Die Einführung neuer Verhaltensregeln durch den Automobil-Weltverband FIA kam in der Formel 1 nicht gut an. Mit Carlos Sainz wurde in Japan der erste F1-Fahrer Opfer der verschärften Geldstrafen. Für eine Nichtigkeit, finden er und sein Kollege George Russell. An einem Chaos-Tag für die FIA sind die beiden Direktoren der Fahrer-Gewerkschaft GPDA das Hinhalten leid.

Fünf Sekunden war er zu spät zur japanischen Nationalhymne vor dem Start gekommen, verrät Sainz am Donnerstag in Bahrain die Details hinter seiner 10.000-Euro-Strafe. Von denen noch einmal 10.000 Euro im Falle eines zweiten ähnlichen Verstoßes schlagend werden. "Ich bin ein großer Unterstützer von Pünktlichkeit, besonders bei einer Nationalhymne mit allen Würdenträgern, da hebe ich als erster die Hand und sage sorry", meint Sainz. "Aber für fünf Sekunden. Das ist enttäuschend."

5 Sekunden kosten Carlos Sainz - wird Bahrain-Aussage wieder teuer?

Der Zeitplan der Hymne war tatsächlich schon öfters ein Thema unter den Fahrern. Sie kommen gut 30 Minuten vor dem Start in der Startaufstellung an. Spätestens 14 Minuten danach müssen sie vorne bei der Hymne stehen. In diesem Zeitrahmen von der Startaufstellung zu einer Toilette irgendwo weit weg im Fahrerlager und wieder zurückzulaufen ist gar nicht so leicht. "Echte logistische Probleme", wie es George Russell nennt. "Manchmal wartest du schlicht vor einer Kabine."

Oft werden die Fahrer auf ihrem Weg durch die Startaufstellung auch noch von Leuten aufgehalten, oder für kurze Interviews gestoppt. Sainz' Entschuldigung (vorgetragen mitsamt des ihm behandelnden Arztes), er sei wegen "Unwohlsein durch ein Bauchproblem" knapp zu spät gekommen, brachte die Stewards lediglich dazu, die Strafe von 60.000 auf 20.000 Euro herabzusetzen.

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Darauf kann Sainz - ganz und gar nicht im Sinne des FIA-Verhaltenskodex - in der Pressekonferenz von Bahrain nur eine provokante Äußerung hinterherschieben: "Ich weiß nicht, ob sie mich dafür gleich noch einmal abstrafen werden. Aber - Shit Happens. So läuft es eben." Seit diesem Jahr sind im Internationalen Sportkodex der FIA Geldstrafen für Schimpfwörter genau definiert. In der Rallye-Weltmeisterschaft musste 2025 bereits ein Fahrer für das Wort "Fuck" 10.000 Euro hinblättern. Ob Sainz' Äußerung in der Pressekonferenz weitere Folgen haben wird, bleibt erst einmal abzuwarten.

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In der Formel 1 sind das alles Themen, die seit Monaten, oder noch länger, bereits von der Fahrer-Gewerkschaft GPDA vor die FIA gebracht werden. Die Geldstrafen für Fehlveralten regten schon 2024 auf. Sainz erneuert die Hauptkritik in Bahrain: "Hoffentlich sagt mir wer, wo die 10.000 hingehen. Dann kann ich wenigstens sagen, es ist für eine gute Sache."

Doch die Hoffnungen dürften verschwindend gering sein. Von FIA-Seite gab es in den letzten Monaten nur sehr wenig Dialog. Das bestätigt George Russell, neben Sainz einer der beiden aktiven Fahrer, die auch als Direktoren der Fahrer-Gewerkschaft fungieren. "Seit sechs Monaten gibt es immer wieder Gespräche", so Russell. "Leider hat es wenig bis gar keinen Einfluss."

In Bahrain gab es währenddessen erneut schlechte Nachrichten aus dem FIA-Umfeld: Der Vizepräsident für Sport - der höchste Offizielle für sportliche Fragen im Verband - hat seinen Rücktritt eingereicht. "Jedes Mal, wenn wir von dieser Seite des Sportes Neuigkeiten hören, so ist das nicht wirklich eine Überraschung", gesteht Russell.

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Russell bedauert das Ausscheiden des Vizepräsidenten: "Ganz klar schade. Jemand, der im Sport überall respektiert wurde." Für die Fahrer wird es immerfort frustrierender, mit der FIA zu interagieren: "Wir haben in der Vergangenheit versucht, uns einzubringen. Viel ist nicht passiert. Und ehrlich gesagt scheint es kontinuierlich in eine instabile Situation zu gehen."

"Wir kommen an einen Punkt, wo unsere Aktionen wenig bis gar keinen Einfluss auf diese Jungs haben", so Russell. Auffällig am Donnerstag in Bahrain: Zwei Mal spricht er explizit davon, dass er Vertrauen in die Teams und in die Formel 1 - sprich in die kommerzielle Seite des Geschäfts, angeführt von CEO Stefano Domenicali - habe. Spart aber beide Male die FIA aus.

"Es ist in unser aller Interesse, dass da was rauskommt, und dass wir schlichtweg Stabilität und Kollaboration sehen", meint Russell schließlich. "Wir müssen darauf vertrauen, dass die Teams und die Formel 1 mit der FIA zusammenarbeiten, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wenn wir helfen können, dann wollen wir da sein. Aber oft scheint es bloß, als ob diese Dinge in ihre eigene Richtung laufen würden."