Was haben Franco Colapinto mit Gabriel Bortoleto gemein? Beide stammen aus Südamerika – Colapinto aus Argentinien, Bortoleto aus Brasilien. Beide sind Rookies, die neben einem erfahrenen Formel 1-Teamkollegen bestehen müssen und beide sind noch punktelos.

Während der Druck von außen auf Colapinto, der vor drei Rennen Jack Doohan bei Alpine ersetzte, bereits wächst, fährt Gabriel Bortoleto (noch) unbeschwert. "Ich verspüre keinen zusätzlichen Druck von außen. Das Team vertraut mir und ich vertraue dem Team sowie dem, was wir tun. Es ist ein Aufbauprozess und die Ergebnisse sind durchaus positiv", erklärte der 20-Jährige. Vor allem auf eine Runde ist Bortoleto schnell.

Bortoleto hat sich neues Ziel gesetzt

In Spanien düpierte er mit Startposition 12 seinen erfahreneren Teamkollegen Nico Hülkenberg. Im Rennen ist es bisher für ihn nicht wie gewünscht verlaufen, was auch den großen Punkteunterschied zwischen Hülkenberg (16 Punkte) und ihm erklärt. Der Brasilianer macht keinen Hehl daraus, wie schwierig es nach zwei Titeln (Formel 3 und Formel 2) für ihn ist, nicht um Top-Platzierungen zu kämpfen.

Und obwohl die Beispiele von Doohan und Liam Lawson es anders vermuten lassen, herrscht laut Bortoleto in den Nachwuchsserien viel mehr Druck auf die Fahrer als in der Formel 1. "Ich habe immer gesagt, dass der größte Druck in der Formel 3 und der Formel 2 herrscht. In meiner Karriere war klar, dass ich nur ein Jahr in jeder Serie hatte. Man weiß, dass man liefern muss, dass man gewinnen muss, um vielleicht eine Chance zu haben, in die Formel 1 zu kommen", verrät der Sauber-Pilot. Dieses Ziel hat er mit der Vertragsunterzeichnung bei Sauber erreicht.

F1-Piloten haben keine Zeit sich zu erholen

Jetzt hat er ein neues Ziel: der beste zu werden. Auf dem Weg dorthin heißt es für Bortoleto: adaptieren, adaptieren und nochmals adaptieren – vor allem abseits der Rennstrecke. "In der Formel 1 hast du so viel mehr Verpflichtungen gegenüber Sponsoren und den Medien. Trotzdem musst du auf der Strecke die beste Leistung bringen. Ich habe mit sechs Jahren mit dem Rennfahren begonnen und in all den Serien, in denen ich gefahren bin, habe ich so etwas noch nie erlebt", erklärte Bortoleto.

In der Königsklasse ist der Tag eines Fahrers streng getaktet. Zeit den Kopf frei zu bekommen und sich zu erholen, bleibt an einem Rennwochenende nicht. "Manchmal kann das zu einer Überlastung führen", weiß der Brasilianer und fügte hinzu: "Für mich hat das ganz gut funktioniert. Mit jedem Rennen, das ich dieses Jahr gefahren bin, habe ich mich mehr daran gewöhnt." Rekordchampion Lewis Hamilton, der seit 19 Jahren in der Formel 1 fährt, hat Mitgefühl mit den Rookies von heute. "Es ist ziemlich beeindruckend, wie reif sie sind. Denn es ist keine einfache Situation, in die sie da hineingeworfen werden", so Hamilton.

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Albon lobt aktuelle Rookie-Generation

Wenn es um die aktuelle Rookie-Generation rund um Bortoleto, Hadjar und Antonelli geht, ist auch Alex Albon voll des Lobes. "Ich bin von ihnen beeindruckt, sie machen einen tollen Job und halten uns auf Trab. Das erinnert mich an die Saison 2019 – damals gab es auch diese Gruppe an schnellen, jungen Fahrern und jetzt folgt die zweite Welle", sagte Albon, der 2019 zu diesen jungen, schnellen Fahrern zählte.

Nach zwölf Rennen für Toro Rosso wurde der damalige Rookie nach dem Ungarn GP ins Red Bull-Team befördert. Dort ersetzte er Pierre Gasly. Laut Albon hatten es Rookies damals leichter. "Die Autos sind heute viel schwieriger zu fahren. Die vorherige Fahrzeuggeneration hatte deutlich mehr Abtrieb, sie waren viel weicher und die Fahrzeughöhe war höher. Die Autos haben Fehler mehr verziehen und waren somit anfängerfreundlicher", meinte Albon.