"Macht noch eine Teepause, während ihr darüber nachdenkt. Kommt schon." Das war einer von zahlreichen schnippischen Funksprüchen von Lewis Hamilton während des Formel-1-Rennens in Miami. Die Nachricht galt Ferrari, seinem eigenen Team. Und auch am Funk von Teamkollege Charles Leclerc ging es rund. "Ich bin nicht dumm", stellte er während des Rennens klar. Was war passiert?
Leclerc ging von Platz acht auf Medium-Reifen ins Rennen, Hamilton von Platz zwölf auf Hard. Durch einen gut getimten Boxenstopp während einer VSC-Phase schloss der Brite auf seinen monegassischen Teamkollegen auf. Hamilton fuhr den zweiten - und damit letzten - Stint auf Medium, Leclerc gegengleich auf Hard.
Beim Überholmanöver in Runde 34 an Carlos Sainz arbeiteten Leclerc und Hamilton noch perfekt als Team zusammen. Leclerc nutzte das Ende einer VSC-Phase, um Sainz zu überraschen. Mit einem knallharten Manöver gelang nicht nur ihm das Überholmanöver, auch Hamilton konnte direkt mit durchschlüpfen.
Hamilton motzt Ferrari an: Macht doch eine Teepause

Damit begann aber das Ferrari-Drama. Rund sechs Sekunden vor dem roten Duo fuhr Kimi Antonelli auf Rang sechs. Und den wollte Ferrari in den letzten gut 20 Runden noch überholen. Hamilton fühlte sich bei der Aufholjagd aber von Leclerc aufgehalten. "Sollen wir das ganze Rennen hier sitzenbleiben?", fragte er am Funk.
Renningenieur Ricciardo Adami meldete sich mit der Ferrari-Standard-Antwort zurück: "I'll come back to you." Und das tat er eine Runde später dann auch. "Wir wollen im DRS von Charles bleiben." Hamilton gefiel die Idee ganz und gar nicht: "Alles, was ich dazu sage ist, dass es kein gutes Teamwork ist."
Anschließend erinnerte Hamilton an China, als er Leclerc vorbeigelassen hatte. Ferrari reagierte und ordnete den Platztausch an. Doch das ging dem Rekordsieger der Formel 1 nicht schnell genug: "Macht noch eine Teepause, während ihr darüber nachdenkt. Kommt schon!"
In Runde 38 erfolgte der Platztausch, doch Hamilton konnte sich nicht von Leclerc absetzen. Seine Begründung folgte sogleich: "Wir ihr gesehen habt, habe ich meine Reifen aufgebraucht." Jetzt war es Leclerc, der sich bei der Antonelli-Jagd behindert fühlte: "Lewis muss schneller fahren, ich habe jetzt Dirty Air."
Verwirrung über Ferrari-Platztausch: Leclerc will gar nicht mehr
"Jetzt werde ich aufgehalten. Meine Reifen überhitzen", klagte Leclerc seinem Renningenieur Bryan Bozzi. Das Duo kam Antonelli näher, doch die Schritte waren zu klein. In Runde 52 machte Ferrari deshalb den Platztausch wieder rückgängig. Doch dabei kam es zu Verwirrungen. Leclerc wurde der Platztausch angekündigt, während Hamilton noch nicht einmal darüber informiert wurde.
Irgendwann wollte Leclerc den Platztausch gar nicht mehr: "Es ist okay, es ist okay, Wir sehen Antonelli, lasst uns versuchen, ihn zu bekommen. Ansonsten verlieren wir mehr Zeit als alles andere. Lasst uns dann nach dem Rennen darüber sprechen."
Wenige Sekunden später gab es dann aber doch noch den Tausch zurück. Darüber war Hamilton jedoch not amused - erst recht nicht, als man ihm mitteilte, dass Sainz von hinten kommt. "Soll ich ihn auch noch vorbeilassen?", fragte Hamilton sarkastisch.
Lewis Hamilton über Funksprüche: Ich war nicht respektlos

Dem Ergebnis war das Hin und Her bei Ferrari nicht zuträglich, Antonelli konnte das Duo nicht einholen. Direkt nach dem Rennen nahm sich Ferrari-Teamchef Fred Vasseur Lewis Hamilton zur Brust. "Er hat mir gesagt, dass ich mich beruhigen soll", verriet Hamilton. "Wir haben im Cockpit so viel Druck. Im Zweikampf wird man da nie die friedlichsten Nachrichten hören", rechtfertigte er sich. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich respektlos war."
"Es ist nicht die Story des Tages", versuchte Vasseur die Medien zu beruhigen. "Ich habe mit ihm gesprochen, damit die Situation zwischen uns klar ist. Er soll meine Gefühle an der Pitwall verstehen können. Er kann mir vertrauen und ich kann ihm vertrauen. Ich kann seine Frustration verstehen, ich habe noch niemanden gesehen, der eine Position gerne hergibt."
"Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, ein Kämpfer zu sein", stellte Hamilton klar. "Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich es noch immer will. Ich will einfach noch immer gewinnen, ich habe das Feuer noch. Als ich auf dem Medium rauskam, wurde das Auto zum Leben erweckt und ich war so optimistisch in dem Moment. Ich konnte den Mercedes sehen und dachte, wir können vielleicht noch Sechster werden."
"In den Runden haben wir dann aber viel Zeit verloren. Wir hätten vielleicht das gleiche machen können, wie Valtteri und ich vor einigen Jahren in Ungarn. Wir haben Positionen getauscht und am Ende wieder zurückgetauscht, als wir nicht überholen konnten", erinnerte sich Hamilton.
Lewis Hamilton pocht auf schnelle Entscheidung

De facto tat Ferrari in Miami genau das gleiche. "Das ist unser Grundsatz", erklärte Vasseur. "Wir tauschen Positionen, wenn ein Auto schneller ist, versuchen die anderen einzuholen und wenn das nicht klappt, dann tauschen wir zurück."
Doch Hamilton ging es nicht schnell genug, der Rekordchampion saß auf heißen Kohlen. "Es hieß 'we'll come back to you'. Ich wollte einfach eine Entscheidung. Ich war nicht sauer, ich wollte nur eine schnelle Entscheidung."
Ferrari-Teamchef: DRS verfälscht Bild

Teamchef Vasseur lässt die Kritik nur bedingt gelten. "Was heißt, es hat so lange gedauert? Eine Runde, das sind anderthalb Minuten. Man muss zunächst einmal verstehen, ob es am DRS liegt, dass ein Auto schneller ist als das andere. Nach einer Runde haben wir den Platztausch angeordnet. Aber vielleicht hätte ich die Entscheidung noch etwas schneller treffen sollen."
Tatsächlich belegen die Daten, dass DRS das Bild gehörig verfälscht hat. In den Kurven war Leclerc in Clean Air deutlich schneller. Andersrum konnte sich Hamilton in freier Fahrt nicht so deutlich in den Kurven absetzen. Deshalb konnte er nach dem zweiten Platztausch auch nicht mehr an Leclerc dranbleiben.
Leclerc hielt sich nach dem Rennen mit Kritik zurück. "Wir hätten es nur vor dem Platztausch vielleicht etwas mehr diskutieren sollen. Denn du versuchst, mit diesen Reifen bis zum Ende durchzufahren." Sein Problem: Er wurde vor der Order gar nicht erst dazu angehalten, die Pace anzuziehen.
Bei Lewis Hamilton und Ferrari läuft es auch nach sechs Saisonrennen noch nicht rund. Hat sich der siebenfache Weltmeister mit dem Wechsel zur Scuderia verzettelt? Das sagt Formel-1-Experte Christian Danner:



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