1. – S wie Startaufstellung

Charles Leclerc startet zum vierten Mal in Serie beim Formel-1-Rennen in Baku von der Pole Position. Neben ihm geht Oscar Piastri ins Rennen. Aus der zweiten Reihe starten Carlos Sainz und Sergio Perez, der damit zum ersten Mal seit Miami 2023 in einem Qualifying Max Verstappen besiegen konnte. Startplatz 5 nimmt George Russell ein, gefolgt vom eben erwähnten Niederländer.

Von P7 startet Lewis Hamilton vor Fernando Alonso, Franco Colapinto und Alex Albon. Oliver Bearman verpasste Q3 knapp und geht somit von P11 ins Rennen, hinter ihn nehmen Yuki Tsunoda, Nico Hülkenberg, Lance Stroll und Daniel Ricciardo Aufstellung. Lando Norris geht nach seinem Q1-Aus von P16 in den Grand Prix vor Valtteri Bottas und Zhou Guanyu. Pierre Gasly fährt nach seiner Qualifying-Disqualifikation von ganz hinten los.

2. – S wie Start

Gerade einmal 138 Meter trennen den Polesetter von Kurve 1. Dennoch darf die Startphase nicht unterschätzt werden, denn bis Turn 3 lässt die Streckenführung noch Attacken und eventuelle Konter zu. Erst im anschließenden Mittelsektor sortiert sich das Feld normalerweise ein.

Wie üblich auf einem Straßenkurs ist ein guter Start aber auch direkt mit einer gehörigen Portion Mut verbunden. Denn, wer außen übergelassen wird, auf den wartet im besten Fall die Auslauftasche, im schlechtesten Fall die Wand. Vor allem für Lando Norris ist die Startphase aber ein wichtiger Faktor im Rennen. Denn falls der McLaren-Pilot dort direkt einige Plätze gutmachen kann, stellt ihn das vor eine wesentlich einfachere Aufgabe. Ansonsten droht ihm schnell viel Zeitverlust.

3. – S wie Straßenstrecke

Doch nicht nur enge Gassen und Wände machen Kurse wie den Baku City Circuit zu einer besonderen Herausforderung. Der mangelnde Grip auf der Streckenoberfläche ist auch ein Faktor, der gerne übersehen wird, mitunter aber entscheidenden Einfluss auf den Rennverlauf nehmen kann. In diesem Jahr besonders, da die Formel 1 bei ihrer Ankunft auf dem Kurs von einem besonders rutschigen Asphaltband begrüßt wurde.

Max Verstappen ist seit jeher nicht als Freund von Strecken mit wenig Grip bekannt, andere Fahrer haben eine Spezialität für derartige Strecken. Sergio Perez beispielsweise. Der Baku-Rekordsieger mag den 6-Kilometer langen Kurs mit zahlreichen 90-Grad-Kurven im Stadtzentrum der aserbaidschanischen Hauptstadt besonders gerne. Er ist mit Startplatz 4 zwar nicht unbedingt in der besten Position, um seinen dritten Baku-Sieg einzufahren, vielmehr beweist aber der Sieg im direkten Duell gegen Verstappen, dass Aserbaidschan nach wie vor sein sportliches Wohnzimmer ist.

4. – S wie Strategie

Strategisch war Baku in der Vergangenheit eigentlich immer eine einfache Angelegenheit und auf dem Papier ist sie das auch in diesem Jahr. Die harten Reifen halten ewig. Nach einem Startstint auf Medium bleibt ein breites Fenster, um die weiß markierten Pneus aufzustecken. Früher funktioniert in der Regel der Track Position wegen umso besser. Mutige können am Start auch auf die Softs zocken, um auf den ersten Metern etwas gutzumachen, aber anschließend liefern die Reifen eine deutlich schlechtere Performance.

Lando Norris will wohl aus dem Verkehr kommen. Für ihn könnte McLaren die Strategie möglicherweise einfach drehen: Also auf Hards starten und dann im Rennverlauf in die Gegenrichtung wechseln. 2024 erfordert die Strecke mangels Grip allerdings etwas mehr Reifenmanagement als noch in den Vorjahren. Von einer 2-Stopp-Strategie geht unter normalen Umständen dennoch niemand aus.

