Kurz nach sieben Uhr Ortszeit bekam Mercedes am Sonntagabend in Miami Post von der FIA: Red Bull hatte einen Protest gegen George Russell eingelegt. Und wollte für Max Verstappen ein Podium am grünen Tisch erkämpfen. Der Versuch schlägt fehl: Gut zwei Stunden später schmettern die FIA-Stewards den Protest ab, Russell darf seinen dritten Platz behalten.
Es ging um etwas, das Verstappen bereits im Rennen am Funk gemeldet hatte: Als Gabriel Bortoleto im Rennen seinen defekten Sauber abstellte, kamen erst lokale gelbe Flaggen. Verstappen ging vom Gas und verlangsamte. Sein Eindruck aus dem Cockpit war, dass Russell das vor ihm nicht tat.
Red Bull nimmt Russell ins Visier: Was bedeutet "langsamer"?
Red Bull marschierte daraufhin nach dem Rennen zu den Stewards, bewaffnet mit GPS-Daten. "Die Regeln sind sehr klar: Du musst das Tempo reduzieren", argumentierte Teamchef Christian Horner kurz darauf in seiner Presserunde. Red Bulls Argument war, dass Russell zwar vom Gas gegangen war - aber nicht ausreichend: "Daher hat das Auto weiter beschleunigt."
Russell und Mercedes-Teammanager Ron Meadows trugen in der Anhörung vor den Stewards ihr Gegenargument vor: Es sei von den Teams und von der FIA akzeptierte gängige Praxis, dass ein signifikantes Gas-Wegnehmen in einer Gelbzone alles ist, was verlangt wird. Russell bestätigte, dass er die gelbe Flagge gesehen hatte und Gas wegnahm.
Meadows ergänzte das Argument um Telemetrie-Daten, wonach Russells Reaktion stärker gewesen sei als von außen zu erkennen. Russell nahm um 25 Prozent Gas weg, verlor ungefähr 30 Prozent an Drehmoment. Die Stewards stellten daraufhin als Fakt fest, dass Russell im Gelb-Bereich signifikant langsamer war als auf einer normalen Rennrunde.
Zwar stimmt Red Bulls Feststellung, dass Russell trotzdem noch in der Beschleunigungsphase war. Aber das spielt für die Stewards keine Rolle. Für sie ist der Schlüssel zum korrekten Verhalten unter Gelb nicht, dass man in der Gelb-Zone absolut langsamer wird, zum Beispiel also mit 300 km/h in den Bereich einfährt und mit 280 km/h ausfährt.
Viel wichtiger ist, dass man die Gelb-Zone relativ zum regulären Renntempo langsamer durchfährt, so die Stewards: "Eine relative Verringerung des Tempos zeigt immer, dass der Fahrer die gelbe Flagge gesehen und beachtet hat. Andernfalls könnte man sonst etwa in einer Bremszone den absoluten Speed reduzieren, ohne sich an die Regeln zu halten."
George Russell nach Podium in Miami körperlich angeschlagen
Russell kann spät, aber doch erleichtert sein Podium feiern. In mehrerlei Hinsicht: Direkt nach der Siegerehrung machte er noch TV-Interviews, fehlte dann aber in der offiziellen Pressekonferenz: "Ich fühle mich richtig mies. In den letzten zehn Runden bekam ich einen richtig üblen Bauchkrampf. Jetzt kann ich kaum stehen."
Für Russell war das Rennen insgesamt eine glückliche Angelegenheit. Das ganze Wochenende über war er der langsamere Mercedes, und auch im Rennen haderte er im ersten Stint. Dann kam ihm ein perfekt getimtes Safety Car zur Hilfe. Er konnte mit reduziertem Zeitverlust stoppen und so vor Verstappen auf den dritten Platz vorspringen: "Ich hatte das ganze Wochenende zu kämpfen, war persönlich immer im Hintertreffen, aber als es drauf ankam, haben wir ein gutes Ergebnis geholt."
Mehrere Gelb-Ermittlungen in Miami - aber keine Strafen
Russell war nicht der einzige Fahrer, bei dem nach dem Rennen das Verhalten unter gelben Flaggen in Zweifel gezogen wurde. Sowohl Carlos Sainz als auch Pierre Gasly hatten tatsächlich die gelbe Flagge übersehen und - anders als Russell - voll durchgezogen. Trotzdem entkamen beide mit einer offiziellen Verwarnung und wurden nicht bestraft.
Bei beiden Fahrern ließen die Stewards als Ausrede gelten, dass nur eine echte Flagge gezeigt wurde, und das vor gelbem Hintergrund. Ein Leuchtpaneel gab es an der Stelle nicht. Sainz ging weiters direkt nach der Gelbzone vom Gas, als das Team ihn informierte. Für die Stewards ein "einzigartiges Szenario" mit so vielen mildernden Umständen, dass eine Strafe nicht angebracht sei.



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