Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Marko stichelt: Russell hätte bei uns schon Top-Auto

Dr. Helmut Marko ist sich sicher: Bei Red Bull würde George Russell nicht so lange mit unterlegenem Auto in der Formel 1 an den Start gehen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Mercedes und Red Bull Racing kämpfen in der Formel-1-Saison 2021 nicht nur auf der Strecke gegeneinander. Die Konkurrenten liefern sich auch einige Wortgefechte neben dem Sport. Begonnen hat der Zwist zwischen Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und Dr. Helmut Marko. Der Motorsportberater von Red Bull hat ein weiteres Mal nachgelegt. Dieses Mal geht es um George Russell.

"Wäre ein Fahrer von dem Format und den Fähigkeiten von Russell bei uns, würde er längst schon in einem wettbewerbsfähigen Formel-1-Auto sitzen. Die Leistung, die er mit dem Williams in den Qualifyings vor allem bei den beiden österreichischen Rennen gezeigt hat, war außerordentlich. Einen Williams ins Q3 zu bringen, das heißt schon einiges", sagte Marko in der Sport-1-Sendung 'AvD Motor & Sport Magazin'.

Der junge Brite gilt als heißer Anwärter auf das zweite Cockpit im Mercedes-Rennstall für das kommende Jahr. Aber auch Valtteri Bottas' Verbleibt ist möglich. Dessen Vertrag läuft am Ende des Jahres aus. Der WM-Sieger der vergangenen sieben Jahre braucht für die Formel-1-Saison 2022 einen weiteren Piloten, der an Lewis Hamiltons Seite an den Start geht. Beim Österreich GP unterschrieb der 36-Jährige am vorletzten Wochenende einen neuen Zweijahresvertrag bis 2023.

Russell wurde 2017 ins Mercedes-Juniorprogramm aufgenommen. Der 23-Jährige stieg zur Saison 2019 in die Formel 1 ein, wo er seitdem für das unterlegene Williams-Team an den Start geht. 2020 ersetzte er beim Sakhir GP den an Covid-19 erkrankten Hamilton bei Mercedes und hatte lange Zeit gute Chancen auf den Sieg. Ein Fehler seiner Mechaniker beim Boxenstopp - sie montierten die für Bottas bestimmten Reifen - warf ihn zurück.

Die Entscheidung, ob Hamiltons aktueller Teamkollege im Rennstall verbleibt, soll im Sommer fallen. "Wir werden die nächsten Rennen abwarten, um uns Klarheit zu verschaffen. Valtteris Rennen in Österreich war wirklich gut. Das muss er konsolidieren. Gleichzeitig kennen wir auch die Stärken und Schwächen von George", erklärte Wolff nach dem zweiten Rennen am Red Bull Ring.

Russell zu Red Bull?

Auf dem Papier herrscht bei Red Bull eine vergleichbare Situation vor wie bei Mercedes. Max Verstappen ist mit einem bis 2023 dauernden Vertrag ausgestattet. Sergio Perez, der vor der Saison vom ehemaligen Racing-Point-Team zu den roten Bullen kam, hat noch kein Arbeitspapier für die kommende Saison. Könnte Russell 2022 für Red Bull an den Start gehen? "Diese Frage stellt sich momentan nicht", intervenierte Marko. "Wir haben einen Einjahresvertrag und denken, unsere Fahrerpaarungen nach der Sommerpause bekanntzugeben."

Der 78-Jährige ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass Perez gute Chancen hat, auch im kommenden Jahr für Red Bull an den Start gehen zu können: "Ihn haben wir geholt, damit wir einen zweiten starken Mann haben. Das ist im WM-Kampf ganz wichtig für die Strategie. In Frankreich hätten wir den zweiten Stopp nicht machen können, wenn Perez nicht unmittelbar hinter Bottas gewesen wäre."

Zuletzt kam der Mexikaner immer besser in Fahrt. Auf seinen ersten Red-Bull-Sieg in Baku folgte beim Frankreich GP das nächste Top-3-Ergebnis. "Von Beginn an war sein Rennspeed sehr zufriedenstellend. Vor allem beim Reifenverschleiß war er top! Dort, wo es etwas gehapert hat, waren die Qualifyings, aber auch das ist besser geworden. Er ist ein super Teamplayer, hat sich eingefügt und versteht sich mit Verstappen sehr gut", lobt Marko den Neuzugang.

Red Bull trotz Technischer Direktiven vor Mercedes

Vor dem Frankreich GP wurde das Regelbuch der Formel 1 durch eine Technische Direktive dahingehend ergänzt, dass starrere Flügelelemente vorgeschrieben wurden. Ab dem Rennen in Ungarn soll eine weitere Technische Direktive gelten, die die Abläufe bei einem Boxenstopp verändert. In beiden Fällen gilt Mercedes als maßgebliche Triebkraft hinter den Anpassungen. Die Regelergänzungen zielen offenbar darauf ab, Red Bull in den betroffenen Bereichen zu schwächen.

Das Hin und Her um neue Regeln lässt Marko indes kalt: "Es ist die Summe der technischen Unterstellungen, die bis dato alle ins Leere gelaufen sind. Wenn das der Stil ist, können wir damit auch leben, solange es nicht persönlich wird. Das sind alles Spielchen, im Moment ist Toto mehr auf Christian (Horner) fixiert. Wir haben einen super Lauf und ein souveräner Sieg in Baku ist nur durch einen Reifenschaden durchkreuzt worden. Damit haben wir gezeigt, dass wir auf jeder Strecke gewinnen können."

Zuletzt gewann Red Bull fünf Rennen in Folge, davon vier durch Verstappen. Der Niederländer liegt in der WM-Wertung mit 182 Punkten vor Hamilton (150) und Perez (104). Auch in der Konstrukteurswertung hat die österreichisch-britische Red-Bull-Allianz mit 286 Zählern die Nase vorne. Die Mercedes-Fahrer sammelten in den ersten neun von geplanten 23 Rennen 242 WM-Punkte.

Neue Formel 1 Motoren 2025: Was steht schon fest?: (12:11 Min.)


Weitere Inhalte: