Gemischte Gefühle in der Mercedes-Garage nach dem Qualifying in Abu Dhabi. George Russell setzt sein starkes Wochenende fort und startet am Sonntag auf P4, bei Lewis Hamilton ist nach wie vor der Wurm drinnen. Die Silberpfeile zwischen Licht und Schatten, und P2 und P3 in der Konstrukteurs-WM.

Lewis Hamilton vs. W14: Das Finale in Abu Dhabi

"Mit diesem Auto stimmt etwas nicht!", hadert Lewis Hamilton nach seinem frühzeitigen Aus im zweiten Qualifying-Segment. "Es muss schon etwas daneben gehen, wenn ich es nicht ins Q3 schaffe!"

Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton im Parc Ferme nach dem Qualifying
Lewis Hamilton hatte im Qualifying erneut das Nachsehen, Foto: LAT Images

11 zu 11 steht es im internen Teamduell zwischen ihm und George Russell. Bei den Podien hat Lewis Hamilton mit 6:1 klar die Nase vorn. "Ich hatte an diesem Wochenende mit der Abstimmung zu kämpfen, obwohl unsere Autos gleich eingestellt sind", hadert er weiter. "Wir müssen verstehen, was auf meiner Seite der Garage die Ursache für die fehlende Performance ist."

Lewis Hamilton vs. George Russell: Duell auf Augenhöhe

"Über die ganze Saison hinweg waren wir zwar in etwa gleich in unserer Qualifying-Performance, aber nie gleich schnell", analysiert der jüngere Brite bei Mercedes. "Einmal bin ich vier Zehntel vorne, einmal er. Das zeigt, wie schwierig es ist, den Sweet-Spot des Autos zu finden."

Zuletzt hatte Russell die Oberhand, wie auch in Abu Dhabi. "Ich glaube, dass es viel mit Selbstvertrauen zu tun hat", äußert er eine Vermutung. "Aber ich bin nicht sicher, jede Woche tauchen neue Theorien auf."

Am Ende von Q2 befanden sich beide Mercedes in der Abstiegszone. Aber nur Russell konnte sich auf seinem letzten Versuch ausreichend verbessern, und ausgerechnet er war es, der Hamilton aus den Top-10 knockte. Vor allem am Ausgang der Schikane macht Russell viel Zeit gut, und kommt deutlich besser als der siebenmalige Weltmeister durch die Kurven 12 bis 14.

Russell enttäuscht über vergebene Pole

"Nach FP3 dachte ich, wir könnten um die Pole kämpfen", ist der 25-Jährige trotzdem enttäuscht. "Dann haben wir uns im Vergleich zu den anderen Teams nicht genug verbessert." Sechs Zehntel statt der erhofften Sekunde bei kühleren Temperaturen und mit wenig Sprit.

Eine Rolle dabei sollen auch die unterschiedlichen Tag-Nacht-Bedingungen gespielt haben - Mercedes hätte es nicht geschafft, sich an den etwa zehn Grad kühleren Yas Marina Circuit anzupassen. "Aber P4 ist vermutlich einfach, wo wir derzeit stehen", resigniert Russell. Zu wenig Grip und zu wenig Gesamtperformance im W14 für ein besseres Ergebnis.

Spanien war das einzige Doppelpodium von Mercedes 2023, Foto: LAT Images
Spanien war das einzige Doppelpodium von Mercedes 2023, Foto: LAT Images

Mercedes-Piloten froh über Nimmerwiedersehen mit W14

Die letzte Qualifying-Session mit dem bockigen W14 war für beide Fahrer eine Erleichterung. "Es war ohne Zweifel eine herausfordernde Saison. Und definitiv ein herausforderndes Auto", so Russell. "Das zeigt sich auch in der Pace von Lewis und mir." Für einen guten Abschluss soll sich zu seinem bisher einzigen Podium 2023 in Barcelona noch ein zweites gesellen.

"Im FP3 waren wir stark, deswegen sind wir enttäuscht, dass wir es im Qualifying nicht geschafft haben, alles richtig hinzubekommen", ärgert sich auch Toto Wolff. "Unsere Erwartungen waren höher, aber P4 war das Maximum, das wir mit George erreichen konnten." Ziel für das Rennen: Alles geben und Platz zwei in der WM sichern.

F1-Aufstand gegen Red Bull! Wie viel Macht darf ein Team haben?: (09:41 Min.)

Für den besagten Kampf um den Vizeweltmeistertitel in der Konstrukteurs-WM heißt das: jeweils ein Auto vorne, eines hinten. Charles Leclerc (P2) gegen George Russell (P4), und Lewis Hamilton (P11) gegen Carlos Sainz (P16). Es ist angerichtet. Ausgangslage: Mercedes führt vier Punkte vor Ferrari. Wenn alle Autos so ins Ziel kommen, wie sie starten, gewinnt Ferrari.