George Russell kann in Bahrain über einen zweiten Platz jubeln - erst recht, weil die Elektronik seines Mercedes in den letzten Runden des Rennens einiges unternahm, um ihm den Tag zu vermiesen. Dabei öffnete Russell sogar unerlaubt sein DRS. Doch aufgrund von geradezu chaotischen Zuständen mit gleich mehreren Defekten zeigen sich die FIA-Stewards nach dem Rennen nachsichtig.

Zuerst einmal ging irgendwas an Russells Brake-by-Wire-System kaputt. Bremsen werden in der Formel 1 über so ein elektronisches System, nicht mehr über eine direkte Verbindung mit dem Bremspedal gesteuert. "Das Pedal wurde lang, kurz, ich wusste nicht was los war", beschreibt es Russell. Schnell aber wurde das Problem schlimmer. "Dann hat das Lenkrad nicht richtig funktioniert."

"Es hat eine Zeit gedauert, um die Einstellungen zurückzusetzen", beschreibt sein Teamchef Toto Wolff. "Wir hatten Angst, dass ihm das ganze Lenkrad ausgehen würde. Dann hätte er keine Knöpfe mehr gehabt, keine Einstellungen ändern können." Nun geriet Russell zunehmend ins Rudern. Denn zeitgleich ging an seinem Auto irgendetwas an dem System kaputt, welches das Auto mit der offiziellen Zeitnahme verbindet. Deswegen verschwand Russell in den letzten Runden auch regelmäßig von der Anzeige des TV-Bildes.

Russell aktiviert unabsichtlich DRS - handelt aber danach richtig

Ersten Erkenntnissen zufolge betraf das Problem mit dem Zeitnahme-System nur Russell, der Ursprung ist unklar. Mercedes ist sich seinerseits noch nicht sicher, ob das Brake-by-Wire-Problem eventuell dadurch ausgelöst wurde. "Vielleicht irgendwas mit dem Kabelbaum im Auto, oder es wurde vom Schaden am F1-System ausgelöst und hat unser System verrücktspielen lassen", so Wolff.

Als Konsequenz des Elektronik-Chaos tat Russell jedoch kurz darauf auf der Strecke etwas streng Verbotenes. Er aktivierte DRS. Das ist bekanntlich nur erlaubt, wenn man sich in einer DRS-Zone befindet und weniger als eine Sekunde Rückstand auf den Vordermann hatte. Russell aber hatte wegen dem Problem sein DRS-System per Teamanweisung in den manuellen Modus schalten müssen. Nun erreichten die Probleme einen kritischen Punkt.

George Russell im Mercedes vor Charles Leclerc im Ferrari und Lando Norris im McLaren
Russell war in Bahrain der Gejagte, Foto: Mercedes-AMG

Denn der manuelle DRS-Knopf ist im Mercedes zugleich der Ersatz-Funkknopf. An einem Punkt versuchte Russell sich dann auf der Gegengeraden mit diesem Ersatz-Funkknopf mit dem Team in Kontakt zu setzen - öffnete stattdessen aber das DRS. Das bemerkten auch die FIA-Stewards, die daraufhin Russell und Mercedes nach dem Rennen vorluden, um zu prüfen, ob er sich einen sportlichen Vorteil verschafft hatte.

Das Urteil lässt Russell vom Haken. Er hatte das DRS nur für 37 Meter offen, gewann nur 0,02 Sekunden und nahm in Kurve 11 sofort raus, wodurch er 0,28 Sekunden wieder verlor. Die von Mercedes vorgelegten Telemetriedaten belegten das. Streng genommen hat Russell damit zwar gegen das Reglement verstoßen, aber die Stewards sehen keine Notwendigkeit, ihn zu bestrafen.

Mercedes von Russell-Rennen begeistert: Mit alldem noch auf Platz 2

Russell schaffte es aller Probleme zum Trotz aber, bis ins Ziel sich auch noch den Attacken von Lando Norris zu widersetzen und den zweiten Platz über die Linie zu retten. "Wie er das schwankende Brake-by-Wire-System gemanagt hat, während er Norris hinter sich hatte - das ist einfach eine Wahnsinns-Leistung heute", so Toto Wolff.

Zusätzlich hatte Russell während dieser letzten Runden nämlich auch noch einen Soft-Reifen managen müssen. Das Team war mit nur einem Medium ins Rennen gegangen, hatte den im Mittelstint verwendet, und wollte am Ende nicht den hier sehr schwachen Hard aufziehen. Obwohl in Runde 32 dann sehr früh ein Safety Car den zweiten Stopp erzwang, wählte man trotz 25 verbleibender Runden lieber den Soft.

"Toll, wie er je nach Bedarf zwischen Angriff und Verteidigung variiert hat", so Wolff. Russell freut sich seinerseits darüber, dass das Auto auf einer Angststrecke geliefert hat: "Das war der erste richtige Test für uns. Wir wussten, unser Auto mag die Kälte. China und Suzuka waren keine großen Überraschungen. Aber hier, das war ein Fragezeichen. Und wir hatten ein weiteres starkes Wochenende. Gut für die Saison." Wo Russell bisweilen noch voll im WM-Kampf mit dabei ist, als Vierter mit nur 15 Punkten Rückstand.