Oliver Bearman hat gerade einmal 19 Grand-Prix-Starts in der Formel 1 hinter sich und schon jetzt droht ihm eine Rennsperre. 10 Strafpunkte hat er auf seiner Lizenz stehen, die letzten zwei bekam der F1-Rookie nach der Kollision mit Carlos Sainz beim Großen Preis von Italien aufgedrückt. Damit ist er gefährlich nahe an der 12-Punkte-Grenze, erst beim Brasilien Grand Prix verjähren die ersten zwei Zähler. Darum muss sich Haas nun die Frage stellen: Wer könnte Bearman im Notfall ersetzen? Motorsport-Magazin.com hat sich die Kandidaten angesehen.

RennenVergehenStrafpunkteVerfalldatum
Brasilien Grand Prix 2024Kollision mit Colapinto2 Punkte03.11.2025
Monaco Grand Prix 2025Überholen unter roter Flagge2 Punkte23.05.2026
Großbritannien Grand Prix 2025Unfall in der Boxengasse unter roter Flagge4 Punkte05.07.2026
Italien Grand PrixKollision mit Sainz2 Punkte07.09.2026

Ryō Hirakawa: Aufstieg des Testfahrers?

Haas-Ersatzfahrer Ryo Hirakawa in der Box
Ryō Hirakawa saß bereits hinter dem Steuer des im VF-25, Foto: IMAGO / DeFodi Images

Ryō Hirakawa ist die naheliegendste Wahl, sollte Bearman nicht starten dürfen. Seit April sitzt der WEC-Pilot auf der Haas-Ersatzbank, davor war er bei Alpine und McLaren als Reserve- und Testfahrer verpflichtet. In der Langstrecken-Weltmeisterschaft geht er für Toyota Gazoo Racing an den Start. Zweimal holte der Japaner den WEC-Titel, 2022 gewann er in seiner ersten Langstrecken-Saison die 24 Stunden von Le Mans.

Hirakawa hat bereits mehrere Stunden hinter dem Steuer eines Haas-Boliden verbracht. Beim Young Driver Testing in Abu Dhabi 2024 saß er trotz seiner McLaren-Verpflichtung im US-amerikanischen Auto. Nach seinem plötzlichen Wechsel von Alpine zu Haas im April 2025 absolvierte er anstelle von Bearman das erste Freie Training in Bahrain. Seine Leistung war jedoch nicht herausragend, ihm fehlte über eine Sekunde auf die Zeit von Esteban Ocon.

Kevin Magnussen: Rückkehr des Wikingers?

Kevin Magnussen beim Filmtag mit Haas in Silverstone
Gibt Kevin Magnussen ein zweites Formel-1-Comeback, Foto: Haas

Sollte Haas nicht genügend Vertrauen in Hirakawas Talent haben, könnten sie sich an einen alten Bekannten wenden. Kevin Magnussen war von 2017 bis 2020 und wieder von 2022 bis 2024 beim US-Rennstall verpflichtet. Mit Haas erzielte er 140 WM-Punkte und die einzige Pole-Position des Teams. Magnussen ist mit BMW ebenfalls in der WEC unterwegs, die nächsten drei Formel-1-Termine überschneiden sich nicht mit denen der Langstrecken-Weltmeisterschaft.

Sollte Not am Mann sein, könnte Magnussen also sein zweites F1-Comeback feiern. Es wäre jedoch eine durchaus kuriose Déjà-vu-Situation, denn im letzten Jahr wärmte Bearman in Aserbaidschan Magnussens Cockpit, da er bei diesem Grand Prix wegen einer Rennsperre aussitzen musste. Auch in Brasilien sprang Bearman für einen kranken Magnussen ein, in diesem Rennen holte sich der Brite nach einer Kollision mit Franco Colapinto seine ersten Strafpunkte.

Mick Schumacher: Comeback nach Rauswurf?

Mick Schumacher im Formel-1-Paddock in Miami (USA)
Mick Schumacher fuhr von 2021 bis 2022 für Haas und ist jetzt in der WEC, Foto: Imago / HochZwei

Es ist eine schier endlose Geschichte, doch für Haas ist Mick Schumacher keine weit hergeholte Option. Der Deutsche fuhr zwei Jahre für den US-amerikanischen Rennstall, wenn auch mit wenig Erfolg. Nur zwölf WM-Punkte hat er auf seinem Formel-1-Konto stehen, da sieht es in der WEC schon besser aus. In dieser Saison konnte er mit Alpine bereits zweimal auf dem Podium stehen.

Gerüchte über ein Comeback in die Formel 1 gibt es um Schumacher wie Sand am Meer, bestätigt wurde bisher keines davon. Ein Platz bei Cadillac wurde ihm länger nachgesagt, doch das erwies sich als Sackgasse. Wie auch schon bei Hirakawa und Magnussen würde Schumacher terminlich nichts im Weg stehen, Bearman in Singapur, Austin oder Mexiko zu vertreten.

Ferrari-Junioren: Test für die nächste Generation?

Ferrari Academy-Fahrer Dino Beganovic in der Box
Dino Beganović fuhr bereits im Ferrari, Foto: IMAGO / DeFodi Images

Zwei Namen, die mit ziemlicher Sicherheit nicht statt Bearman im Klassement auftauchen, aber trotzdem eine Erwähnung verdienen, sind Dino Beganović und Rafael Câmara. Câmara wurde erst vor kurzem Formel-3-Meister, Beganović kämpft in seinem zweiten Formel-2-Jahr in den Top-10. Beide sind Teil der Ferrari Driver Academy und hätten daher die nötigen Beziehungen für eine Chance auf das Haas-Cockpit.

Als Motorenlieferant könnte Ferrari ein paar Strippen ziehen und ein Jungtalent der Feuerprobe unterziehen. Für Câmara ist es wohl noch etwas früh, er hat noch keine Erfahrung in einem Formel-1-Auto. Beganović hingegen gab sein Debüt in der Königsklasse dieses Jahr, in Bahrain und Österreich übernahm er in der ersten Trainingseinheit den SF-25 von Charles Leclerc. In Sakhir fehlte ihm noch mehr als eine Sekunde auf Lewis Hamilton, am Spielberg waren es schon nur mehr drei Zehntelsekunden.

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