In der Saison 2024 musste er sich Lewis Hamilton geschlagen geben, beim Sprint am Samstag Max Verstappen. Doch beim diesjährigen Formel-1-Rennen auf dem Circuit de Spa-Francorchamps fuhr Oscar Piastri als Erster über die Ziellinie und holte sich endlich den Sieg auf seiner Lieblingsstrecke. Das Überholmanöver in der ersten Rennrunde und ein gutes Reifenmanagement waren der Schlüssel zum Erfolg.

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"Es war ein toughes Rennen", fasste der WM-Spitzenreiter den Großen Preis von Belgien zusammen. Die Wetterbedingungen machten es allen im Feld nicht leicht. Der Rennstart wurde wegen starkem Regen um ganze eineinhalb Stunden verzögert - eine Entscheidung, die nicht jedem Fahrer gefiel. Als dann das Safety Car nach vier Runden den Asphalt verließ und der Grand Prix mit einem fliegenden Start losging, war Oscar Piastri in der perfekten Position, um seinen Vordermann Lando Norris anzugreifen.

Oscar Piastri macht Verstappen-Move aus dem Sprint

"Ich hatte einen guten Restart. Ich war in der letzten Schikane nah [an Lando Norris] dran und hatte dann einen guten Ausgang aus Kurve eins", beschrieb Piastri. Währenddessen schwänzelte sein Teamkollege nach La Source und musste den Preis dafür bezahlen. Bis ans Ende von Raidillon hängte sich Piastri in den Windschatten von Norris.

Auf der noch nassen Rennstrecke war die Gischt hoch, trotz der schlechten Sicht ließ Piastri nicht vom Heck seines WM-Rivalen ab. "Durch Eau Rouge war ich so mutig wie ich konnte und blieb knapp dran. Ich wusste, dass ein Überholmanöver hier entscheidend sein würde und musste es probieren. Es war meine beste Möglichkeit, das Rennen zu gewinnen," sagte der nun achtfache GP-Gewinner.

McLaren-Pilot Lando Norris führt vor Teamkollege Oscar Piastri und Charles Leclerc im Ferrari
Piastri war auch in der Gischt durch Eau Rouge auf Norris' Fersen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Mit einem Windschatten-Bonus scherte Piastri bereits am Anfang der Kemmel-Geraden aus und war noch vor Les Combes der neue Führende. "Als ich die Onboard-Aufnahme davon gesehen habe, hat es nicht so furchteinflößend ausgesehen, wie es sich im Auto angefühlt hat. Ich habe lange über diesen Move nachgedacht", verriet er nach dem Rennen.

Das ist gut vorstellbar, ist es doch das gleiche Manöver, das ihn am Samstag den Sprint-Sieg kostete. Max Verstappen klebte sich ebenfalls von P2 aus an Piastris Heck und ging am Ende der Kemmel-Geraden außen am McLaren-Piloten vorbei. Piastri scherzte mit seinem Teamchef Andrea Stella sogar über den Windschatten-Vorteil: "Nach dem Qualifying sagte er zu mir, 'Das war nicht meine beste Runde in Q3, aber das ist vielleicht der beste Ort, nicht die beste Runde in Q3 zu fahren'", erzählte Stella.

Ein-Stopp-Strategie von Lando Norris aufgezwungen

Doch nur ein Überholmanöver sicherte Piastri nicht den Sieg. Denn sein Teamkollege Lando Norris gab nicht so einfach auf. Bei seinem Boxenstopp in Runde 13 wählte der Brite eine alternative Strategie und wechselte auf die harten Reifen. Damit zwang er Piastri, der sich eine Runde zuvor Medium-Reifen abholte, eine Ein-Stopp-Strategie auf.

Der Gedanke, die viel weicheren C3-Pneus noch gut 30-mal über den 7,004 Kilometer langen Circuit de Spa-Francorchamps zu bringen, brachte Piastri ins Schwitzen: "Ich habe mich für fünf Runden gut auf den Mediums gefühlt. Aber als ich gesehen habe, dass Lando auf den Hards nicht schlechter war als ich, wurde ich nervös. Ich musste gut aufpassen."

Der weiße Reifen war nie eine Option für Piastri. Erstens entschied sich McLaren erst sehr kurz vor der Boxengasseneinfahrt, ihn an die Box zu holen, und zog ihm deswegen die im Vorfeld ausgemachten Reifen auf. Und zweitens war es die sicherere Variante, denn Pirelli brachte die härteste Mischung, den C1, nach Belgien. "Du weißt nicht, wie sich dieser Reifen in diesen Bedingungen verhält. Wenn ein Safety Car kommt, was bei diesen Verhältnissen oft passiert, dann willst du den Medium, nicht den Hard. Ich bin glücklich mit dem, was wir gemacht haben", so Piastri.

Lange war unklar, ob der Australier die Pace halten könne oder einen weiteren Reifenwechsel absolvieren müsse. Doch im Laufe des Rennens zeigte sich der gelbe Pneu als beständig und Piastri blieb draußen. Norris konnte ihn gegen Ende zwar einholen, doch wegen einiger Fehler seinerseits fuhr der Brite 3,4 Sekunden nach Piastri übers Ziel.

Piastri widmet Spa-Sieg seinem Großvater

"Chapeau an Oscar. Er hatte seine Reifen unter Kontrolle. Er fuhr seine beste Zeit in der vorletzten Runde, also hatte er auch seinen Abstand zu Lando im Auge. Es war eine hochqualitative Performance von ihm", lobte Teamchef Andrea Stella die Leistung seines Fahrers.

Seinen achten Grand-Prix-Sieg widmete Piastri seinem Opa, der zum ersten Mal bei einem Formel-1-Rennen außerhalb von Australien anwesend war. "Meine Schwester war in Spanien dabei, das war ein gutes Wochenende. Jetzt mit meinem Großvater hier das Gleiche. Vielleicht sollte ich meine Familienmitglieder einzeln zu den restlichen Rennen mitnehmen", scherzte Piastri in der Pressekonferenz.

Wer als nächstes mitkommen darf, muss der 24-Jährige aber schnell entscheiden. Schon am kommenden Wochenende fährt die Formel 1 in Budapest und mit nur 16 WM-Punkten Unterschied geht auch das McLaren-Duell um den Weltmeistertitel in die nächste Runde. Gutes Omen für den WM-Spitzenreiter: Auf dem Hungaroring gewann Piastri 2024 seinen allerersten Grand Prix.

Den Rückhalt der Familie auf der Rennstrecke zu haben, ist im Haifischbecken Formel 1 für viele eine wichtige Unterstützung. Wer sind die heimlichen Helden im Leben der Piloten? Die Antwort bekommt ihr hier: