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Formel 1

Formel 1, Russell durchgereicht: Schlechtestes Rennen seit 2019

George Russell startete mit hohen Ambitionen in das Formel-1-Rennen in Portugal. Dann ging es nur rückwärts. Williams-Kollege Nicholas Latifi nur Passagier.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - George Russell hatte bereits die nächste Chance auf seine ersten Punkte in der Formel 1 für Williams gewittert. Einen sensationellen siebten Platz im Auftakttraining bestätigte der Brite mit P11 im Qualifying zum Großen Preis von Portugal weitgehend und schielte vor dem Rennen schon auf die Top-10. Dann ging es einzig und allein rückwärts. P16, fast schon zurückgefallen in die Gefilde Nicholas Latifis (P18), der in Portimao nicht das Auto beherrschte, sondern von seinem FW43B beherrscht wurde.

„Auf jeden Fall war es ein unglaublicher Kampf für uns“, kommentiert ein nun auch sichtbar frustrierter Russell das Rennen in Portugal. Schon zuvor hatte man den Briten sich am Boxenfunk mehrfach über ein schwierig bis kaum zu beherrschendes Auto beklagen gehört. „Das war vielleicht das schwierigste Rennen, das wir seit 2019 [Russells Debütjahr in der Formel 1] hatten“, bestätigt Russell.

Williams erneut vom Winde verweht

Was Williams am Rennsonntag in Portimao das Rennen kostete? Offensichtlich eine alte Bekannte - die Windanfälligkeit des FW43B, von Russell bereits seit den Wintertestfahrten in Bahrain thematisiert. „Wir kennen die Stärken und Schwächen unseres Autos. Es ist aerodynamisch unglaublich anfällig“, erinnert Russell. Bei ruhigeren Bedingungen in Imola habe man ja gesehen, welche Performance möglich sei. Genauso im Qualifying und im ersten Training in Portugal.

„Aber heute war sie wieder im Nirgendwo“, sagt Russell über die Pace seines Boliden. „Leider ist das gerade die Natur dieses Biests von Auto, das wir haben. Wir sind jetzt drei Rennen gefahren, von denen zwei auf sehr windigen und offenen Strecken waren. Drücken wir die Daumen, dass wir nicht die ganze Saison darüber sprechen müssen.“

Vergeigter Restart für Russell egal: Wäre sowieso zurückgefallen

Trotz allen Potenzials im Auto hätten weder er noch Teamkollege Latifi sonst eine Chance, irgendetwas auszurichten. „Dann sind wir wie heute im Nichts“, sagt Russell. Großartig wehren könne man sich unter diesen Umständen dann auch nicht mehr. „Wir wären so oder so zurückgefallen“, kommentiert Russell seinen dreifachen Positionsverlust gegen Daniel Ricciardo, Antonio Giovinazzi und Fernando Alonso am Restart. „Das [zu verhindern] hätte keinen Unterschied gemacht.“

Noch dazu würden die Probleme gerade die Startphase erschweren. „Die aerodynamische Anfälligkeit gibt mir und Nicholas kein Vertrauen, in diesen ersten Runden zu attackieren“, sagt Russell. „Es war ein Rennen, in dem es nur ums Überleben ging, mehr darum, das Auto auf der Strecke zu halten, als tatsächlich Rennen zu fahren. Das war eines der härtesten Rennen, das wir je hatten.“

Sensibler Williams: Kein Vertrauen in Startphase

Bei Nicholas Latifi klingt das ganz genauso, eher noch eine Spur dramatischer. „Es war heute echt schwierig. Wir kämpfen sowieso immer mit den ersten Runden und heute war das ganz klar ersichtlich, weil George viel weiter vorne gestartet ist und dann nach den ersten paar Runden schon wieder da war, wo ich gewesen bin“, sagt der Kanadier.

In der ersten Rennhälfte hielt Latifi daraufhin noch ordentlich mit Russell mit. Im letzten Stint riss der Brite dann ein Loch von mehr als 20 Sekunden. Kein Wunder, so Latifi. Immerhin habe schon das gesamte Wochenende etwas an seinem Auto nicht gestimmt. „Die Strecke und die Bedingungen haben heftig gegen uns gespielt. Das hat die Schwächen des Autos betont. Aber speziell bei mir waren wir absolut nirgendwo. Gerade bei mir fehlte jede Menge Pace, das müssen wir untersuchen. Da stimmte etwas in Relation zu George nicht“, sagt Latifi.

Latifi verteidigt sich: Auto hat mich gefahren, nicht ich das Auto

„Gleich am Freitag dachte ich mir, dass mit dem Auto etwas nicht passt. Wir haben dann über Nacht etwas Drastisches geändert, sodass es kein Desaster mehr war wie am Freitag als ich noch 1,7 Sekunden zurück war. Aber es fehlte noch immer etwas“, verteidigt Latifi seine erneut klare Niederlage im Qualifying.

„Im Rennen zeigte sich das dann noch mehr. Die Reifen haben einfach gemacht, was sie wollten und sind gerutscht. Mit dem Wind hatte ich wie schon im Qualifying Problem, was im Rennen dann nur noch schwieriger zu managen ist“, sagt Latifi. „Das Auto war das ganze Rennen anstrengend zu fahren. Das Auto hat mich gefahren, nicht ich das Auto!“

Latifi wundert sich über Schumacher: Warum so lang gebraucht?

Deshalb, so der Kanadier, sei es ein Wunder gewesen, dass er jenen Fehler, der ihn am Rennende auch noch einen Platz gegen Mick Schumacher kostete, nicht 30-mal begangen hätte. „Ich habe da einfach die Bremsen blockiert“, sagt Latifi. Druck durch Schumacher habe ihn jedenfalls nicht in den Fehler getrieben, sagt der Kanadier. „Das war nur der Fehler. Ich bin sogar überrascht, dass ich ihn überhaupt diese 50 Runden oder so hinter mir halten konnte. Dass nicht einmal diese extra Pace, die er hatte, genug war ...“

Für Barcelona hofft Williams nun auf bessere Bedingungen für das eigene Paket. Dann könne man sich wieder mehr ausrechnen. „Wir waren hier [in Portugal] im ersten Training verdient Siebter. Auch mit viel Benzin war die Pace unglaublich stark, das Auto funktioniert unglaublich gut“, betont Russell. Bei eben ruhigeren Bedingungen, die auch Latifi nun für den Spanien-GP herbeisehnt: „In Barcelona gibt es normalerweise stabilere Bedingungen als in Portugal, also überträgt sich das dann hoffentlich in eine bessere Performance.“

Hoffen auf Wind- statt Punkte-Flaute in Barcelona

Beim Spanien-GP muss unterdessen George Russell erst einmal auf Einsatzzeit verzichten. Am Freitag übernimmt erstmals in dieser Saison Testfahrer Roy Nissany im ersten Training das Cockpit des Briten.


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