McLaren musste in den letzten Monaten viele Vorwürfe über sich ergehen lassen: Wasser in den Reifen, biegsame Flügel, Phasenwechselmaterial in der Bremskühlung... Zahlreiche verschiedene Theorien wurden von der Konkurrenz aufgestellt, um die Performance der Konstrukteurs-Weltmeister zu erklären, die auch 2025 in der Formel 1 die Team-Meisterschaft nach Belieben dominieren.

Doch bisher tappen alle im Dunkeln. Nicht zuletzt seit vor dem Rennwochenende in Imola die FIA noch einmal die Bremsen am MCL39 des Miami-Siegers Oscar Piastri auseinanderlegte und keine Regelwidrigkeit feststellte. Nicht zum ersten Mal: Auch bei den Reifenwasser-Theorien gab es Untersuchungen, die McLaren entlasteten.

McLaren-Hypothesen zerschlagen sich: Andrea Stella stichelt vor Imola

Ein altbewährtes Spiel in der Formel 1: Sobald ein Team vorne ist, versucht die Konkurrenz eifrig nach irgendwelchen Unregelmäßigkeiten zu suchen. Vor allem Red Bull steht dabei im Fokus, denn Mercedes scheint sich damit abgefunden zu haben, dass bei der britischen Truppe alles regelkonform ist.

McLaren-Teamchef Andrea Stella sieht die Anschuldigungen der Konkurrenz gelassen. Vielmehr bekundete der Italiener seine Freude darüber, dass offenbar ein großes Augenmerk auf ihr Auto gelegt werde. "Für uns sind es gute Nachrichten, wenn unsere Rivalen den Fokus anstatt auf sich selbst auf einige Aspekte legen, die angeblichen an unserem Auto vorhanden sind", sagte er.

"Und selbst wenn diese [Elemente vorhanden wären], wie zum Beispiel die Flexi-Wings am Frontflügel, dann haben sie nichts mit dem Grund zu tun, warum McLaren so konkurrenzfähig ist", ist Stella überzeugt.

McLaren-Teamchef Andrea Stella im Paddock
Andrea Stella rät der F1-Konkurrenz: Konzentriert euch auf euch selbst, Foto: IMAGO / Eibner

Die Aussagen kommen nicht ohne Unterton. Denn bereits in Miami nutzte McLaren-CEO Zak Brown, der sich gerne als Haupt-Provokateur gegenüber den Formel-1-Gegnern positioniert, die Gelegenheit um ein paar Sticheleien loszuwerden. Er trank am Kommandostand aus einer Flasche mit der Aufschrift 'Reifenwasser' und forderte die Gegner auf, Protest gegen den MCL39 einzulegen.

Lenkt sich McLarens Formel-1-Konkurrenz selbst ab?

Eine Aufforderung, auf die Red Bull und Co wohl besser nicht einsteigen sollten, wenn man Andrea Stella glauben mag. Er gab der F1-Konkurrenz einen Tipp: "Ich habe in meinen vielen Jahren im Sport gelernt, dass man sich auf sich selbst fokussieren sollte und auf die Grundlagen. Wenn man sich zu sehr davon ablenken lässt, was die anderen tun, dann sollten normalerweise in deiner Fabrik die Alarmglocken schrillen."

Ob sich die Verfolger diese McLaren-Tipps zu Herzen nehmen, lassen wir einmal dahingestellt. Jedenfalls wurde weder vor noch nach Miami Protest gegen den McLaren eingelegt, stattdessen gelangten die Vorwürfe jeweils über die Hintertür an die Öffentlichkeit. Offiziell haben die FIA für ihre technische Untersuchung nach Miami nur zufällig den McLaren von Piastri ausgewählt.

Ob es bei den Bremsen-Vorwürfen bleibt, werden die nächsten Monate zeigen. Stella: "Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch viele solcher Sagas sehen, denn das bedeutet, dass unsere Rivalen sich auch weiterhin auf die falschen Dinge fokussieren. Das hilft unserer Mission."

Vorwürfe hin oder her, McLaren ist auch bei der Formel 1 in Imola bislang das Maß aller Dinge. Am Trainingsfreitag konnten sich Oscar Piastri und Lando Norris auf ihren schnellen FP2-Runden sogar Fehler leisten und gaben den nächsten Verfolgern trotzdem mehr als eine Viertelsekunde mit.