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Formel 1

Formel 1-Chef: Pay-TV in Deutschland nicht das Problem

Die Formel-1-Einschaltquoten waren 2021 in Deutschland besorgniserregend niedrig. Stefano Domenicali: Pay-TV nicht der Grund für mangelndes Interesse.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 war die wahrscheinlich spannendste seit Jahren. Und dennoch waren die Einschaltquoten in Deutschland auf einem erschreckenden Niveau. Durchschnittlich schalteten nur 700.000 Zuseher pro Rennen ein. Das ist in etwa dieselbe Summe wie in Österreich, trotz de zehnfachen Zahl an Einwohnern.

Kostet RTL-Abwanderung Zuschauer?

Eine Erklärung für diesen Einbruch an Interesse liegt wohl im Wechsel der TV-Anstalten. Seit diesem Jahr wird die Königsklasse exklusiv auf Sky ausgestrahlt - also im Bezahlfernsehen - während die Formel 1 bis zum letzten Jahr noch bei allen Grands Prix frei empfangbar auf RTL gesendet wurde.

Das belegen auch die Zahlen der vier Rennen, die 2021 auf RTL angeboten wurden. Denn bei diesen GPs waren die Quoten schon wieder deutlich näher an den Werten des letzten Jahres dran. Im Durchschnitt konnte man aber auch hier einen Rückgang feststellen. Formel-1-Boss Stefano Domenicali denkt allerdings nicht, dass Pay-TV die Ursache für den Rückgang ist. "Ich glaube nicht, dass das das Problem ist", meinte er im Exklusiv-Interview bei Motorsport-Magazin.com.

Domenicali: Auch in anderen Ländern nur Pay-TV

"Die Art der Übertragung unterscheidet sich von Land zu Land. Ich glaube, es gibt mehrere Gründe, aber es liegt nicht am Pay-TV. Das sieht man auch in anderen Ländern", so Domenicali. Als Beispiele verglich er diese Zahlen mit jenen in zwei der größten Motorsport-Nationen Europas. "In Italien oder England wird die Formel 1 auch im Pay-TV gezeigt, aber die Zahlen sind nicht mit Deutschland vergleichbar", behauptete der Formel-1-Boss.

Dass in England und Italien das Interesse noch stärker vorhanden ist, spiegelt sich auch im Kalender wider. Der Großbritannien-GP ist aufgrund seines enormen Zuschauerinteresses ein Fixpunkt im Kalender, Italien war 2021 in Imola und Monza sogar mit zwei GPs am Start. "Wir haben trotz Pay-TV Anfragen für Grands Prix von beiden Ländern", argumentierte deshalb Domenicali.

Der Vergleich hinkt dennoch ein bisschen. Denn im Unterschied zu Deutschland wo die Formel 1 erst in den 90er-Jahren durch Michael Schumacher einen Hype ausgelöst hat, haben Großbritannien und Italien eine stark verwurzelte Motorsport-Tradition, welche bis in die Anfangszeit der Königsklasse zurückreicht.

Mehr Rennen auf RTL?

Domenicali will aber trotzdem zuerst eine Analyse durchführen, was der Auslöser für das mangelnde F1-Interesse in Deutschland ist. "Ich werde Meetings mit all den Medien, Förderern und Veranstaltern haben, um zu verstehen was fehlt", versprach der ehemalige Ferrari-Mann.

Könnte es also in den kommenden Jahren dennoch so kommen, dass Sky mehr Grands Prix dem Free-TV überlässt und somit RTL mehr als vier Rennen ausstrahlt? Domenicali gibt zu, dass das F1-Management diese Option in Erwägung zieht. "Das ist ein Punkt, den wir mit Sky diskutieren. Wir wollen herausfinden, was wir noch besser machen können", sagte er.

Domenicali-Interview im Print-Magazin

Im Interview mit Motorsport-Magazin.com sprach Domenicali auch über den möglichen Einstieg von VW in die Königsklasse und darüber, wo er die Formel 1 in zehn Jahren sieht. Das komplette Gespräch mit Stefano Domenicali findet ihr neben zahlreichen anderen Themen in der neuesten Print-Ausgabe von Motorsport-Magazin.com.


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