Die Stimmung in der Ferrari-Garage ist am Freitagabend nach den ersten Trainings zum Kanada-GP der Formel 1 bedrückt. Ein Auto muss nach Unfall schon zu Beginn des Tages überhaupt erst wieder zusammengeflickt werden. Charles Leclerc hatte nicht einmal am 2. Training teilnehmen können. In dem Lewis Hamilton als Einzelkämpfer aber auch gar nicht gut aussah.
Leclerc hatte nur neun Runden absolviert, ehe er mit einem Fahrfehler in FP1 seinen SF-25 nachhaltig beschädigte. "So, wie das Rad das Chassis berührt hat, hat es einen Riss erzeugt", bestätigt Leclerc am Abend den Grund dafür, warum ein eigentlich noch relativ harmlos aussehender Unfall einen Chassis-Wechsel und damit ein Aussitzen von FP2 erzwang. Mehr zu seinem Unfall gibt es hier:
Leclerc wird erst am Samstag in FP3 wieder fahren können. "Es war schlicht eine Fehleinschätzung, aber eine, die mir richtig teuer kommt", ärgert er sich darüber, dass er nach dem Verbremser in Kurve 3 noch versucht hatte, einzulenken, anstatt geradeaus in den sicheren Notausgang zu fahren. "Es war ein richtig dummer Unfall. Ich dachte, ich würde die Kurve zumindest auf dem Gras noch kriegen, aber als ich dann auf dem Gras war, ging mir der Platz aus."
"Positiv ist, dass ich mich im Auto sehr gut fühlte, und wir waren sehr gut dabei", blickt Leclerc wehmütig darauf zurück, dass er zum Unfallzeitpunkt Topzeiten fuhr und auch am Ende von FP1 noch auf Platz 10 lag. "Aber was ist das schon wert? Es war die dritte Runde." Lewis Hamiltons FP2-Ergebnis untermauert diese Zweifel.
Lewis Hamilton biegt mit Ferrari im 2. Training falsch ab
Auch Teamkollege Hamilton hatte sich schließlich im ersten Training wohlgefühlt, war immerhin Fünfter gewesen: "Dann haben wir Änderungen vorgenommen, und ich dachte, das Auto sei schneller, aber wir wurden einfach langsamer. Beziehungsweise wurden die anderen schneller."
Hamilton blieb auf einem enttäuschenden achten Platz hängen. Eine halbe Sekunde war er in FP2 weg von Pacesetter George Russell. Vor ihm landeten nicht nur beide McLaren und beide Mercedes, sondern auch beide Williams und der Aston Martin von Fernando Alonso. Hamilton verzweifelte vor allem an der letzten Schikane, bekam einfach die Hinterachse dort nicht in den Griff.
"Ich denke, über Nacht können wir das mit ein paar Änderungen hinbiegen", ist Hamilton diesbezüglich zwar zuversichtlich. Aber eher weniger, wenn es um die grundlegende Pace des Autos geht. Die Qualifying-Schwäche des SF-25 hängt über allem: "Ich denke, wenn es so weitergeht, wird es schwierig werden, ins Q3 zu kommen. Aber nicht unmöglich."
Ferrari in Kanada: Kampf gegen Williams statt ums Podium?
Auch an der Rennpace gilt es momentan zu zweifeln. Die griparme Strecke löste am Freitag starkes Graining auf der Hinterachse aus, und damit schien der Ferrari zumindest in den Händen von Hamilton überhaupt nicht zurechtzukommen. Im direkten Longrun-Vergleich war er kaum in der Lage, sich gegen Carlos Sainz' Williams zu behaupten. Das ganze Kräfteverhältnis gibt es hier in der Analyse:
"Wir können denke ich um die Top-5 kämpfen", lauten folglich Hamiltons moderate Ansprüche. Leclerc wiederum mag mangels Fahrtzeit keine Einschätzung treffen: "Mein Selbstvertrauen ist unbeschadet. Bis zum Qualifying werde ich sicher auf Touren kommen. Wie wettbewerbsfähig wir insgesamt sind, das ist eine andere Frage. Aber ich persönlich werde bei 100 Prozent sein."
Die Ferrari-Stimmung ist aber auch unabhängig von den Leistungen auf der Strecke in Kanada nicht berauschend. Mediale Spekulationen über die Zukunft von Teamchef Fred Vasseur gehen um. Vasseur selbst ließ das am Freitag nicht auf sich sitzen und konterte wütend in der Pressekonferenz. Alle Ansagen gibt es hier:



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