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Formel 1

Krieg nach Verstappen-Crash? Hamilton will Racing mit Respekt

Lewis Hamilton will nach Silverstone-Clash weiter faire Fights mit Max Verstappen. Formel-1-Weltmeister hofft auf Umdenken. Unfall als Lektion für beide.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Der Titelkampf von Lewis Hamilton und Max Verstappen war 2021 in der Formel 1 über lange Zeit von Respekt und großem Sportsgeist geprägt. Doch in Silverstone riss die Fassade der gegenseitigen Bewunderung. Die über Wochen intensivierte Rivalität kochte im verheerenden Unfall in der ersten Runde über. Nach dieser Eskalation ist zu befürchten, dass das Verhältnis der beiden Superstars in Zukunft nicht mehr dasselbe sein wird. Hamilton hofft jedoch, dass das richtige Maß an Vernunft weitere Aufeinandertreffen dieser Art verhindern kann.

"Ich möchte meinen, dass wir generell aus diesen Erfahrungen lernen und daran wachsen sollten", so der siebenmalige Weltmeister, der nach der Highspeed-Kollision am Sonntag keine Einsicht zeigte und nicht mit Kritik an seinem Kontrahenten gespart hatte. Sein Ziel war allerdings keineswegs, diesem die Hauptschuld an der Situation unterzuschieben.

"Es gibt selten einen Zwischenfall, der zu 100 Prozent die Schuld eines Einzelnen ist. Das ist immer ein Zusammenspiel von zwei oder mehreren Leuten", stellt er klar. In Folge des Zusammenstoßes waren die Fronten am vergangenen Wochenende verhärtet. Red Bull feuerte aus allen Rohren gegen Hamilton. Der wiederum kritisierte Verstappens Aggressivität und beharrte darauf, richtig gehandelt zu haben.

Lektion für die Zukunft: Hamilton wünscht sich Platz und Respekt

Für den zukünftigen Umgang miteinander hofft Hamilton darauf, dass beide Seiten aus dem Zwischenfall ihre Lektion ziehen. "Es gibt Dinge, die wir beide daraus lernen können", sagt er und verweist auf den kompromisslosen Stil des Red-Bull-Fahrers: "Ich würde sagen, dass Max wahrscheinlich einer der aggressivsten Fahrer hier ist. Das ist meine persönliche Meinung."

Nach 14 Jahren und 276 Starts in der Formel 1 sieht er zwischen der Herangehensweise des Rivalen und der eigenen einen entscheidenden Unterschied. "Als ich jünger war, war ich auch sehr aggressiv. Vielleicht nicht so aggressiv wie Max, aber ziemlich aggressiv", so Hamilton zu Motorsport-Magazin.com. "Jetzt bin ich älter und weiß, dass das hier ein Marathon und kein Sprint ist. Ich glaube, ich habe eine bessere Sicht darauf, wie ich das Rennfahren für mich angehe."

Der 36-Jährige wünscht sich von Verstappen im Zweikampf dieselbe Rücksicht und vor allem Weitsicht: "Er macht einen tollen Job, aber ich denke wir müssen wirklich versuchen auf der Rennstrecke das beste Gleichgewicht zu finden, mit Platz und Respekt untereinander. Nur so können wir weiter gegeneinander Rennen fahren und gute Rennen haben, ohne zu kollidieren."

Hamilton von Unfall getroffen: Niemals meine Absicht

Dass es nach vielen harten aber fairen Zweikämpfen in Silverstone solch einen dramatischen Ausgang nahm, ist für Hamilton eine äußert unschöne Erfahrung. "Niemand von uns könnte jemals wollen, dass ein anderer von uns verletzt wird. Das ist niemals meine Absicht", sagt er. Umso intensiver war für ihn das rennentscheidende Überholmanöver gegen Ferrari-Pilot Charles Leclerc, das sich drei Runden vor dem Ziel in derselben Kurve wie der Unfall mit Verstappen zutrug.

"Er war sehr respektvoll, mit dem Platz den er gelassen hat. Ich war neben ihm und er wusste, dass ich dort war. Er hat immer noch in die Kurve gezogen, aber eine weitere Linie gewählt und die Position fast gehalten", so Hamilton. "Es war eine gute Balance und ich denke, so sollte Motorsport sein. Und natürlich, in einer perfekten Welt wäre es beim ersten Versuch dort auch so ausgegangen. Aber es war ein anderer Zeitpunkt und ein anderer Fahrer."


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