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Formel 1

Formel 1, Horner stichelt: Hamilton durch Glück vor Verstappen

Lewis Hamilton führt die WM vor Portugal an. Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner ein glücklicher Umstand. Mercedes rät Rivalen bessere Chancenverwertung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 kommt mit dem bevorstehenden Doppelpack in Portugal und Spanien richtig in Fahrt. Vor der Rückkehr nach Portimao führt Lewis Hamilton die Gesamtwertung hauchdünn vor Max Verstappen an. Für Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist dies einem Glücksfall zu verdanken. Sein Counterpart am Kommandostand von Mercedes ist da anderer Meinung.

"Es sollte gesagt sein, dass Lewis extrem glücklich war. Ich bin mir sicher, dass er das genauso sieht", so Horner mit Blick auf die Geschehnisse in Imola. Beim Rennen vor zwei Wochen unterlief dem Briten auf der Jagd nach Verstappen ein schwerwiegender Fehler. In der Tosa-Kurve war er beim Überrunden von der Strecke abgekommen und in die Reifenstapel gerutscht.

Seine Befreiung aus der misslichen Lage sowie der daraufhin notwendige Reparaturstopp warfen ihn eine Runde hinter den in Führung liegenden Verstappen zurück. Doch am Ende kam Hamilton trotzdem als Zweiter ins Ziel. Der Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde beschert ihm vor dem dritten Saisonrennen in Portugal die WM-Führung mit einem Zähler Vorsprung.

"Die rote Flagge, die sein Teamkollege ausgelöst hat, erlaubte es ihm, sich nach seinem eigenen Unfall zu entrunden, als er effektiv schon keine Chance mehr auf das Podest hatte", erklärt Horner, mit Blick auf die Kollision zwischen Valtteri Bottas und George Russell, welche die für Hamilton günstige Rennunterbrechung zur Folge hatte.

Horner sieht Hamilton unter Druck

Dass der Rekordweltmeister diesen seltenen Fehler beging, ist für den Teamchef der Herausforderer bereits das erste Anzeichen, dass der WM-Kampf ihn nicht kalt lässt: "Wir werden versuchen, auf Lewis in seiner Titelverteidigung so viel Druck wie möglich auszuüben. Er hat einen fundamentalen Fehler gemacht und ist rausgerutscht, was bei diesen Bedingungen leicht passieren kann."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist angesichts der Schadensbegrenzung von Imola nach wie vor erleichtert. "Es gab so viele Höhen und Tiefen und auch einige Momente, in denen es sich anfühlte, als ob wir überhaupt keine Punkte holen würden", so der Österreicher. Doch dass Red Bull sowohl in der Fahrer als auch in der Konstrukteurswertung weiter hinter Mercedes liegt, hat sich der Rivale seiner Ansicht nach selbst zuzuschreiben.

Warum wurde Hamilton von den Formel 1 Stewards nicht bestraft?: (11:16 Min.)

Mercedes verweist auf schlechte Chancenverwertung von Red Bull

"Nach diesem Rennen weiterhin beide WM-Wertungen anzuführen, fühlt sich fast wie ein Freifahrtschein an, weil unsere Gegner nicht das Maximum aus der Chance herausgeholt haben, die wir ihnen geboten haben", so Wolff, der damit auf Sergio Perez' Fahrfehler verweist, welcher Red Bull um ein stärkeres Teamresultat brachte.

Horner ist sich dessen bewusst, dass beide seiner Fahrer für den Kampf gegen Mercedes ihr Potential maximal ausschöpfen müssen. "Es geht darum, wenn es darauf ankommt, alles richtig zu machen", sagt er. Hamiltons Aufholjagd vom Rande der Top-10 bis auf Platz zwei war für ihn eine Warnung, sich nicht in Sicherheit zu wiegen.

"Mercedes hat wieder sehr starke Rennpace gezeigt, was uns sehen ließ, das zwischen uns im Moment nicht viel Luft ist", so der 47-Jährige, der für die bevorstehenden Wochenenden die Favoritenrolle gerne dem Weltmeister unterschiebt: "In Portugal und Spanien haben wir zwei Strecken, die unseren Erwartungen nach Mercedes in die Karten spielen, auf Basis der letztjährigen Daten."

Red Bull misst Portugal und Spanien hohe Wichtigkeit bei

Umso wichtiger ist es für Red Bull, nach dem starken Saisonauftakt weiter am Ball zu bleiben. "Wenn wir Mercedes auf diesen Rennstrecken unter Druck setzen können, sind das gute Vorzeichen für den Rest des Jahres", so Horner. Der RB16B macht bisher zwar den Eindruck eines WM-Herausforderers, doch die Etappensiege lassen immer noch keine voreiligen Schlüsse bei den Österreichern zu.

"Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir vier Rennen brauchen, um ein klares Bild zu bekommen. Also wird das hier die Zerreißprobe", sagt Horner mit Blick auf die kommenden Rennen. Der Trend stimmt ihn allerdings optimistisch: "Wenn die nächsten 21 Rennen so aufregend wie die ersten beiden sind, wird es eine epische Saison."


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