1. Was ging bei George Russell kaputt?

So ganz genau konnte Mercedes das nach dem Rennen noch nicht sagen. Die Symptome waren vielfältig. Früh im Rennen konnte man schon Probleme bei der Zeitnahme sehen, weshalb auch die DRS-Erkennung nicht mehr funktionierte. Zwischenzeitlich tauchte George Russell in der Liste gar nicht mehr auf. Dann ging das Brake-by-Wire kaputt. Dadurch hatte Russell kein konstantes Bremsgefühl mehr. Im Laufe der Zeit verabschiedeten sich immer mehr Systeme, unter anderem fiel die Onboard-Kamera aus und das Lenkrad-Display lieferte nicht mehr alle Informationen. Bei Mercedes fürchtete man sogar, dass das Display komplett erlöschen würde. Dann hätte Russell auch keine Schaltpunktanzeige mehr gehabt.

Weil es mit der Zeitnahme begann, fiel der Verdacht auf das Standard-System, das die Formel 1 liefert. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht, es soll einen Fehler am Auto gegeben haben. Dass mehrere Autos von den Problemen betroffen gewesen sein sollen, stimmt ebenfalls nicht. Dass Norris am Ende auf DRS-Probleme hingewiesen wurde, hatte mit seinem Zweikampf-Gegner zu tun: Russell. Durch die Timing-Probleme an seinem Auto konnte auch der Abstand zum Hinterherfahrenden nicht automatisch ermittelt werden.

2. Warum bekam George Russell keine Strafe für die unerlaubte DRS-Nutzung?

Weil die automatische DRS-Kennung nicht mehr funktionierte, erhielt Mercedes - wie im Reglement vorgeschrieben - von der FIA die Erlaubnis, das System manuell zu verwalten. Dabei klappte George Russell den Heckflügel auf, obwohl er sich nicht im DRS-Fenster befand. Das lag daran, dass die Knopf-Belegung am Lenkrad im Backup-Modus anders ist. Eigentlich wollte Russell den Funk betätigen.

Der Brite realisierte den Fehler sofort und fuhr auf der 700 Meter langen Geraden nur 37 Meter mit aktiviertem DRS. Sein Zeitgewinn: 0,02 Sekunden. Um keinen Vorteil daraus zu ziehen, verlangsamte er anschließend sofort, was ihn fast drei Zehntel kostete. Die Summe der Umstände ließ die Stewards zum Urteil kommen, Russell nicht zu bestrafen.

3. Wird Carlos Sainz in Saudi Arabien strafversetzt?

Rennleitung und Stewards sorgten in Bahrain für reichlich Verwirrung. Nach dem Rennen wandelten sie eine 10-Sekunden-Strafe, die Carlos Sainz für das Abdrängen von Kimi Antonelli erhalten hatte, in eine Strafversetzung um 3 Positionen beim nächsten Rennen um. Grund: Sainz gab in Bahrain auf und konnte die Strafe nicht absitzen. Allerdings hatte Williams Sainz erst aus dem Rennen genommen, als er die Strafe schon abgesessen hatte. Der Spanier kam dafür extra an die Box und gab schließlich eine Runde später auf.

4. Warum stand Lando Norris nicht in seiner Startbox?

Lando Norris erwischte eine tolle Startrunde. Für den WM-Leader ging es von Startplatz 6 auf 3 nach vorne. Allerdings gab es einen Schönheitsfehler: Er stand nicht in seiner Startbox. Die Vorderreifen seines McLarens standen deutlich vor der Linie. Dafür kassierte er eine 5-Sekunden-Strafe. Norris war selbst schuld: Er dachte, wichtige Zentimeter zu weit hinten zu stehen und fuhr extra noch einmal an. Das allerdings war zu weit.

5. Wofür wurde Liam Lawson bestraft?

Liam Lawson scheint 2025 verflucht zu sein. Nach seinem Rauswurf bei Red Bull läuft es auch bei den Racing Bulls nicht besser. Gleich zwei Strafen warfen ihn im Endklassement auf Rang 16 zurück. 10 Sekunden kassierte er für eine leichte Berührung mit Nico Hülkenberg. Selbst das 'Unfallopfer' Hülkenberg hat für die Strafe kein Verständnis: "Das war Racing und es ging nichts kaputt." Für eine leichte Berührung am Ausgang von Kurve 1 mit Lance Stroll kassierte Lawson noch einmal 5 Sekunden.