McLaren-Fahrer Lando Norris
McLaren muss sich bei der Strategie von Lando Norris etwas einfallen lassen, Foto: LAT Images

Ein Safety Car könnte den Rennverlauf allerdings jederzeit auf den Kopf stellen und auch einen 2-Stopper schmackhaft machen. Die Chancen darauf stehen gar nicht einmal so schlecht. In 4 von 7 der bisher gefahrenen Aserbaidschan-GPs musste mindestens einmal Bernd Mayländer im Safety Car ausrücken. Bei zwei weiteren gab es virtuelle Safety Cars. Das einzige Baku-Rennen ohne VSC- oder SC-Phase gab es beim Debüt der Strecke 2016. Damals ging das Rennen in der geographisch in Vorderasien liegenden Stadt übrigens noch als Europa-GP über die Bühne.

5. – S wie Start-Ziel-Topspeed

Wie gut die Aufholjagd von Lando Norris funktioniert, hängt vor allem von einem Faktor ab: Wie gut kann der McLaren im Rennen überholen? Norris zeichnete nach dem Qualifying ein düsteres Bild, in dem er davon ausgeht, dass die Fahrer im Verfolgerfeld mit wenig Abtrieb eine auf der Strecke unüberwindbare Barriere werden. Stimmt das wirklich?

Nicht unbedingt! Wie die Daten zeigen, zählt McLaren mit aktivierten DRS zu den besseren Teams im Feld und bewegt sich mit geschlossenem Heckflügel immer noch im Mittelfeld. Signifikant schneller auf der Start-Ziel-Geraden ist mit DRS nur der Sauber C44. Zhou und Bottas starten sowieso hinter Norris und wären wohl so oder so nicht in der Lage, den McLaren lange im Griff zu halten – Topspeed-Vorteil hin oder her.

6. – S wie Scuderia-Star

Charles Leclerc und Baku. Wenn man einmal die Rennergebnisse außen vorlässt, dann erscheint das eigentlich wie eine Traumehe. Der Monegasse liebt den Kurs am Kaspischen Meer. Seit 2021 ist Leclerc auf eine Runde im Kaukasus-Staat ungeschlagen. 2019 zerschellten seine Pole-Ambitionen in Q2 an der Wand – bis dahin hatte er sich zum glasklaren Favorit gemausert.

Doch Rennergebnisse sind in der Formel 1, wie der 26-fache Polesetter aus leidvoller Erfahrung weiß, blöderweise um einiges wichtiger als Qualifying-Resultate und Sieg konnte er in Aserbaidschan tatsächlich noch keinen feiern. Die Rennpace des Ferraris oder ein Defekt hielten ihn in den letzten Jahren davon ab. Beides war mit dem SF-24 in der laufenden Formel-1-Saison kein Problem. Nach dem Sieg in Monza hat er das Momentum auf seiner Seite und den Speed - das zeigte sich im Training und im Qualifying - sowieso. Könnte es diesmal tatsächlich klappen?

7. – S wie Sensations-Punkte

Mit Franco Colapinto und Oliver Bearman stehen zwei Namen auf der Formel-1-Starerliste für den Aserbaidschan-GP, die vor wenigen Monaten wohl noch niemand dort erwartet hätte. Doch die Sperre von Kevin Magnussen auf der einen und der Rauswurf von Logan Sargeant auf der anderen Seite verhalfen beiden zu Formel-1-Cockpits und beide schlugen im Baku-Qualifying auch gleich ihre Teamkollegen.

Im Falle von Colapinto dank einer unfreiwilligen Albon-Sabotage durch die Williams-Boxencrew. Im Falle von Bearman allerdings gelang das auf der Strecke. Dort besiegte er überraschend Nico Hülkenberg. Beide sind in Schlagdistanz der Punkte: Colapinto startet mit P9 sogar aus einer Punkteposition, Bearman mit P11 nur knapp außerhalb der Zähler-Plätze.