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Formel 1

Hamilton-Strafe: Red Bull will mehr - Verhandlung in Ungarn?

Der Unfall zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton könnte ein Nachspiel haben. Red Bull prüft derzeit weitere Schritte. Motor zur Untersuchung in Japan.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen abgeräumt, das Rennen dennoch gewonnen: Red Bull ist mit der Bestrafung für Lewis Hamilton beim Großbritannien GP nicht einverstanden. 10 Sekunden brummten die Stewards dem siebenfachen Formel-1-Weltmeister auf.

Für Teamchef Christian Horner und Motorsportberater Dr. Helmut Marko war das Strafmaß verglichen mit dem Vergehen nicht angemessen. Marko forderte noch während der Rennunterbrechung eine Sperre für Hamilton. "Wenn du einen Fahrer ins Krankenhaus bringst und du selbst mit der Strafe noch den GP gewinnst, fühlt sich das nicht wie eine Bestrafung an", ärgerte sich Horner nach dem Hamilton-Sieg.

Jetzt will Red Bull möglicherweise weitere Schritte einleiten. Horner kündigte bereits direkt nach Rennende an, die zur Verfügung stehenden Mittel überprüfen zu wollen. Ein Protest gegen die Entscheidung war nicht möglich, dafür hat Red Bull unter gewissen Umständen aber das Recht auf eine Neubeurteilung des Falls.

Red Bull prüft Right of Review für Hamilton vs. Verstappen

Genau dafür sammelt Red Bull gerade Material. Artikel 14 des International Sporting Codes räumt den Teams die Möglichkeit ein, eine Szene noch einmal beurteilen zu lassen. Dafür müssen aber 'signifikante und neue Elemente' vorliegen, die dem Team zuvor noch nicht zur Verfügung standen.

14 Tage lang hat Red Bull Zeit, eine Absichtserklärung für das Recht auf Neubeurteilung bei der FIA einzureichen. Erfolgt der Schritt, müssen die Stewards des betroffenen Rennens zunächst darüber urteilen, ob die eingebrachten Beweise 'signifikant und neu' sind. Falls ja, wird der Fall erneute aufgerollt.

Die Erfolgsaussichten sind allerdings gering. Diverse TV-Aufnahmen und Telemetriedaten standen den Stewards schon für ihre Entscheidungsfindung zur Verfügung. Auch wenn manche Kameras erst im Nachhinein ausgewertet werden können, ist es unwahrscheinlich, dass dieses Material als 'signifikant' eingestuft wird.

Und selbst wenn der Fall neu aufgerollt wird, ist fraglich, ob das Strafmaß revidiert wird. Die Möglichkeit dafür gibt es aber. Prinzipiell können die Stewards die folgenden Strafen verhängen:

  • 5 Sekunden
  • 10 Sekunden
  • Drive Through (nachträglich angewandt 20 Sekunden)
  • 10 Sekunden Stop-and-Go (nachträglich angewandt 30 Sekunden)
  • Zeitstrafe (variabel)
  • Verwarnung
  • Strafversetzung für das nächste Event
  • Disqualifikation
  • Rennsperre für das nächste Event

Strafversetzungen kommen meist nur zum Einsatz, wenn ein Fahrer die ausgesprochene Strafe im betroffenen Rennen nicht mehr absitzen kann. Die Möglichkeit besteht aber. Auf Disqualifikation oder Rennsperre hätten die Stewards in Silverstone während des Rennens gar nicht entscheiden dürfen, dafür wäre eine Anhörung des betroffenen Fahrers notwendig gewesen.

Rennsperre für Hamilton unwahrscheinlich

Prinzipiell besteht die Möglichkeit, eine Rennsperre nach einem Unfall auszusprechen. Dafür wären aber Motive wie Absicht nachzuweisen. Für alle anderen Fälle wurde das Strafpunkte-System eingeführt. Sammelt ein Pilot zwölf Strafpunkte binnen eines Jahres, muss er ein Rennen aussetzen.

Zuletzt scheiterte Ferrari mit einem solchen Antrag. Die Scuderia wollte die Szene zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton beim Kanada GP 2019 neu beurteilen lassen. Vettel hatte durch eine Fünf-Sekunden-Strafe den Sieg verloren. Die Stewards beurteilten die sieben von Ferrari vorgebrachten Elemente als entweder nicht neu, signifikant oder beides.

Ferrari wollte anhand von Telemetriedaten, weiterer Kameraperspektiven, GPS-Daten und einer Experten-Analyse von Karun Chandhok für Sky die Situation neu beurteilt wissen. Findet Red Bull ausreichend Material, will man den Fall in Ungarn neu aufrollen lassen.

Formel 1, Gerechte Strafe für Hamilton nach Verstappen-Crash?: (14:56 Min.)

Trotzdem dürften die Erfolgsaussichten überschaubar sein. Sinn und Zweck von Artikel 14 des International Sporting Codes ist es, grobe Fehlentscheidungen anfechten zu können - ähnlich wie beim Videoschiedsrichter im Fußball. Denn sportliche Strafen während des Rennens können eigentlich nicht beanstandet werden.

Theoretisch könnten die Stewards bei einer Neubeurteilung auch eine geringere oder gar keine Strafe aussprechen. Das Risiko ist aber überschaubar: Hamilton hat das Rennen schließlich auch mit Strafe gewonnen.

Red Bull meldet 750.000 Euro Schaden, Motor bei Honda

Red Bull ist aber nicht nur sauer, weil Verstappen durch den Unfall 25 Punkte in der Fahrerweltmeisterschaft verlor. Der Schaden soll sich auf satte 750.000 Euro belaufen. Aufgrund der Budgetobergrenze muss das Team nun die eingeplanten Gelder umschichten.

Gleichzeitig könnte Verstappen im Laufe der Saison auch noch eine Startplatzstrafe ereilen, weil die Power Unit beim Unfall möglicherweise beschädigt wurde. Der Motor samt Anbauteilen wurde umgehend zur Analyse nach Japan in Hondas Formel-1-Zentrale geflogen.


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