6. Warum fuhren am Ende alle auf unterschiedlichen Reifen?

Der Bahrain GP war ein Rennen ganz nach dem Geschmack von Mario Isola: Soft, Medium und Hard kamen allesamt regelmäßig zum Einsatz. In der Safety-Car-Phase gab es ein sehr seltenes Bild: Für die restlichen 21 Runden hatten sich die Teams für komplett unterschiedliche Reifen entschieden. Mercedes zum Beispiel setzte auf Soft, McLaren auf Medium und Ferrari auf Hard. Wie konnte das passieren?

Eigentlich wären wohl alle gerne auf Medium gegangen. Doch nur die wenigsten hatten noch Medium zur Verfügung. Entweder gingen die Teams nur mit einem Satz Mediums ins Rennen oder sie fuhren schon die ersten zwei Stints darauf. Für all jene Teams stellte sich nur noch die Frage zwischen Soft und Hard. Der harte Reifen war vielen aber ein Dorn im Auge und es galt ihn auf alle Fälle zu vermeiden. Dem gegenüber stand der hohe Abbau beim Soft.

7. Was ging bei Red Bulls Boxenstopps schief?

Eigentlich ist Red Bull dafür bekannt, besonders schnelle Boxenstopps zu absolvieren. In Japan lieferte die Ersatz-Crew etwas langsamere Zeiten, in Bahrain gab es andere Probleme. Der Kabelbaum der Ampelanlage war Defekt und gab den Fahrern das Start-Signal nicht. Nach dem ersten Verstappen-Stopp dachte man noch, dass ein Mechaniker nicht fest genug auf den Knopf gedrückt hatte. Deshalb wiederholte sich das Problem beim Stopp von Yuki Tsunoda eine Runde später.

Red Bull reagierte und überschrieb das System manuell. Probleme mit der Zeitnahme, ähnlich wie bei George Russell, gab es definitiv nicht. Trotzdem kam es auch beim zweiten Stopp von Max Verstappen zu einer Verzögerung. In diesem Fall gab es vorne Links beim Reifenwechsel Probleme.

8. Wie wurde Kimi Antonelli so durchgereicht?

Der Mercedes-Rookie zeigte das Wochenende über eigentlich gute Leistungen. Im Rennen allerdings ging es für ihn nach hinten. Von Startplatz 5 auf Platz 11. Das ist nur zum Teil seine Schuld. In der Startrunde verlor er zwei Positionen. In den zahlreichen Zweikämpfen gingen seine Reifen deutlich schneller ein als bei Teamkollege Russell. Mercedes setzte auf Risiko und wechselte auf eine Drei-Stopp-Strategie und zog Andrea Kimi Antonelli in Runde 27 die weichen Reifen auf. Das ging komplett in die Hose, weil nur fünf Runden später das Saftey Car kam. Der Italiener wechselte direkt noch einmal und fand sich beim Restart auf Platz 15 wieder.

9. Warum wurde Nico Hülkenberg disqualifiziert?

Der Sauber war in Bahrain nicht konkurrenzfähig, doch eine gute Strategie und Strafen der Konkurrenz brachten Nico Hülkenberg auf Platz 13 - zumindest bis er nach dem Rennen disqualifiziert wurde. Sein Unterboden war zu stark verschlissen. 8,4 bis 8,5 Millimeter wurden an den Kontrollstellen gemessen, 9,0 Millimeter hätten es mindestens sein müssen. Sauber hatte nach dem Rennen noch keine Erklärung für den Fauxpas.

DRS illegal benutzt: George Russell entgeht Strafe! Warum? (10:00 Min.)

Bei Teamkollege Gabriel Bortoleto war alles im erlaubten Rahmen. Sind unterschiedliche Setups schuld? "Nico ist mit etwas mehr Abtrieb gefahren", erklärt Beat Zehnder. Das sorgt tendenziell für etwas mehr Abnutzung, wollte das Schweizer Formel-1-Urgestein aber auch nicht als Ausrede gelten lassen: "Das ist keine Entschuldigung dafür, das müssen wir mit einberechnen."