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Formel 1

Formel 1 Baku: Öldruck bremst Schumacher, Mazepin schneller

Mick Schumacher erlebt einen durchwachsenen Trainingsauftakt zum Aserbaidschan-GP. Motor zügelt Haas-Fahrer in Baku. Nikita Mazepin trotz Crash zufrieden.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kniffliger Auftakt für das Haas F1 Team um Mick Schumacher beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021. In den ersten beiden Trainings zum Formel-1-Rennen in Baku fuhren Schumacher und Nikita Mazepin dem Feld weiter hinterher als erhofft. Noch dazu grätschte Schumacher im zweiten Training ein Problem mit dem Öldruck seines Ferrari-Antriebs dazwischen, während sein russischer Teamkollege mit einem späten Unfall im ersten Training glimpflich davonkam.

"In beiden Sessions waren wir einfach auf Runden aus, leider konnten wir im zweiten Training nicht so viele fahren, wie wir wollten", hadert Schumacher. "Wir hatten ein kleines Problem mit dem Motor. Trotzdem war es ein produktiver Tag und wir haben viel mitgenommen, was wir morgen anwenden können. Jetzt geht es darum, alles für das dritte Training und das Qualifying zusammen zu puzzeln."

Haas kann Schumacher-Defekt im Training nicht beheben

Sehr viel mehr als Schumacher wusste auch Haas am Abend noch nicht über den Defekt. "Wir haben versucht herauszufinden, was es war, aber wir konnten es niemals, sodass er immer rein- und rausfahren musste", berichtet Teamchef Günther Steiner. "Er hat zumindest noch eine halbe Session bekommen, aber er sagt, dass er bereit für morgen ist."

Im Endresultat spiegelten sich die technischen Probleme deutlich. Nachdem Schumacher in der ersten Session mit P19 noch eine halb Zehntel schneller gewesen war als Mazepin (P20), drehte der Russe den Spieß am Nachmittag deutlich um. Mehr als eine halbe Sekunde fuhr Mazepin (P18) schneller als der Sohn des Formel-1-Rekordweltmeisters Michael Schumacher, allerdings drehte er mit 23 Runden auch elf mehr als Schumacher (P19). Nicholas Latifi nahm an der Session durch ein Problem an seinem Mercedes-Motor so gut wie gar nicht teil und wurde Letzter.

Nikita Mazepin freut sich: Monaco-Trend bestätigt

Ungeachtet der Probleme Schumachers freut sich Mazepin über einen ordentlichen Tag. "Ich habe es heute echt genossen - wie in Monaco. Wir stehen gut da und haben ein paar wichtige Schritte nach vorne geschafft", sagt Mazepin. "Obwohl das Auto weder auf Strecken mit High- oder Low-Downforce funktioniert, ist es ermutigend, was wir mit dem Setup aus dem Auto herausquetschen können. Wir müssen noch viel ansehen, aber alles lief nach Plan."

Eine Ausnahme bildete dabei am Ende des ersten Trainings ein Dreher des Russen in der effektiv letzten Kurve des Baku City Circuit vor der 2,2 Kilometer langen Vollgaspassage. Dieser endete mit einem leichten Einschlag mit dem Heckflügel in die Streckenbegrenzung, bleib für Mazepin allerdings ohne Folgen. "Es ist hier immer sehr schwierig. Die Strecke ist zu Beginn sehr grün und unsere zwei Fahrer sind Rookies, die hier beide nur mit der Formel 2 gefahren sind. Wir wussten, dass es eine Herausforderung würde, aber ich denke, dass beide einen guten Job gemacht haben", verteidigt Teamchef Steiner.

'Grüne' Strecke in Baku macht Haas-Rookie zu schaffen

Die grüne Strecke moniert auch Schumacher. "Es ist hier ein großer Unterschied zu Monaco. Durch den Downforce-Level und die Strecke. Heute Morgen war es ziemlich rutschig. Die Strecke war sehr dreckig und wurde nicht wirklich sauber", berichtet der Deutsche. "Im zweiten Training hat es sich dann schnell verbessert. Morgen sollten wir dann nochmal eine starke Verbesserung sehen und im Qualifying in Sachen Grip in einem besseren Fenster sein."

Wohlgefühlt habe er sich in Baku dennoch aus dem Stand, so Schumacher. "Das war schon vor zwei Jahren so [in der Formel 2], jetzt wieder. Ich muss nur die Kurven eine nach der anderen kennenlernen, um ein Gefühl für jede einzelne zu bekommen und die verbessern, die wir verbessern müssen", sagt der 22-Jährige.

Haas im Baku-Training eine Sekunde hinter Williams

Zu verbessern gibt es jedenfalls noch viel - da stimmen Mazepin und Schumacher überein. Immerhin fehlte am Nachmittag eine ganze Sekunde auf den Williams von George Russell, von Alfa Romeo und Aston Martin ganz zu schweigen. Schumacher setzt bei seinem Konter allerdings nicht nur auf eigene Verbesserungen, sondern auch Schwächen der Konkurrenz. Am Samstag soll der Wind in Baku merklich auffrischen.

"Das sollte uns hoffentlich etwas näher an die anderen heranbringen", hofft Schumacher. "Williams hat ja ein paar Schwierigkeiten mit windigen Bedingungen, das wir dann nicht so schlecht aufgestellt. Aber wir müssen das nochmal anschauen, denn im Moment scheinen alle etwas weiter weg zu sein, als wir gerne hätten. Wir können aber noch Zeit finden und geben alles, um da vorne ranzukommen!"

Baku: Schumacher hofft auf windige Hilfe gegen Williams

Wegen der Öldruck-Probleme macht sich Schumacher unterdessen keine Sorgen. "Im Endeffekt werden wir wahrscheinlich sowieso wieder auf die andere Power Unit zurückwechseln und dann hoffentlich keine Probleme mehr haben", sagt der Haas-Fahrer. Zuvor hatte Haas am Freitag erstmals in dieser Saison die zweite Ausführung seines Ferrari-Aggregats eingesetzt - genauso wie das Werksteam und Alfa Romeo.

Mazepin sieht Haas größte Chancen unterdessen erst im Rennen kommen. "Ich fühlte mich auf beiden Runs gut, aber das Überhitzen der Reifen auf den Longruns ist ein großes Problem, nicht nur für uns, sondern auch für andere", sagt Mazepin. "Die Strecke bietet sehr wenig Grip und so überhitzt der Asphalt die Reifen. Daran muss ich mich nach Monaco und Barcelona erst gewöhnen. Trotzdem waren die Longruns heute noch unsere größte Stärke."


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