Zwei Wochen ist der letzte Formel-1-GP in Ungarn bereits her, doch dennoch gibt es an diesem Wochenende kein Rennen. Denn die Königsklasse befindet sich in der alljährlichen Sommerpause. Anlässlich dessen zieht Motorsport-Magazin.com für alle zehn Teams ein Zwischenfazit. Wie lief die Saison bislang? Geht es in die richtige Richtung, oder zeigt die Tendenz nach unten? Heute steht Sauber im Fokus.

Saubers Ziel vs. Realität: Die Mannschaft aus der Schweiz belegt derzeit den siebten Platz in der Konstrukteurs-WM. Eine Positionierung, die zum Saisonstart wohl nur die wenigsten für möglich gehalten hätten. Nach nur vier Punkten im Vorjahr standen auch für diese Saison die Vorzeichen auf Durchhalten. Gedanklich schien sich zumindest die mediale Stimmung ums Team bereits auf die Audi-Ankunft 2026 verabschiedet zu haben.

Doch davon ist zur Sommerpause nur noch wenig zu spüren. Mit 51 Punkten ist Sauber mittlerweile wieder eine echte Größe im Mittelfeld-Kampf. Nur noch sechs Zähler ist die Mannschaft aus Hinwil gar von der besten Punkteausbeute seit 2012 entfernt. Der erste Podestplatz seit 2012 gelang bereits unlängst durch Nico Hülkenberg in Silverstone. Und doch: Bei aller berechtigten Sauber-Freude über die bessere Performance bleibt der Fokus 2026.

Saubers Entwicklung 2025: Zu Beginn der Saison deutete mit dem neuen C45 vieles auf eine Wiederholung der Tiefen der vergangenen Jahre hin. Nach P7 von Nico Hülkenberg zum Auftakt im Chaos von Melbourne, folgte eine sieben Rennen andauernde Durstrecke. Für mindestens einen Sauber-Piloten war dabei bereits im Q1 Schluss, nicht selten für beide.

Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg beim Service in der Boxengasse
Das Update-Paket in Barcelona läutete die Trendwende ein, Foto: IMAGO / Action Plus

Doch mit einem umfangreichen Upgrade-Paket in Barcelona folgte die Wende. Sogleich besorgte Hülkenberg dem Team als Fünfter das beste Ergebnis seit 2022. Der Aufwärtstrend hielt an. Auch an allen weiteren fünf Rennwochenenden vor der Sommerpause punktete Sauber und sammelte dabei mehr Zähler als jedes andere Mittelfeld-Team. Wenn es so weitergeht, könnte sogar noch mehr als nur P7 drin sein.

Höhepunkt 2025: Hülkenberg bricht den Podiums-Fluch in Silverstone
Darüber sollte es nur wenig Debattier-Spielraum geben. Das emotionale Debüt-Podium von Hülkenberg bildet den Höhepunkt der bisherigen Sauber-Saison. Nach einer schwachen Qualifikation lieferte der Routinier in den schwierigen Regen-Bedingungen voll ab und besiegte als Dritter seinen Formel-1-Fluch. Und nicht nur für Hülkenberg war das Ergebnis von immenser Bedeutung. Für Sauber war es das erste Podium seit 2012. Damals hießen die Piloten noch Sergio Perez und Kamui Kobayashi, Hülkenberg absolvierte gerade seine zweite Formel-1-Saison mit Force India. Ein rundum gelungener Sonntag für Sauber.

Tiefpunkt 2025: Keine Pace und Disqualifikation in Bahrain
Das Bahrain-Wochenende 2025 dürfte bei Sauber so schnell keiner wiederholen wollen. Zwar war es als Teil eines schwierigen Saisonstarts bei weitem nicht das einzige punktlose Wochenende für das zukünftige Audi-Werksteam. Doch nicht nur die Performance machte dies wohl zum Tiefpunkt der Saison. Während Gabriel Bortoleto auf P18 weit von den Punkterängen entfernt blieb, beendete Hülkenberg das Rennen zwar auf P13. Doch nach dem Rennen wurde er schließlich auch noch für einen zu stark abgenutzten Unterboden disqualifiziert. Einen schlechteren Gesamteindruck gab Sauber 2025 nicht ab.

Nico Hülkenberg
WM: 9. Platz (37 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 2,66 (9. Platz)
Er kann es ja doch: Selten dürfte die kollektiv im Fahrerlager wahrgenommene Freude derart groß gewesen sein, wie als Hülkenberg in Silverstone Anfang Juli im 239. Anlauf sein erstes Formel-1-Podium einfuhr. Zugegebenermaßen: Zu dem Resultat gehörte auch eine Portion Glück dazu, wie immer, wenn ein unterlegenes Mittelfeld-Auto aufs Podium fährt. Doch die Ruhe und Abgeklärtheit mit der Hülkenberg letztlich zum erlösenden dritten Platz fuhr bleibt bemerkenswert.

Zwar schlichen sich abgesehen davon auch immer wieder Wochenenden ein, an denen bei Hülkenberg wenig ging und wo er im Vergleich zu Teamkollege Gabriel Bortoleto dann doch das ein oder andere Mal alt aussah. Auch insgesamt liegt Hülkenberg im Qualifying-Duell gegen seinen jungen Teamkollegen zurück. Im Rennen zeigte der Emmericher dann aber doch nicht nur in Silverstone immer wieder seine Klasse und liegt auch deswegen nicht nur aufgrund seines Podestplatzes klar vor Bortoleto.

Gabriel Bortoleto
WM: 17. Platz (14 Punkte)
Note im MSM-Ranking: 3,16 (12. Platz)
Im Hinblick auf tatsächlich zählbare Resultate blieb es angesichts des zu Beginn schwachen C45 lange ruhig um Rookie Bortoleto. Bis zu seinem elften Formel-1-Wochenende in Österreich musste der amtierende Formel-2-Champion auf seine ersten Zähler warten. Doch schon zuvor tat sich Bortoleto immer wieder mit starken Leistungen hervor und schlug des Öfteren im Qualifying Hülkenberg. In Ungarn vergoldete Bortoleto mit P6 eine überaus gelungene erste Saisonhälfte und durfte sich im Anschluss auch über eine ordentliche Portion Lob von MSM-Experte Christian Danner freuen.

Fazit und Ausblick für Sauber
Sollte Sauber den siebten Platz in der Konstrukteurs-Wertung bis zum Saisonende halten können, würde dies einen unerwarteten Erfolg für das Team bedeuten. Klar ist jedoch: Die Audi-Konzernspitze in Ingolstadt dürfte es nur minder interessieren, wie Sauber im letzten Jahr vor dem großen Rebranding abschneidet. Der Fokus liegt eindeutig auf 2026. Zumindest die Entwicklungskurve in diesem Jahr nach den teaminternen Umstrukturierungen dürfte von den Audi-Bossen aber durchaus wahrgenommen worden sein.

Zugleich winkt Sauber aber auch noch Gefahr von hinten: Gerade die Racing Bulls und Haas erweckten bislang den Eindruck, nicht alles aus ihren Paketen herausgeholt zu haben. Im engen Mittelfeld-Kampf kann so schnell aus einer die Erwartungen übertreffenden eine erneut nur durchschnittliche Saison werden.