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Formel 1 Favoritencheck Monza: McLaren entscheidet Italien GP

Beim Formel 1 Grand Prix in Monza dreht sich heute alles um Max Verstappen und Lewis Hamilton? Nein, McLaren wird das Zünglein an der Waage.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Monza ist Red Bulls Angststrecke. Seit 2013 standen die Bullen beim Italien GP nicht mehr auf dem Podium. In diesem Jahr ist der WM-Herausforderer generell konkurrenzfähiger, trotzdem bleibt das Autodromo im Königlichen Park Angststrecke. Und trotzdem startet Max Verstappen heute von Pole Position.

Mercedes ist das ganze Wochenende überlegen, hat aber zwei entscheidende Probleme: Einerseits der Motorwechsel am Fahrzeug von Valtteri Bottas, der den Finnen die Pole Position kostet. Bottas hatte das Sprint-Qualifying souverän gewonnen, muss aber heute vom letzten Platz starten.

Formel 1: Hamilton fürchtet einfachen Verstappen-Sieg

Eigentlich hätte Lewis Hamilton aufrutschen sollen, doch der siebenfache Formel-1-Weltmeister zog den Kupplungshebel am Start zwei Millimeter zu weit. Hamilton fiel von Startplatz zwei auf Rang sechs zurück und beendete das Sprint-Qualifying auf Rang fünf. Der Mercedes-Pilot fand auf der Strecke keinen Weg am McLaren von Lando Norris vorbei.

So kommt Max Verstappen zur Monza-Pole wie die Jungfrau zum Kind. "Das wird ein einfacher Sieg für Max", befürchtet Hamilton und will damit seinen WM-Rivalen naturgemäß auch etwas unter Druck setzen. Aber wird es tatsächlich so einfach? Kann Hamilton im deutlich schnelleren Mercedes von Startplatz vier nichts mehr ausrichten? Und welche Rolle spielen die McLaren?

McLaren am Start Gefahr für Verstappen

Daniel Ricciardo beendete den Sprint auf Rang drei, Lando Norris auf Rang vier. Beide McLaren-Piloten rücken durch die Bottas-Strafe einen Startplatz auf. Rein Performance-technisch macht McLaren gegen Verstappen keinen Stich. Nach 18 Runden Sprint hatte Ricciardo 12 Sekunden Rückstand auf den Niederländer.

Allerdings fürchtet Verstappen das Hamilton-Schicksal. Am Start ist der WM-Leader verwundbar. Im Sprint nutzte McLaren einen Hamilton-Fehler, profitierte aber auch von den weichen Reifen. Als einziges Top-Team ging McLaren auf den Softs ins Rennen.

Hamilton Patzer! Hat er damit den Sieg schon verschenkt?: (10:10 Min.)

Ricciardo sieht realistische Siegchance in Monza

Beim Sprint gibt es allerdings keine Boxenstopps. Im Grand Prix wird mindestens einmal Reifen gewechselt. Deshalb dürften mehr Teams auf den Extra-Grip der weichen Reifen am Start setzen. Verstappen muss alles daransetzen, die McLaren nach Kurve eins noch hinter sich zu haben. Soft-Reifen wären dabei eine gute Hilfe.

Bleibt Verstappen vorne, dürfte die Messe gelesen sein. Kommt ein McLaren vorbei, wird es spannend. Haben die orangenen Boliden von Teamchef Andreas Seidl tatsächlich eine Siegchance? Lando Norris bezweifelt es. "Ich sehe es etwas anders", meint Daniel Ricciardo. "Der Start ist eine Möglichkeit, das Rennen anzuführen. Und dann sehen wir weiter."

McLaren gegen Red Bull im Todspeed-Vorteil

Der Optimismus des Teamkollegen bringt auch Norris auf Ideen. "Perez ist von hinten auch nicht durchs Feld gepflügt", meint der Brite. Red Bulls Nummer zwei startete von Platz neun und kam auf ebenjener Position auch ins Ziel.

Der gute Topspeed der McLaren macht es der Konkurrenz auf der überholfeindlichen Strecke extrem schwer. "McLaren wird ein Faktor sein. Wir dürfen sie nicht unterschätzen. Sie sind schnell und ihr Auto ist sehr effizient", fürchtet Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Radikale Strategie für Hamilton?

"Die Strategie wird aber entscheidend, wir müssen die Stopps richtig timen", weiß sein Gegenüber Andreas Seidl. Denn im Gegensatz zum Sprint gibt es im Grand Prix auch noch die taktische Komponente. "In diesem Boxenstopp-Fenster können die schnelleren Autos ihren Pace-Vorteil nutzen", mahnt Ricciardo. "Und die Topteams sind beim Reifenverschleiß besser", befürchtet Seidl.

Für McLaren gilt das einerseits für ein mögliches Rennen gegen Verstappen, höchstwahrscheinlich aber für ein Rennen gegen Lewis Hamilton von hinten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff kündigt deshalb schon an: "Wenn das Überholen so schwierig ist, muss man über radikalere Offset-Strategien nachdenken."

Verstappen fürchtet starken Mercedes-Endspurt

Heißt im Klartext: Entweder will Mercedes mit einem Undercut Positionen gutmachen, oder aber Hamilton deutlich länger fahren lassen. Der Gedanke dahinter: Dann würde der siebenmalige Weltmeister mit einem größeren Reifen-Vorteil auf die langsamere Konkurrenz treffen. Das Geschwindigkeitsdelta wird größer, Überholen einfacher.

Davor hat sogar Verstappen Angst. "Ich erwarte ein hartes Rennen. Sie haben etwas mehr Pace als wir. Wir wissen, dass wir hier langsamer sind als Mercedes. Ich hoffe auf einen weiteren guten Start morgen, sodass ich einen kleinen Vorsprung herausfahren kann. Ich werde ihn später im Rennen definitiv brauchen", so Pole-Erbe Verstappen.

Gibt es vielleicht sogar Hilfe von Mercedes? Denn die Silberpfeil-Ingenieure befürchten, dass auch Hamilton irgendwann 2021 einen neuen Motor braucht und deshalb strafversetzt wird. "Aber im Moment ist das nicht notwendig", relativiert Toto Wolff.

Wenn, wäre Monza dann nicht ein guter Zeitpunkt, die Strafe zu nehmen? "Wenn wir ein Problem haben oder wenn wir der Meinung sind, dass bei der Strategie überhaupt nichts geht, dann kann das schon eine Option sein. Das ist aber eine bisschen spontane Entscheidung", so Wolff.

Fazit: Bleibt Verstappen am Start vorne, stehen seine Chancen gut. Überholt ihn ein McLaren, wird es spannend. Einerseits, ob Verstappen überhaupt am McLaren vorbeigehen kann. Andererseits auch, ob Hamilton dann wieder ein Wörtchen mitreden kann. Kann Verstappen vorne frei fahren und Hamilton muss sich hinter Ricciardo, Norris oder beiden anstellen, wird es schwer für ihn. Die beiden McLarens sind das Zünglein an der Waage.


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