Höhe des Auspuffs, an der Strebe des Heckflügels. "Das ist Adrian, sehr beeindruckend, sehr kreativ, sehr extrem", meint Vowles und schiebt mach: "Davon würde ich nicht der Designer sein wollen."

Das impliziert ein ziemliches Design-Risiko, wie es auch die faszinierend schmale Verkleidung des Heck- und Motorbereiches tut. Newey selbst räumte kurz nach dem Test ein: "Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, kann sicherlich als aggressiv interpretiert werden. Sie hat einige Features, die nicht unbedingt schon einmal versucht wurden."
Mutig nicht gleich gut: Neuer Aston Martin muss sich erst beweisen
Und doch möchte jemand wie Newey sein Design nicht auf ein oder zwei Auffälligkeiten reduziert sehen: "Für mich ist das Design eines Autos ein ganzheitliches Paket. Es gibt kein einzelnes Teil, das voraussichtlich den Unterschied macht. Es geht darum, wie alle diese Teile zusammenkommen. Wie sie miteinander sprechen, um ein Auto zu erzeugen, das mit dem Fahrer harmoniert und aerodynamisch, mechanisch und fahrdynamisch abliefert."
Jetzt muss der Aston Martin aber erst einmal mehr fahren. In Barcelona kratzte er gerade einmal an der 300-Kilometer-Grenze. Zwar ist F1-Altmeister Newey als Design-Genie bekannt, aber nicht vor Fehlschlägen gefeit. Sein McLaren MP4-18 zeigte 2003 radikale Design-Features, darunter sehr aggressives Packaging, litt aber an permanenten Überhitzungsproblemen, fabrizierte mehrere heftige Test-Unfälle, und fuhr am Ende kein einziges Rennen.



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