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Formel 1

Formel 1, Tsunoda feiert bestes Rennen: Wieder Mercedes genervt

Yuki Tsunoda holt nach Pierre Gaslys Ausfall beim USA-GP die Kohlen für AlphaTauri aus dem Feuer. Japaner freut sich über bestes Rennen und nervt Mercedes.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Yuki Tsunoda hat AlphaTauri beim Großen Preis der USA 2021 den Tag gerettet. Nachdem Punktegarant Pierre Gasly bereits in Runde 15 mit einer defekten Hinterradaufhängung aus dem Formel-1-Rennen in Austin ausschied, fuhr statt des Franzosen der Japaner in die Punkteränge und brachte die Truppe aus Faenza dank Platz neun und eines Doppelausfalls für Alpine in der WM-Wertung zwei Punkte näher an die Franzosen heran.

Dabei startete Tsunoda mit einem vermeintlichen Handicap ins Rennen auf dem Circuit of the Americas. Als einziger Fahrer in den Top-10 neben Carlos Sainz musste der Japaner auf den weichsten Reifen losfahren - ein scheinbarer Nachteil, war der Verschleiß auf dem COTA in diesem Jahr exorbitant hoch. Doch der 21-Jährige nutzte zumindest den einzigen Vorteil der weichen Pneus.

Tsunoda nutzt einzigen Soft-Vorteil: Start sitzt

Nach seinem fünften Q3-Einzug des Jahres - dem zweiten in Serie - am Samstag katapultierte sich der Japaner am Start vom zehnten Startplatz um zwei Plätze nach vorne, vorbei an Teamkollege Gasly, und auch an Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas. "Es war nicht leicht, mit den weichen Reifen zu starten, da ich eine andere Strategie hatte als alle anderen um mich herum", sagt Tsunoda. "Aber ich habe den Vorteil auf der ersten Runde ausgeschöpft und zwei Autos überholt. Normalerweise verliere ich da immer ein paar Plätze, aber dieses Mal war ich etwas aggressiver und es war okay. So werde ich jetzt weitermachen! Danach habe ich die Reifen geschont."

Dennoch musste der Japaner bereits in Runde neun zum Reifenwechsel kommen. Mit frischen harten Reifen zeigte Tsunoda sofort eine starke Pace. So reichte es tatsächlich, um nach dem Reigen der ersten Boxenstopps seine Position zu behaupten - selbst gegen Bottas, der nach sechs Runden freier Bahn im überlegenen Mercedes nach seinem Stopp in Runde 15 hinter Tsunoda blieb. Gasly, nach einem illegalen Überholmanöver Bottas in der Startrunde durch einen Rücktausch im ersten Stin ebenfalls vor dem Finnen, hielt Bottas dabei nicht einmal auf. Der Franzose kam wegen erster Anzeichen seiner Probleme mit der Hinterachse trotz Medium-Reifen ebenfalls schon früh, in Runde zehn.

Gasly fällt aus: Tsunoda spürt Verantwortung

Durch den Ausfall des Franzosen erhöhte sich der Druck auf Tsunoda. "Mein Teamkollege ist leider ausgefallen, deshalb war meine Verantwortung größer, Punkte zu holen - gerade, wenn wir an die Meisterschaft des Teams denken", sagt Tsunoda. "Aber ich habe es geschafft, Punkte zu holen. Ich habe lange Zeit keine Punkte geholt. Auch kleine Punkte können am Ende eine große Sache sein", kommentiert der Japaner seinen neunten Platz nach zuletzt fünf Rennen ohne Zähler. "Ich bin zufrieden damit, was ich heute angestellt habe. Danke auch ans Team."

Tsunoda hält nächsten Mercedes auf: Müssen angepisst sein!

Im zweiten Stint hatte es Tsunoda nun allerdings mit einem Mercedes auf deutlich frischeren Reifen zu tun. Dennoch hielt der Japaner Bottas zumindest drei Runden lang stand - die nächste Blockade eines Mercedes. In der Türkei hatte Tsunoda bereits Hamilton acht Runden lang aufgehalten. "Ich will kein anderes Auto und keinen anderen Fahrer so leicht vorbeilassen. Also habe ich einfach das Richtige gemacht, das Normale", sagt Tsunoda. Grinsend schiebt der Youngster hinterher: "Mercedes muss angepisst von mir sein!"

