Max Verstappen packte im Formel-1-Qualifying von Abu Dhabi nochmal richtig einen aus. Das gesamte Wochenende schien er maximal ebenbürtig mit den McLarens zu sein, doch im entscheidenden Q3 zeigte er dann das, was Dr. Helmut Marko gerne als den "Max-Faktor" bezeichnet und fuhr Lando Norris und Co mal eben so um zwei Zehntelsekunden davon.

Bereits sein erster Run in Q3 hätte für die Pole Position gereicht. Im zweiten setzte er dann nochmal fast eine Zehntelsekunde drauf. "Schon die Runden auf den gebrauchten Reifen in Q2 haben sich sehr solide angefühlt und in Q3 verringern sich hier natürlich die Temperaturen und man kann ein bisschen mehr pushen. Das ist exakt, was wir getan haben", resümierte der Niederländer seinen Qualifying-Auftritt.

Er fühlte sich an einen vergangenen Titelkampf erinnert. "Es fühlte sich ähnlich an wie das Qualifying 2021, damals war es auch gut. Wenn der Druck hoch ist und man performen muss, dann performt man normalerweise auch, denn ich mag diese Momente", so Verstappen in der Pressekonferenz. Damals befand er sich in einem harten WM-Duell mit Hamilton und war beim Saisonfinale in Abu Dhabi ebenfalls auf Pole gefahren.

Verstappen-Pole nicht genug: Lando Norris direkt dahinter

Doch die Galavorstellung kommt mit einem großen Haken. Denn der erste Verfolger von Verstappen in der Staraufstellung ist sein Titelkonkurrent Lando Norris. Dem McLaren-Fahrer reicht ein dritter Platz im Rennen, um seine erste Formel-1-Weltmeisterschaft klarzumachen, Verstappen Pole hin oder her. "Ich werde versuchen das Rennen zu gewinnen, aber auch im Hinterkopf behalten, dass wir so viele Punkte wie möglich einfahren und nach wie vor versuchen die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Wir brauchen aber ein bisschen Glück hinter uns", macht sich der Niederländer keine Illusionen.

Wie sehr er dieses Glück erzwingen kann, steht auf einem anderen Blatt. Eine logische Möglichkeit wäre der Versuch, mit einer absichtlich verringerten Pace seine Verfolger einzubremsen und so den Rest des Feldes heranzubringen. Eine Taktik, die Lewis Hamilton 2016 auf den letzten Runden im WM-Kampf gegen Nico Rosberg vorgezeigt hatte, als er sich in einer ähnlichen Situation befand. Damals blieb sie aber erfolglos.

Nimmt sich Max Verstappen in Abu Dhabi ein Vorbild an Lewis Hamilton?, Foto: Mercedes-Benz
Nimmt sich Max Verstappen in Abu Dhabi ein Vorbild an Lewis Hamilton?, Foto: Mercedes-Benz

Falls Verstappen sich irgendwelche Tricks überlegt hat, mit denen er Norris in die Bredouille bringen kann, dann ließ er diese nach dem Formel-1-Qualifying nicht wissen. Er ließ stattdessen durchklingen, dass er nichts in die Richtung probieren werde: "Ich hoffe, dass das Rennen nicht zu geradlinig verläuft, aber nicht wegen mir."

Zu der zitierten Hamilton-Taktik meinte er nur, dass diese auf der modernen Streckenführung des Yas Marina Circuits und mit den aktuellen Autos nicht mehr so leicht möglich sei. "Man wird heutzutage viel mehr mitgezogen, es ist nicht mehr so einfach. Die Autos sind komplett anders", argumentierte der Titelverteidiger. "Früher schien das hier viel einfacher zu sein, da die Reifen überhitzen würden und das Auto übersteuert."

Verstappen hat ohnehin ein grundsätzliches Problem, das darin besteht, dass abgesehen vielleicht von Oscar Piastri möglicherweise kein anderer Formel-1-Pilot das Tempo der Top-3 mitgehen kann. Sowohl George Russell auf P4 als auch Charles Leclerc auf P5 sahen in den Trainings in den Longruns nicht überragend aus.

Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko äußerte auf ServusTV dennoch Hoffnung, dass die Verfolger helfen könnten. "[Mercedes] sah im Longrun am Freitag nicht gut aus, aber das kann sich ändern. Vielleicht schafft es Mercedes nach vorne. Und Leclerc im Ferrari war überraschend gut", zählte Marko auf. Red Bull muss wohl darauf hoffen, dass beide Norris einen Strich durch die Rechnung machen, denn Norris reicht ja bei einem Verstappen-Sieg ein vierter Platz. Und im Zweifel ist damit zu rechnen, dass McLaren Piastri hinter den WM-Führenden navigiert.

Yuki Tsunodas keine große Hilfe? Windschatten bringt nicht viel, Startposition schlecht

Von Unterstützung durch Teamkollege Yuki Tsunoda kann er nicht unbedingt ausgehen, denn der Japaner qualifizierte sich nur auf der zehnten Position. Im Qualifying tat Tsunoda bereits sein Bestes, um seinem Noch-Teamkollegen etwas zu unterstützen. Er gab ihm auf dem ersten Q3-Run Windschatten auf der zweiten DRS-Geraden.

Eine kleine Hilfe zwar, die aber keine Auswirkung auf den Ausgang des Qualifyings hatte. Sie brachte Verstappen im ersten Run nur etwa eine halbe Zehntelsekunde, wie aus den Daten hervorgeht. Im zweiten Versuch verzichtete Red Bull Racing komplett auf dieses Spielchen und Verstappen fuhr auch so nochmal schneller.

Aus der Rundenanalyse im Qualifying geht hervor, dass Verstappen seinen größten Zeitgewinn auf die McLarens in der Schikane zwischen den beiden DRS-Geraden (Kurve 6/7) machen konnte. Auch im ersten Sektor nahm er den Papayas etwas ab. Ebenfalls ins Auge sticht, dass Verstappen im letzten Sektor ebenbürtig mit den McLarens war, im Training war ihm Norris dort noch einen klaren Schritt voraus gewesen.

Für Oscar Piastri sehen die WM-Aussichten für das Rennen in Abu Dhabi noch schlechter aus als für Verstappen. Doch der Australier erinnert, dass noch vieles passieren kann. Oder wie er es nennt: Witzige Dinge. Hier mehr dazu: