Konservativ - so beschreiben die Formel 1-Fahrer das Vorgehen der FIA bezüglich des verspäteten Rennstarts in Belgien. Noch eine Woche später war die eineinhalbstündige Verzögerung das Diskussionsthema im Fahrerlager. Der größte Kritikpunkt ist der Zeitpunkt des zweiten Starts, der für viele Fahrer zu spät erfolgte. "Als wir mit dem Rennen angefangen haben, wurde es superschnell trocken. Wir haben wahrscheinlich zu lange gewartet", lautete Isack Hadjars Urteil. Rookie-Kollege Gabriel Bortoleto stimmte ihm zu: "Wir hätten zehn oder fünfzehn Minuten früher starten können."
Beide sind sich aber einig: Als das Feld um 15:00 Uhr in die Formationsrunde ging, war die Strecke eindeutig zu nass. Hadjar litt auf dem achten Platz unter dem aufgewirbelten Wasser: "Spa ist nicht der beste Ort für ein Regenrennen. Es ist eine lustige Strecke, aber nicht, wenn du nichts siehst." Wie ein Rennen mit schlechten Sichtverhältnissen ausgehen kann, musste Hadjar in Silverstone erfahren. Er kollidierte mit Kimi Antonellis Heck. Der Vorfall war Auslöser für die erhöhte Vorsicht von Rennleiter Rui Marques in Belgien. Für Max Verstappen und Lewis Hamilton war die Handhabe zu vorsichtig, Alex Albon hingegen lobte die FIA.
Formel 1 im Regen: Zwischen Talent und Glück
"Es ist das schlimmste Gefühl, wenn du 250 km/h fährst und 20 Meter vor dir nichts siehst. Als Fahrer sind wir in einer unangenehmen Situation, weil wir schwach wirken. Es scheint, als würden wir nur jammern und als sollten wir einfach [mit der schlechten Sicht] klarkommen. Aber die FIA hört uns zu und sucht nach Verbesserungen", schilderte der Williams-Pilot. Teamkollege Carlos Sainz ist ebenfalls zufrieden mit der Vorgehensweise der FIA. "Wenn ich 20 Prozent Sicht habe, dann kann ich auf mein Talent und meine Reflexe vertrauen. Wenn ich keine Sicht habe, so wie in Belgien, dann ist es dem Glück überlassen, ob ich crashe oder nicht."
Gerade auf einer Strecke wie dem Circuit de Spa-Francorchamps ist im Regen zur größten Vorsicht geraten. Seit dem ersten Grand Prix 1925 sind auf dem Hochgeschwindigkeitskurs fast fünfzig Menschen verunglückt. Zuletzt starb der erst 18-jährige Formel-Regional-Pilot Dilano van 't Hoff 2023 bei einer Massenkollision im Starkregen. In Anbetracht dessen darf ruhig länger als nötig gewartet werden, so Fernando Alonso. "Wir alle möchten mutig sein, wir alle möchten Rennen fahren. Aber wenn ein Unfall passiert, dann erinnern wir uns daran, dass es nicht wichtig ist, ob wir jetzt noch eine halbe Stunde warten", stellte Alonso klar.
Neues Reglement als Retter der Regenrennen? Alonso: Nein!
Die Ground-Effekt-Autos produzieren wegen ihrer Breite und Bodennähe zu viel Gischt, um die Ampel bei richtig nassen Bedingungen auf Grün zu schalten. Aber wie sieht es 2026 aus? Da scheiden sich die Geister im Fahrerlager. "Sieht man sich die Philosophie der Autos an, sollten sie weniger Gischt produzieren", hofft Albon. Alonso ist nicht so optimistisch: "Nichts wird sich verändern. Wir werden das gleiche Problem haben." Denn für ihn ist nicht nur das Autokonzept die Wurzel des Problems, sondern auch die breiten Reifen, die Pirelli seit 2017 einsetzt. Auch den Bodenbelag macht der Spanier verantwortlich.
"Dieser neue Asphalt, der sehr schwarz und griffig in trockenen Bedingungen ist, wird im Nassen spiegelglatt. Früher sind wir mit viel mehr Wasser auf der Straße gefahren und das war auch in Ordnung", meinte Alonso. Um das Problem zu lösen, hat der Routinier einen gewagten Vorschlag: Rennstrecken sollen künftig dazu verpflichtet werden, Autobahn-Asphalt zu verlegen. Der Straßenbelag ist auf seiner obersten Schicht viel gröber, Regen kann sich dadurch besser verteilen und leichter abrinnen, anstatt auf der Oberfläche stehen zu bleiben wie bei der dichteren Variante der modernen Rennstrecken.
Dass er damit nicht nur den Streckenbesitzern, die Millionen in neue Bodenbeläge investieren müssten, einen Herzinfarkt beschert, sondern auch dem Reifenlieferant Pirelli, ist dem Spanier wohl bewusst. "Wir hätten dann in trockenen Bedingungen einen hohen Reifenverschleiß, aber es wäre zumindest ein Anfang", so Alonso. Sainz hat eine ähnliche Idee: "Es gibt gewisse Arten von Asphalt, die du auf die Gerade verlegst und die keine Gischt erzeugen. Die meisten Strecken haben den nicht. Die Formel 1 könnte innovativ sein und etwas ausprobieren", schlug der Spanier vor.
Richtige oder falsche Entscheidung? Schreibe uns in den Kommentaren deine Meinung zum verspäteten Spa-Start und was denkst du über die Vorschläge von Fernando Alonso & Co.?



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