Wie in der Türkei kostete die Abwehrleistung den Japaner etwas. "Ich habe damit ein wenig geopfert, weil ich meinen Reifen verschlissen habe, aber ich bin ziemlich happy damit - ich habe diese Kämpfe genossen", sagt Tsunoda. Anders als in der Türkei waren die Pirelli-Reifen dieses Mal nämlich nicht derart heruntergewirtschaftet. "Das war ein guter Fortschritt gegenüber der Türkei", freut sich Tsuonda und erinnert an seinen Dreher in Istanbul: "Da habe ich einen Fehler gemacht, hier habe ich das verbessert."

AlphaTauri lobt: Yuki Tsunodas bestes Formel-1-Rennen

Generell sei sein gesamtes Rennen viel besser gemanagt gewesen - trotz der kniffligen Bedingungen in der texanischen Hitze. "Es war echt hart da draußen, es war so heiß! Mit der Hinterachse hatte ich echt zu kämpfen und habe bei Highspeed Untersteuern bekommen", berichtet Tsunoda. Durch gute Kommunikation mit dem Kommandostand und die richtigen Einstellungen am Lenkrad habe sich das allerdings kontrollieren lassen. "Das war ein guter Schritt in Sachen Kommunikation", freut sich Tsunoda. So hielt der Japaner im Schlussstint auch Weltmeister Kimi Räikkönen gekonnt auf Sicherheitsabstand. Tsunoda: "Wir haben durchgängig kommuniziert und das Auto hat ordentliche Feedback gegeben. Das war gut."

Dafür erhielt Tsunoda nach dem Rennen ein Sonderlob. "Dein bestes Rennen dieses Jahr, guter Job", funkte Renningenieur Mattia Spini an den Japaner. "Heute hatten wir eine fantastische, hochverdiente Punkteankunft für Yuki. Er hat sein Rennen gut gemanagt, die weichen Reifen im ersten Stint gut genutzt und es dann auf beiden Sätzen Hard gut gemanagt, seine Track Position zu behalten und Punkte zu holen", lobt auch Technikchef Jody Egginton. Tsunoda selbst bewertet seine Leistung ähnlich: "War ziemlich konstant. Ich denke, das war mein bestes Rennen diese Saison soweit."

Pierre Gasly scheidet aus: Defekt wegen Bodenwellen?

Sorgen oder Bedenken, ihn könne dasselbe Schicksal ereilen wie Pierre Gasly, gab es bei Tsunoda nicht. Der Japaner wusste nichts von den Gründen für Gaslys Ausfall. Für den Franzosen begann das Rennen schon vor dem Start mit bangen Momenten. AlphaTauri entdeckte ein Sensoren-Problem, das sie gerade noch vor dem Start beheben ließ. Nicht lange danach folgte der nächste und finale Rückschlag.

"Leider hatten wir heute ein Problem mit der Aufhängung, das sich Runde für Runde schlimmer angefühlt hat und dann hat sie versagt. Das hat uns gezwungen, das Auto abzustellen. Gerade kennen wir den Grund dafür noch nicht, das müssen wir erst untersuchen", klagt Gasly. Auch ein Zusammenhang mit den Bodenwellen sei unklar. "Alle anderen Autos schienen da ja okay zu sein", sagt Gasly. Esteban Ocon in der Alpine schied später allerdings auch mit Aufhängungsschaden aus, bei Fernando Alonso gab der Heckflügel nach. "Wir müssen noch genauer ansehen, ob wir etwas falsch gemacht haben", sagt Gasly. "Aber es ist hier auf jeden Fall recht aggressiv für das Auto. Leider hatten wir einen Defekt."

WM-Duell mit Alpine: AlphaTauri holt auf

Im engen Kampf gegen Alpine sei das extrem frustrierend, so Gasly. "Wir wissen, dass in unserem Kampf im Mittelfeld zu diesem Zeitpunkt jeder Punkt zählt." Sehr viel mehr als ein weiterer Punkt entging AlphaTauri immerhin wohl kaum. Mehr als P9 wie Tsunoda habe auch er nicht herausholen können. "Am Ende hatten wir nicht die Pace für Ferrari und McLaren. Aber für P9 oder P10 war es gut genug. Hoffentlich können wir das beim nächsten Renenn wiedergutmachen.", sagt Gasly. Dank Tsunoda holte das Team von Franz Tost zumindest zwei Punkte auf. Vor den letzten fünf Saisonrennen liegt AlphaTauri (P6) nun zehn Punkte hinter Alpine auf Konstrukteursrang fünf.


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