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Formel 1

Formel 1, Russell durchgereicht: Träger Williams kein Manager

George Russell katapultierte sich nach dem Start des Formel-1-Rennens in Mexiko trotz Getriebestrafe in die Top-10. Wie der Williams-Pilot wieder abstürzte.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - George Russell startete in Mexiko von der Pole Position der Bestraften. Ein Viertel des Feldes musste wegen Strafversetzungen in der Startaufstellung nach hinten rücken. Anders als bei Tsunoda, Norris, Ocon und Stroll wegen Motorwechseln ging es für den Briten allerdings nicht ganz nach hinten. Russell hatte nur ein neues Getriebe und damit fünf Strafplätze erhalten. Das sorgte für Startplatz 16.

Für den Williams-Piloten fiel die Strafe also mild aus, doch weiter hinten als gewohnt musste Russell dennoch loslegen. 2021 zählt der Q2-Einzug längst zum Standardrepertoire des künftigen Mercedes-Fahrers, selbst das Q3 überrascht inzwischen nicht mehr über Gebühr. In der Regel geht es in den Rennen dann zügig nach hinten. Der Williams - zumindest in Russells Händen - ist vor allem ein reines Monster auf eine Runde.

Formel 1 Mexiko: Russell liefert Raketenstart

In Mexiko galt das mit Verspätung. Nicht im Qualifying, sondern im Rennen holte Russell den Hammer raus - für eine Runde, die erste. Gleich am Start katapultierte sich der Brite nach vorne, von P16 ging es bis auf Platz neun in die Punkteränge. "Ich hatte eine echt starke erste Runde, bin von P16 bis auf P9 nach vorne und dachte, ein gutes Ergebnis sei drin", berichtet Russell. Dabei profitierte der Brite auch von gleich zwei Zwischenfällen. Daniel Ricciardo und Valtteri Bottas kollidierten genauso wie Mick Schumacher, Yuki Tsunoda und Esteban Ocon.

Doch damit hatte Russell sein Pulver verschossen. Nach der resultierenden Safety-Car-Phase hielt der Brite zumindest vier Runden dem Druck Kimi Räikkönens stand, dann kassierte der Alfa Romeo den Williams. Damit war ein regelrechter Absturz eingeleitet. Stück für Stück wurde Russell durchgereicht - bis er wieder auf seinem 16. Startplatz angekommen war. "Wir hatten absolut keine Pace. Vielleicht das härteste Rennen des Jahres für uns", klagt Russell.

Russell wieder durchgereicht: Williams kann kein Management

Doch warum kam Williams in Mexiko noch weniger zurecht als ohnehin so oft gesehen? Weil Management keine Stärke des FW43B sei, aber genau das in Mexiko besonders gefragt gewesen sei, so Russell. "Management war heute der Schlüssel. Alle mussten viel managen. Aber wir hatten noch ein paar mehr Probleme. Wenn wir anfangen zu managen, reagiert das Auto nicht so wie wir wollen. Alles zusammen hat einfach nicht funktioniert", schildert Russell auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Russell geht näher ins Detail: "Manchmal reagiert das Auto nicht so gut und erwacht nicht so gut zum Leben, wenn du viel managen musst, statt voll zu attackieren. Das müssen wir verbessern, denn in Rennen wie diesem, in denen Management der Schlüssel ist, fühlt sich das Auto sehr träge und langsam reagierend an. Da fühlst du dich als Fahrer nicht gerade sehr racy."

Frontflügel-Check geht schief: Russell reißt sich Trinkschlauch raus

Das sei vor allem beim Kurveneingang bis zur -mitte ein Problem. "Einfach durch die Kurve auf der Bremse zum Scheitelpunkt, da fühlt sich das Auto nicht lebendig an. Wenn du die Kurve richtig attackierst, im Qualifying, dann kommt das Auto zu mir und tänzelt herum, fühlt sich aggressiv an", beschreibt Russell. "Aber wenn du Lift & Coast machst fühlt sich das Auto in die Kurve rein träge an. Das macht es schwer, zu attackieren."

Damit nicht genug der Probleme. Auch Russell selbst wurde in Mexiko leicht träge. "Im Rennen ist es etwas schwerer geworden, weil ich mich während des Safety Cars aus dem Cockpit gereckt habe, um den Frontflügel zu checken und dabei meinen Trinkschlauch herausgezogen habe", berichtet der Brite. "Ich habe ihn auf der ersten Runde verloren und jetzt bin ich etwas durstig!"

Williams von Hauptrivale Alfa Romeo sogar überrundet

Aufzuarbeiten gebe es jetzt jedenfalls viel, so Russell. Immerhin sei Williams komplett eingebrochen, sogar im Vergleich zum eigentlich nicht viel schnelleren Hauptkonkurrenten Alfa Romeo. "Nach der ersten Runde Neunter zu sein und dann am Ende eine Runde hinter unseren Rivalen, einem Alfa, zu sein, müssen wir auf jeden Fall verstehen", fordert Russell, tatsächlich von Räikkönen nicht nur überholt, sondern auch überrundet. "Wir haben Rennpace verloren und müssen verstehen warum."

Das ist gerade wegen Alfa Romeo essenziell. "Ich will sicherstellen, dass wir Platz acht in der WM klarmachen", sagt Russell. Doch Räikkönen sorgte dank Platz acht in Mexiko für vier Punkte für die Schweizer. Damit reduzierte sich Williams' Vorsprung im Rennen um WM-Rang acht auf noch zwölf Zähler. "Alfa hat jetzt natürlich vier Punkte mehr geholt. Ich weiß gar nicht, wie groß der Unterschied jetzt ist. Ich weiß auch nicht, was mit Antonio passiert ist. Aber an einem Punkt waren sie beide in den Punkten", sagt Russell.

Russell fürchtet in Brasilien nächsten Rückschlag

Der Italiener war durch eine völlig verwachste Strategie Alfa Romeos von einem souveränen siebten Rang auf P11 zurückgefallen. Williams hätte in Mexiko also eine noch sehr viel empfindlichere Niederlage kassieren können. Der Warnschuss ist allerdings angekommen. Zumal Williams kommendes Wochenende in Brasilien gleich die nächsten Probleme fürchtet.

"Ehrlich gesagt müssen wir sicherlich auf Katar warten, bis wir wieder um etwas kämpfen können. Brasilien wird unserem Paket nicht unbedingt liegen, fürchte ich", mahnt Russell. "Vielleicht liege ich auch falsch. Es gibt ja das Sprintrennen. Zwei Rennen und ein paar Zwischenfälle wie heute könnten uns Gelegenheiten geben." Ist Williams dort selbst nicht fähig für Punkte, will Russell eine zerstörerische Taktik fahren: "Unser Ziel ist jetzt, mehr Punkte zu holen - oder zumindest zu versuchen, dass sie nicht punkten."


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